Ist der Sommer nicht herrlich? Nicht nur, dass ich bei Sonnenschein grundsätzlich bessere Laune habe und mich ausgeschlafener fühle als an einem grauen Tag (wem geht das nicht so?!) – nein, es ist viel mehr. Ein perfekter Sommervormittag ist es z.B., wenn ich mit Sichtfeldchen im neu erworbenen Fahrradsitz zum Bäcker und zum Obsthof radele, wo sie je einen Keks und eine Aprikose naschen darf, und wenn wir uns dann gemeinsam zu Hause auf der schattigen Terasse über die saftig-süßen Himbeeren hermachen, die wir gerade gekauft haben. Gestern waren es Erdbeeren, vorgestern ein großes Stück Wassermelone, am Tag davor Nektarinen – wir lieben es, da sind wir uns einig! Und mal ganz ehrlich, ist das nicht der Geschmack, der den Sommer ausmacht? Und der den einen oder anderen von Euch an die Sommerferien der eigenen Kindheit zurückdenken lässt…?
Der kleine Unterschied
Dienstag, 4.August 2009Wenn Sichtfeldchen „einer“ oder „eine“ sagt, dann meint sie damit „ein Anderer“ oder „noch einer“. So sagt sie z.B. im Wald oft „Baum… einer… einer…“ und bringt damit ihre Überwältigung über so viel Grünzeug zum Ausdruck.
Heute beim Zubettbringen präsentierte sie ihrer verblüfften Mama dann eine neue Wortschöpfung – sie hat nun ganz alleine eine Möglichkeit gefunden, ihre Großeltern voneinander zu unterscheiden.
Mama: Wen hast Du lieb?
Sichtfeldchen: Oma!
Mama: Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen: Opa!
Mama: Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen: Dada! (Wie schon oft erwähnt ist das der Hund meines Vaters – daraus schließe ich, dass mit den oben genannten Bezeichnungen meine Eltern gemeint sind.)
Mama: Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen: Oma… Einer! Opa… Einer!
Mir aus der Seele gesungen…
Sonntag, 2.August 2009Dieses zuckersüße zärtliche und einfach von Herzen wahre Lied habe ich vor einiger Zeit in meinem Lieblingsblog „Wer ist der Chef“ kennen gelernt, und ich möchte es unbedingt an Euch weitergeben. Nehmt Euch einfach mal die paar Minuten Zeit und hört es Euch in Ruhe an…
Was habe ich in all den Jahren ohne Dich eigentlich gemacht,
als Tage noch tagelang waren, wie hab ich sie nur rumgebracht?
Ohne Spielzeug zu reparieren, ohne den Schreck der Nerven zehrt,
ohne mit Dir auf allen Vieren durchs Haus zu traben als dein Pferd?
Keine ruhige Minute ist seitdem mehr für mich drin.
Und das geht so, wie ich vermute, bis ich hundert Jahre bin.
Du machst Dich heut in meinem Leben so breit dass ich vergessen hab,
was hat es eigentlich gegeben, damals als es Dich noch nicht gab ?
Damals glaubt’ ich alles zu wissen, bis du mir die Gewissheit nahmst,
Nie glaubt’ ich etwas zu vermissen, bis an den Tag, an dem du kamst.
Das Haus fing doch erst an zu leben seit Dein Krakeelen es durchdringt,
seit Türen knallen und Flure beben und jemand drin Laterne singt.
Früher hab ich alter Banause Möbel verrückt, verstellt, gedreht,
ein Haus wird doch erst ein Zuhause, wenn eine Wiege darin steht!
Tiefen und Höhen hab ich ermessen, Ängste und Glück waren reich beschert,
das war ein leises Vorspiel dessen, was ich mit Dir erleben werd!
Denn Du kommst und gibst allen Dingen eine ganz neue Dimension,
und was uns nun die Jahre bringen mess ich an Dir, kleine Person!
