die meisten von Euch haben es wohl eh schon vermutet – zumindest wurde ich in einigen Emails schon mehr oder weniger direkt darauf angesprochen, deshalb wollen wir es nun nicht länger geheimhalten. Der Grund dafür, dass ich derzeit schon so lange außer Gefecht bin, ist im Moment ungefähr so groß wie mein kleiner Finger, hat es sich in meinem Bauch gemütlich gemacht und wird voraussichtlich im April von dort in unsere weit geöffneten Arme umziehen.
Trotz aller Freude darüber habe ich dennoch mit heftigen Übelkeitsattacken rund um die Uhr (von wegen morgens!) zu kämpfen, sodass mir im Moment nicht nach Bloggen (und auch nach sonst nichts) zumute ist. Ich denke, das könnt ihr mir nachsehen, und ich hoffe einfach, dass das bald vorbei ist, sodass ich hier wieder kräftig mitmischen kann!
Ich denke jedenfalls viel an Euch und freue mich über jedes nette Wort, das ich von oder bei Euch lese!
Wenn Du heute bei uns anrufen würdest, dann würde Sichtfeldchen Dir (mit Mamas Hilfe) von ihrem tollen Erlebnis am Samstagnachmittag erzählen, und das würde dann so klingen:
Mama: Erzähl mal, worauf bist Du denn geritten?
Sichtfeldchen würde ihr Geräusch für „Pferd“ machen, das ich hier nicht verschriftlichen kann – sie pustet Luft durch ihre geschlossenen Lippen.
Mama: Genau, Du bist auf einem echten Pferd (Pony) geritten! Und wie hat das Pferd gemacht?
Sichtfeldchen: Hopp – hopp – hopp!
Mama: Und welche Farbe hatte das Pferd?
Sichtfeldchen: Weisssss!
Mama: Und was hast Du hinterher mit dem Pferd gemacht?
Sichtfeldchen: Ei – ei!
Mama: Und war das toll?
Sichtfeldchen: Ja.
Mama: Und sollen wir das bald mal wieder machen?
Sichtfeldchen jubelt: Jaaaaaaa! Meeeeehr… (Sie denkt kurz nach) Bitte!
Ist der Sommer nicht herrlich? Nicht nur, dass ich bei Sonnenschein grundsätzlich bessere Laune habe und mich ausgeschlafener fühle als an einem grauen Tag (wem geht das nicht so?!) – nein, es ist viel mehr. Ein perfekter Sommervormittag ist es z.B., wenn ich mit Sichtfeldchen im neu erworbenen Fahrradsitz zum Bäcker und zum Obsthof radele, wo sie je einen Keks und eine Aprikose naschen darf, und wenn wir uns dann gemeinsam zu Hause auf der schattigen Terasse über die saftig-süßen Himbeeren hermachen, die wir gerade gekauft haben. Gestern waren es Erdbeeren, vorgestern ein großes Stück Wassermelone, am Tag davor Nektarinen – wir lieben es, da sind wir uns einig! Und mal ganz ehrlich, ist das nicht der Geschmack, der den Sommer ausmacht? Und der den einen oder anderen von Euch an die Sommerferien der eigenen Kindheit zurückdenken lässt…?
Sichtfeldchen ist zurzeit etwas lädiert, sie ist gestern auf einem Kindergeburtstag unglücklich gestürzt und mit dem Kopf auf einen großen Stein aufgeschlagen. Zum Glück gab es „nur“ eine böse Beule und eine ganz leichte Schürfung und keine bluttriefende Platzwunde. Man konnte aber sofort an ihrem Schreien hören, dass es wirklich ordentlich weh getan haben muss, und wir sind natürlich gleich ins Haus galoppiert, um das Ganze zu kühlen.
Da saß dann mein kleines schluchzendes Häuflein Elend auf meinem Schoß, mit einem Kühlpackage am Kopf und einer Mini-Eiswaffel in der Hand. Aber so ein Eis wirkt doch Wunder: Nachdem sie davon drei (!) Stück verputzt hatte, war das Aua vergessen und sie lief fröhlich weiter rutschen und toben. Das Aua im Bauch blieb trotz der vielen Eis zzgl. der Schokobonbons, des Geburtstagskuchens und der Sma*ties zum Glück auch aus, und heute hat sie das Ganze zum Glück schon vergessen. Mein tapferes kleines Indianermädchen!