Nächtlicher Ruf
Samstag, 25.Juli 2009Sichtfeldchen schläft inzwischen – nachdem sie den Umzug verarbeitet hat – wieder vorbildlich und ruhig und wacht höchsten nachts mal auf, weil sie etwas Trinken möchte. Und jetzt mal ganz ehrlich: Würdet Ihr nicht auch selbst nachts um halb Drei von Herzen gerne aufstehen und zu ihr gehen, wenn durchs Babyfon folgende Worte gehaucht werden:
„Mama… Wassa… Bidde…“
Aber klar, mein herzallerliebstes Kind, und ich nutze auch gleich die Gelegenheit, Dich bettwarm und duftend, wie Du bist, zu knuddeln und zu küssen!
Traurige Nachrichten
Dienstag, 21.Juli 2009Heute Morgen beim Frühstück fiel mein Blick in der Zeitung auf ein vertrautes Gesicht. Oh, das ist doch Frank McCourt, dachte ich, und wollte mich schon freuen in der Hoffnung, dass er wieder ein neues wundervolles Buch geschrieben hat. Doch leider stand etwas ganz Anderes in dem Artikel.
Frank McCourt ist gestorben.
Und zwar am vergangenen Sonntag im Alter von 78 Jahren in New York in Folge einer Krebserkrankung.
Ich muss sagen, diese Nachricht hat mich schwer getroffen. Man liest ja regelmäßig vom Tod bekannter Persönlichkeiten, aber so intensiv habe ich noch nie auf eine derartige Schlagzeile reagiert. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und mein Hals fühlte sich so zugeschnürt an, dass ich gar nicht sprechen mochte.
Für alle, die es bisher versäumt haben, Frank McCourt kennen zu lernen: Er ist der Autor des Weltbestsellers „Die Asche meiner Mutter“ (Angela´s Ashes) so wie der ebenso wunderbaren autobiografischen Romane „Ein rundherum tolles Land“ (´Tis), „Tag und Nacht und auch im Sommer“ (Teacher Man) und des Kinder-Weihnachtsbuches „Wo ist das Christkind geblieben?“ (Angela and the Baby Jesus). Frank McCourt war, nein, er ist einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller, und ich trauere wirklich um ihn.
Beim Lesen seiner Bücher habe ich immer das Gefühl, ihn als Mensch wirklich kennen gelernt zu haben. Er schreibt offen, warmherzig, humorvoll und sehr ehrlich über sein Leben – über seine bitterarme Kindheit in Irland und über das Leben, das er sich als junger Mann in Amerika aufgebaut hat. Oft genug wusste ich beim Lesen nicht, ob ich weinen oder lachen sollte, und immer, immer ist es ihm in seinen Büchern gelungen, sich direkt in mein Herz zu schreiben und mich mitfühlen zu lassen, was er erlebt, erhofft, erduldet und erkämpft hat. Ich bewundere diesen Mann, und ich kann es nicht anders sagen: Dass er gestorben ist, ist ein unglaublicher Verlust.
Lieber Frank, ich danke Dir von Herzen dafür, dass Du mich hast teilhaben lassen an Deinem Leben, Deinen Gedanken und Gefühlen und dass Du mir mit Deinen faszinierenden Büchern immer wieder die schönsten Lesestunden meines Lebens bescherst. Ich wünsche Dir alles Gute. Hab Dank!
In liebevoller Erinnerung an Frank McCourt, 1930-2009.
So ist das also…?!
Montag, 6.Juli 2009Aus aktuellem Anlass hier eine kurze Unterbrechung meiner eigentlich noch immer bestehenden Blogpause:
Nach dem Abendessen. Herr Sichtfeld will gleich Sichtfeldchen ins Bett bringen, und ich sage ihr Gute Nacht.
Mama: Hast Du die Mama lieb?
Sichtfeldchen: Papa!
Mama: Den Papa hast Du lieb? Das ist ja schön. Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen: Opa!
Mama: Den Opa! Toll! Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen überlegt kurz: Dada! (=Opas Hund)
Mama muss grinsen: Ach so, den Dada hast Du lieb. Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen: Oma!
Herr Sichtfeld muss sich schon das Grinsen verkneifen.
Mama: Das ist ganz toll, Sichtfeldchen! Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen denkt angestrengt nach: Moritz! (=Name ihres Freundes, leicht abgeändert)
Mama überrascht: Den Moritz! Super, mein Schatz! Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen: Gretel! (Name ihrer Freundin, stark abgeändert)
Mama: Oh wie schön! Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen sieht sich suchend in der Küche um: Papa!
Mama, langsam ungeduldig: Ja, mein Schatz, und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen sieht sich wieder um und denkt sehr angestrengt nach. Mama fängt an zu winken und auf sich selbst zu zeigen.
Sichtfeldchen sieht sie erstaunt an: Maaa-….
Mama will sich schon freuen…
Sichtfelchen: …-ja!
Na toll – sie liebt die Bienengöre auf ihrer Trinktasse… Über das laute Gelächter seitens Herrn Sichtfeld muss ich hier wohl nicht schreiben. *grummel*
Das Ende vom Lied:
Mama: Hast Du denn auch die Mama lieb?
Papa flüstert Sichtfeldchen etwas ins Ohr.
Sichtfeldchen strahlt daraufhin die Mama an: Jaaa!
Der darauffolgende dicke Schmatzer von meiner Tochter, ihr fröhliches „Byebye“ und Winkewinke sowie ihre hinreißend durch die streichkäseverschmierten Finger gehauchte Kusshand für mich versöhnen mich und erfüllen mein Mutterherz einmal mehr mit Stolz und überwältigender Liebe!
Soll ich – oder …?
Freitag, 29.Mai 2009Ich liebe Musik. Das wissen die meisten meiner aufmerksamen Leser inzwischen. Ich bin mit überwiegend klassischer Musik aufgewachsen und sie war immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Schon als Kleinkind habe ich musikalische Früherziehung gemacht, dann die obligatorische Blockflöte erlernt und schließlich auf eigenen Wunsch Geige gelernt. Lange Jahre habe ich im Orchester mitgespielt und bei wunderbaren Konzerten und Auftritten mitgewirkt. Bei uns zu Hause hat ständig irgendjemand Musik gemacht. Mein Vater spielt Horn und Klavier, mein älterer Bruder Gitarre und Bass und mein jüngerer Bruder Klavier, Saxophon und Querflöte. Und im „Grammophon“-spielen waren und sind wir alle gut!
Später habe ich dann noch Gesangsunterricht genommen, während des Studiums Querflöte gelernt und in verschiedenen Chören mitgesungen. Auch jetzt singe ich seit über einem Jahr in einem wunderbaren Bonner Chor mit, und der Probenabend ist immer ein großes Highlight meiner Woche. Ich brauche Musik, ich liebe Musik – es gibt für jede Stimmung, für jede Situation die passende, sie kann alles ausdrücken, vielleicht sogar besser, als Worte es vermögen.
Ich halte es für das größte Versäumnis meines Lebens, dass ich nicht als Jugendliche auch noch Klavier gelernt habe. Die Kapazität und auch das Talent hätte ich gehabt, das will ich hier mal so ganz unbescheiden sagen. Aber ich habe noch viele andere Dinge gemacht (Ballett, Voltigieren, Turniertanz…), und so habe ich das Klavier leider verpasst, wie ich rückblickend feststellen muss. Ich kann zwar verschiedene Stücke spielen, die ich mir autodidaktisch am elterlichen Instrument beigebracht habe, aber „so richtig“ spielen kann ich eben nicht. Inzwischen besitze ich sogar ein eigenes Klavier – sehr zu Sichtfeldchens Vergnügen – aber ich (be-)nutze es kaum. Leider! Ich habe es eben nie gelernt. Und dabei liebe ich Klaviermusik und bewundere alle, die mit den Fingern so über die Tasten huschen und tanzen können. Das Klavier hat der Geigen gegenüber den Vorteil, dass es eben auch alleine gut klingt – was bei der Geige wirklich nur mit sehr viel Talent und jahrelanger Übung der Fall ist. Ein Klavier klingt eben „nach etwas“, und es ist so vielseitig – vielsaitig! Ich würde es zu gerne beherrschen – aber wie gesagt…
Doch jetzt – und damit wären wir bei der Überschrift dieses Textes angekommen – hat sich mir die Chance aufgetan, es doch noch zu erlernen. Über den Chor habe ich eine junge und in my humble opinion sehr talentierte Musikerin kennengelernt, die selber auch Klavierstunden gibt. Mit ihr habe ich mich vorgestern über das musikalische Versäumnis meines Lebens unterhalten, und sie sagte etwas wie „Na und? Dann lern es doch jetzt noch!“. Sie sah überhaupt kein Problem darin, dass ich ja nun schon älter (najaaaa – ist doch so!
) sei und so, zerstreute alle meine Einwände, die ich halbherzig einbrachte und bot an, mich zu unterrichten.
Tja – und was soll ich sagen? Ich habe Feuer gefangen von dieser Idee. Mir jetzt diesen musikalischen Wunsch doch noch zu erfüllen – das wäre das Größte (sofern es wirklich funktioniert)! Am liebsten würde ich sofort anfangen. Nur leider gibt es ein paar praktische Hindernisse. Was mache ich inzwischen mit Sichtfeldchen? Und wie finanziere ich das Ganze? Und wo soll ich überhaupt die Zeit hernehmen – ich will doch auch unbedingt wieder Geige spielen und bräuchte auch da Auffrischungsunterricht…
Und trotzdem, es lässt mich nicht los. Wenn nicht jetzt, wann dann? Mit 50 kann ich das doch nicht mehr machen! Und irgendwie – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – ich hab ihn nur noch nicht so recht gefunden…
Ist das klasse!
Montag, 18.Mai 2009…wenn ich nämlich etwas gestresst nach Hause komme und durch die lange Warteschlange im Supermarkt schon das Abendessen verpasst habe, und wenn ich dann die Treppe raufgehe und aus dem Schlafzimmer schon das laute Gelächter von Herrn Sichtfeld und Sichtfeldchen höre. Wenn ich dann „Hallo“ rufe und ein begeistertes „Mama!“ zurückgekräht wird, und wenn dann gleich darauf Herr Sichtfeld sagt: „Oh, Sichtfeldchen ist ja verschwunden!“, und wenn ich dann sage „Mäuslein piep einmal“ und unter einem Berg von Kissen ein kleines hohes „Piep“ hervorkommt, wenn der Kissenberg dann anfängt zu wackeln und darunter ein völlig verstrubbeltes und nur mit einer Windel bekleidetes Nackidei-Sichtfeldchen hervorkommt, das bis zu beiden Ohren strahlt und sich mir lachend in die Arme schmeißt. Gibt es eigentlich etwas Besseres für Herz und Seele?!
Der Nachtschreck
Samstag, 9.Mai 2009Normalerweise schläft Sichtfeldchen durch, und zwar von sieben Uhr abends bis morgens um halb acht. In dieser Zeit hört man – sofern sie nicht krank ist – nichts von ihr. Es kommt höchstens mal vor, dass Sie Durst hat. Dann hört man durchs Babyfon so ein leicht genörgeltes „Namm-namm“, und wenn sie dann etwas zu trinken bekommen hat, lässt sie sich problemlos wieder zu ihrem Schlafhasen ins Bett legen und schläft auch meist gleich wieder ein. Ganz anders lief es allerdings vorgestern, denn da kam der Nachtschreck zu uns.
Den Nachtschreck gibt es tatsächlich, und er ist wesentlich aufreibender, als es der Name vermuten lässt. Bei uns lief es folgendermaßen ab: Um kurz nach 21 Uhr hörten wir Sichtfeldchen durch das Babyfon weinen und tippten zunächst mal auf Durst. Herr Sichtfeld ging in die Küche, um ein Glas Wasser zu holen, und ich ging zu Sichtfeld, um sie schonmal hochzunehmen und zu beruhigen. Doch daraus wurde nichts. Etwas Derartiges habe ich noch nie erlebt: Sie ließ sich nicht auf den Arm nehmen, wollte aber auch nicht mehr im Bett liegen. Sie hat laut geschrien und krampfartig geatmet, und sie ließ sich absolut nicht von uns beruhigen. Im Gegenteil, sie hat jegliche Annäherungsversuche von uns abgewehrt und schien uns gar nicht zu erkennen. Ich habe sie dann trotzdem auf den Arm genommen, und wir sind mit ihr in unser Schlafzimmer gegangen und haben dort das Licht angemacht. Ich hatte den Eindruck, dass sie gar nicht ganz wach war, sondern irgendwo zwischen Schlaf und Wachsein „gefangen“ war, deshalb wollte ich sie wecken und ihr eine vertraute Umgebung bieten. Doch sie ließ sich weder wecken noch beruhigen, im Gegenteil, es wurde immer schlimmer. Sie hat sich in unserem Schlafzimmer völlig wild und orientierungslos auf dem Teppich herumgerollt, hat geweint und geschrien und unsere Hände weggestoßen, wenn wir sie streicheln und trösten wollten. Sie hat uns tatsächlich nicht erkannt, und ihre Augen blickten verwirrt und waren weit aufgerissen und sie war total panisch. Wir wussten überhaupt nicht, was wir machen sollten. Ihr Schreien klang auch völlig neu für uns, es war kein Wutgebrüll und kein Schmerzensgebrüll, es muss Angst gewesen sein. Ihr kleines Herzchen hämmerte wie wild gegen ihren Brustkorb, und Herr Sichtfeld und ich waren richtig ratlos und verzweifelt, das könnt Ihr Euch sicher vorstellen.
Plötzlich fiel mir ein, dass ich in diesem Buch schonmal was von einem Nachtschreck gelesen hatte, in Abgrenzung zu „normalen“ Alpträumen. Und tatsächlich stimmten alle Symptome überein: Sichtfeldchen hatte wirklich einen Nachtschreck. Es war für uns schon beruhigend, ihren Zustand nun einschätzen und benennen zu können, aber trotzdem war die Situation unglaublich belastend für uns. Schließlich haben wir sie in unser Bett gelegt, und dort kam sie nach über zwanzig Minuten endlich zur Ruhe. Nachdem wir sie noch etwas gestreichelt und ihr etwas vorgesummt hatten, haben wir sie schließlich wieder in ihr eigenes Bettchen gebracht, wo sie auch sofort einschlief, als wäre nichts gewesen.
Natürlich haben wir anschließend sofort im Internet Genaueres über diesen Nachtschreck recherchiert. Von Sichtfeldchen haben wir bis zum nächsten Morgen nichts mehr gehört, und da war sie so wie immer: gut drauf und ein echtes kleines Sonnenscheinchen. Aber ich selber war den ganzen Abend über völlig aufgewühlt und hatte so ein merkwürdiges flaues Nachgefühl im Bauch, dass auch jetzt wiederkommt, wenn ich mir diese Situation noch einmal ins Gedächtnis rufe. Ich hoffe und bete, wir das nicht noch einmal erleben müssen!
Der Traum vom Haus X
Donnerstag, 9.April 2009Monatelang haben wir auf diesen Augenblick gewartet. Und nun, plötzlich doch ganz schnell, war er auf einmal da. Wir schüttelten unseren Vorbesitzern zum Abschied die Hände – wie schon des öfteren – und dann waren SIE diejenigen, die das Haus – unser neues Haus! – verließen, und wir blieben dort und schlossen die Tür von innen. Was für ein merkwürdiger, überwältigender, rührender und toller Moment! Wir haben ihn natürlich sofort erstmal mit einem Kuss gefeiert, mit dem ersten Kuss innerhalb unserer eigenen vier Wände! Ich kann es noch gar nicht so recht begreifen.
Heute war also die Hausübergabe, auf die wir so lange hingefiebert haben. Wir haben gemeinsam mit unseren Vorbesitzern noch einmal eine sehr ausgedehnte Tour durch das Haus gemacht, das jetzt völlig leer steht, haben ein paar Kleinigkeiten notiert, Fotos gemacht und uns Gastherme, Wasseranschlüsse und Gegensprechanlage erklären lassen. Dann wurden die Zählerstände notiert und eingetragen und das Ganze wurde mit unseren vier Unterschriften besiegelt. Als wir daraufhin ein paar kleine Geschenke und vor allem viele gute Wünsche für die Zukunft austauschten, war uns dann glaube ich allen sehr feierlich zu Mute. Unserer Vorbesitzerin und mir standen vor Rührung und Abschiedsschmerz sogar ein paar winzige Tränchen in den Augen. Wenige Minuten später waren wir dann zum ersten Mal alleine in unserem Haus. UNSER HAUS! Das, worauf wir jahrelang hingearbeitet haben und worauf wir uns freuen, seit wir das Haus zum ersten Mal gesehen haben. Jetzt ist es soweit!
Da standen wir dann also in den leeren Räumen, die wir ab sofort als unser neues Zuhause beziehen und gemütlich einrichten werden. Noch sind deutliche Spuren unserer Vorbesitzer da, Druckstellen auf den Teppichen dort, wo die Möbel standen, und Flecken an den Wänden dort, wo die Bilder hingen… Doch ab Dienstag werden die Handwerker kommen und unserem Haus (!) unsere persönliche Note verleihen, sie werden streichen, Böden verlegen und eine Wand ins Dachstudio einziehen, und dann… jaaa, dann!
Und gleich wird erstmal eine Flasche Sekt geköpft!
Traum-Date
Dienstag, 31.März 2009Gestern abend habe ich beim Einschlafen ein Date mit Herrn Sichtfeld ausgemacht. Das haben wir früher öfter mal gemacht, dann geriet es irgendwie in Vergessenheit – aber gestern abend war mir plötzlich wieder einmal danach. Das Besondere daran ist, dass es eine Verabredung für den Traum ist. Wir verabreden dann zum Beispiel, uns gleich nach dem Einschlafen an einem besonders schönen Ort zu treffen oder etwas besonders Schönes zu machen. Gestern haben wir uns für einen Barfuß-Strandspaziergang verabredet.
Ob wir uns nun wirklich im Traum getroffen haben, daran kann ich mich heute nicht mehr erinnern, aber darum geht es auch gar nicht. Das Schöne daran ist, dass man einschläft mit dem Gefühl der Sonne auf der Haut, des warmen Windes in den Haaren, des Sandes zwischen den Zehen oder der Wellen, die sanft die Fußknöchel umspielen, und mit der Hand des Liebsten in der eigenen…
Lügnerin!
Donnerstag, 19.März 2009Neulich hat er bei mir geklingelt. Er, von dem ich nicht gedacht hätte, dass es ihn überhaupt gibt. Er, den ich bisher immer für ein Phantom aus der Werbung gehalten habe: der Herr von der G.E.Z. Und ganz ehrlich? Ich hatte schon lange keinen so unangenehmen Gegenüber mehr! Vorab: Herr Sichtfeld ist sehr akkurat und genau, wenn es um solche Dinge wie Versicherungen, Anschlüsse und Gebühren geht, und ich weiß genau, dass wir angemeldet sind. Trotzdem fragte mich dieser Mensch sehr frostig aus bezüglich unserer Daten und Geräte und ließ mich sehr deutlich merken, dass er sich ganz sicher war, dass ich log. Er hat es nicht wörtlich gesagt, aber trotzdem war diese Unterstellung da. Schließlich stellte sich dann nach einem Telefonat heraus, dass wir wirklich angemeldet sind und dass der Fehler bei der G.E.Z. lag, die uns unter einer falschen Postleitzahl führte und unseren Straßennahmen mit Z vorne statt mit K geschrieben hat. Ts-ts-ts… Ich bin jetzt noch richtig empört und fühle mich persönlich beleidigt von dieser Unterstellung, ich würde lügen. Und das Schlimmste ist, dass dieser Mensch es noch nicht einmal für nötig gehalten hat, sich zu entschuldigen! Ich kann mir vorstellen, dass man in diesem Job oft Menschen begegnet, die versuchen, sich rauszureden, und dass man dann irgendwie abstumpft. Aber das ist für mich keine Entschuldigung! Hätte er sich mal lieber gefreut, dass da wirklich mal jemand ehrlich ist und zahlt…!
Schönes und Weises – Was Kinder bewirken
Donnerstag, 5.März 2009Durch Umgang mit Kindern gesundet die Seele.
- Fjodor Michailowitsch Dostojewski -
Nicht, dass meine Seele vorher krank gewesen wäre. Nein, das ganz bestimmt nicht. Und dennoch ging es ihr noch nie so gut. Seit ich von Sichtfeldchen wusste, blühte meine Seele immer weiter auf, und seit ich Sichtfeldchen zum ersten Mal in den Armen hielt, kommt es mir vor, als sei meine Seele so weit und frei, offen und lebendig, dass ich mich wundere, dass sie überhaupt noch in meinen Körper passt. Vielleicht kommt daher dieses merkwürdige Gefühl, manchmal fast zu platzen vor Glück…
Ich weiß, ich weiß, als Mutter ist man nicht objektiv, als Vater ebenso wenig. Doch jeden Tag erlebe ich es, wie Sichtfeldchen auch anderen Seelen gut tut, nicht nur unseren. Wie oft zaubert sie ein Lächeln auf zuvor müde, griesgrämige Gesichter – allein durch ihre Anwesenheit, ihren neugierigen, staunenden Blick, ein freundliches Winkewinke oder ein völlig überwältigtes „Da!“. Sie schafft es immer wieder, Gesichter zum Leuchten zu bringen, sogar wenn diesen Menschen vor Kurzem noch Schreckliches widerfahren ist. Unsere Nachbarin zum Beispiel ist seit kurzem Witwe, und ich weiß, dass es ihr sehr schlecht geht. Doch wenn ich sie mit Sichtfeldchen im Treppenhaus treffe, dann schafft sie es zu lächeln, liebevoll mit meiner Tochter zu sprechen und schöne Dinge zu sagen, und ich bin mir sicher, dass das an dem tröstenden, heilenden Zauber liegt, der eben von kleinen Kindern ausgeht. Ich selber durfte das auch mit anderen Kindern erfahren, im Beruf und auch privat. Ein Kind zu beobachten, mit ihm zu sprechen oder zu spielen, es in den Armen zu halten – all das vermag den eigenen Kummer für einige Augenblicke zu überdecken und der Seele etwas Glück und Wärme zu spenden. Und tatsächlich gesundet die Seele ein wenig, mit jedem Augenblick, in dem wir uns auf ein Kind einlassen.
Ich bin von Herzen dankbar dafür, dies jeden Tag miterleben zu dürfen – es ist jedes Mal aufs Neue ein kleines Wunder…
Liebeserklärung
Donnerstag, 26.Februar 2009Ich vermisse Dich. Und ich freue mich wie verrückt auf Dich. Viel zu lange schon habe ich Dich einfach liegen gelassen, gebettet auf dem dunkelblauen Samt, mit dem Dein Kasten ausgekleidet ist und der so wunderbar zu Deinem rotbraunen Holz passt. Sehnsuchtsvoll öffne ich den Koffer, hebe das Tuch an, und da liegst Du vor mir, in all Deiner Schönheit und nach den Jahren der Abstinenz noch immer fast perfekt gestimmt. Meine Finger streichen über Deinen kühlen, glatten Körper, berühren andächtig Deine Saiten. Ich nehme Dich heraus und atme Deinen Duft ein. Das Gefühl, Dich in der Hand zu halten und an die Schulterbeuge zu legen, Dein Gewicht, die leisen Geräusche, die Du bei jeder Berührung von Dir gibst – all das löst so viele wunderschöne Erinnerungen in mir aus. Was haben wir alles miteinander erlebt. Du hast mich wachsen sehen, immer besser haben wir gemeinsam gespielt. Die unvergesslichen Unterrichtsstunden bei Frau T., immerhin elf Jahre lang – Bach, Haydn, Paganini, Rubinstein, Bartok… Und die wundervolle Zeit im Orchester – Grieg, Mussorgsky, Elgar, Beethoven, Gluck, und wiederum Bach… Und wo haben wir schon überall gemeinsam geklungen, sogar ganz bis nach Italien! Deine, unsere Musik war das Erste, das mein Mann von mir kennen lernte, damals auf der Hochzeit, weißt Du noch? Damals, als wir uns noch so gut kannten, als wir uns täglich, oft stundenlang sahen…
Wie konnte es nur so weit kommen? Wie konnte ich Dich nur so lange ruhen lassen? Immer wieder wurde ich von Sehnsucht gepackt, Dich wieder zur Hand zu nehmen, besonders nach dem Besuch eines Konzerts – und immer wieder habe ich mich nicht getraut, Dich erklingen zu lassen, aus Angst vor den Nachbarn – wie konnte ich nur? Ich vermisse Dich so sehr, und ich sehne mich danach, eines Tages wieder mit Dir gemeinsam so zu erklingen, wie wir es vor Jahren einmal vermochten…
Es wird alles gut. Wir werden bald in einem Haus leben, in dem ich Dich wieder spielen kann, und wir werden gemeinsam wieder Unterricht nehmen und mit dieser Hilfe wieder zueinander finden. Und wer weiß? Vielleicht wird mein Traum ja doch eines Tages wahr – gemeinsam mit Dir…?
Für Dich, meine geliebte Violine, ist dieses Stück, das Cantabile von Paganini – eines der letzten Stücke, die wir im Unterricht zusammen gespielt haben…
… und hier ist mein Traum: Ich möchte einmal in meinem Leben mit Dir zusammen das Brandenburgische Konzert Nr.3 von Bach spielen, aus dem hier der dritte Satz erklingt:
Trotz allem immer
Deine Mareike
Großwerden tut manchmal weh
Freitag, 20.Februar 2009Mein liebes süßes Sichtfeldchen,
jeden Tag bereitest Du mir und Deinem Papa so viel Freude! Wir staunen immer wieder, wie schnell aus dem kleinen, hilflosen Mäuschen, das Du bei Deiner Geburt warst, so ein selbständiges, fröhliches, neugieriges und lebensfrohes Mädchen geworden ist, und wir sind unheimlich stolz auf Dich und lieben Dich über alles. Du erkundest Deine Umwelt voller Interesse, und wenn Du etwas Neues gelernt hast, dann wendest Du es sicher und mit Freude an. Dich beim Großwerden zu beobachten und begleiten zu dürfen, ist das größte Glück, das mir in meinem Leben widerfahren ist.
Doch manchmal tut Großwerden auch weh. Heute morgen zum Beispiel hast Du fröhlich mit der Wasserflasche gespielt und bist dann voller Schwung durch die Wohnung gesaust. Und plötzlich lag die Flasche im Weg, und Du bist darauf getreten, ausgerutscht und hingefallen. Das gab natürlich Tränen, und auf meinem Arm machtest Du Deinen Gefühlen Luft. Ich konnte richtig merken, dass es nicht nur der Schmerz war, der Dich weinen ließ. Nein, es war viel mehr der Schreck, so unsanft aus Deinem Vergnügen gerissen worden zu sein, und besonders die Enttäuschung darüber, das etwas, was Du schon so sicher beherrschst wie das Laufen, plötzlich doch nicht geklappt hat. Es waren die Wut und Frustration, dass Dir etwas missglückt ist, die Dich besonders aufgewühlt haben. Wir haben dann gemeinsam Deinen Schmerz weggepustet und ein Liedchen gesungen, und bald hattest Du Dich wieder beruhigt. Sicher hast Du es inzwischen bereits vergessen, denn Du machst nebenan friedlich Deinen Mittagsschlaf.
Doch das wird leider nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Dir so etwas passiert. Erlebnisse wie diese werden sich durch Dein ganzes Leben ziehen, und immer wieder wird es vorkommen, dass ein kleiner Unfall versucht, Dein Selbstbewusstsein anzugreifen. Lass Dich davon nicht entmutigen, mein Kind. Es gehört zum Großwerden und zu Großsein eben dazu, und daran wächst man. Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du Deinen Optimismus und Deine Lebensfreude behältst, und dass Du Dich von kleinen Misserfolgen nicht irritieren lässt, sondern sie mit einem Lächeln annimmst. Und ich wünsche Dir ganz besonders, dass Du immer, wenn es nötig ist, jemanden in Deiner Nähe hast, der Dich auffängt und in die Arme nimmt, der Dir ein Liedchen singt und den Schmerz wegpustet. So lange Du es möchtest, werde ich dieser Mensch für Dich sein. Ich bin immer für Dich da, meine liebe kleine Tochter, immer. Das verspreche ich Dir!
Deine Mama
Verfasst von Sicht-Feld
Verfasst von Sicht-Feld
Verfasst von Sicht-Feld 