Dieses zuckersüße zärtliche und einfach von Herzen wahre Lied habe ich vor einiger Zeit in meinem Lieblingsblog „Wer ist der Chef“ kennen gelernt, und ich möchte es unbedingt an Euch weitergeben. Nehmt Euch einfach mal die paar Minuten Zeit und hört es Euch in Ruhe an…
Was habe ich in all den Jahren ohne Dich eigentlich gemacht,
als Tage noch tagelang waren, wie hab ich sie nur rumgebracht?
Ohne Spielzeug zu reparieren, ohne den Schreck der Nerven zehrt,
ohne mit Dir auf allen Vieren durchs Haus zu traben als dein Pferd?
Keine ruhige Minute ist seitdem mehr für mich drin.
Und das geht so, wie ich vermute, bis ich hundert Jahre bin.
Du machst Dich heut in meinem Leben so breit dass ich vergessen hab,
was hat es eigentlich gegeben, damals als es Dich noch nicht gab ?
Damals glaubt’ ich alles zu wissen, bis du mir die Gewissheit nahmst,
Nie glaubt’ ich etwas zu vermissen, bis an den Tag, an dem du kamst.
Das Haus fing doch erst an zu leben seit Dein Krakeelen es durchdringt,
seit Türen knallen und Flure beben und jemand drin Laterne singt.
Früher hab ich alter Banause Möbel verrückt, verstellt, gedreht,
ein Haus wird doch erst ein Zuhause, wenn eine Wiege darin steht!
Tiefen und Höhen hab ich ermessen, Ängste und Glück waren reich beschert,
das war ein leises Vorspiel dessen, was ich mit Dir erleben werd!
Denn Du kommst und gibst allen Dingen eine ganz neue Dimension,
und was uns nun die Jahre bringen mess ich an Dir, kleine Person!
Sichtfeldchen lernt ja zurzeit eifrig das Sprechen und beschert uns damit ständig wieder neue Gründe, sie einfach hinreißend, süß und total witzig zu finden. Während unseres Aufenthalts bei den Sichtfeldschen Großeltern hat sie sich ein Wort angeeignet, welches ich mit Abstand am liebsten höre. Es bezeichnet zwei verschiedene Dinge: Einerseits heißen so die kleinen Häppchen, mit denen Opas Hund belohnt wird, wenn er den Ball apportiert hat, andererseits lobt Sichtfeldchen so ein Essen, das ihr wirklich gut schmeckt.
Mama: „Sichtfeldchen, was möchtest Du denn dem Dada (=Opas Hund) geben?“ Sichtfeldchen: „Geleckerli!“
Mama: „Dann frag mal den Opa, der hat bestimmt ein paar Leckerli, die Du dann dem Dada geben kannst.“
Sichtfeldchen flitzt zu Opa und zupft ihn an der Hand: „Opa… Geleckerli… bitte!“
oder eben
Oma: „Na, Sichtfeldchen, wie schmeckt Dir denn das Essen?“
Sichtfeldchen reibt sich den Bauch: „Geleckerli!“
Gestern abend bin ich vor der allmittwochlichen Chorprobe noch etwas durch die Bonner Innenstadt gebummelt und habe mir als kleinen Abendimbiss so ein Sechstelstück Pizza von dieser leicht überteuerten Pizza-Hütten-Kette genehmigt. Bevor ich jedoch in das nächste Geschäft hineingehen konnte, musste ich ja ersteinmal die Pizza aufgegessen haben. Gesagt, getan. Ich schiebe mir also den letzten, etwas überdimensionierten Bissen in den Mund, werfe Papierserviette und Pappteller in den nächsten Mülleimer und drehe mich Richtung Eingang, mit etwa folgenden Gedanken im Kopf:
„Oh Mann, hoffentlich sieht jetzt keiner zu genau in mein Gesicht, wie ich hier schwer kaue, mit dicken Backen usw. – sieht bestimmt ziemlich bekloppt aus… Aber egal, mich kennt hier ja zum Glück keiner…“
Und was passiert genau in diesem Moment? Da kommt so ein etwas heruntergekommener Jugendlicher und spricht mich in so einem ganz leisen, zaghaften Ton an, den ich noch dazu kaum verstehe. Ich würde kaum mehr als ein „Mmmmpf“ herausbringen, deshalb versuche ich, ihn durch Gesten darauf aufmerksam zu machen, dass ich gerade den Mund voll habe. Das hat er vermutlich noch gar nicht gemerkt! Er murmelt jedenfalls etwas davon, dass er mich nicht belästigen will oder so und tut es aber trotzdem. Mit Mühe und Not bringe ich ein ziemlich undeutliches „IschhabdemMumpvoll“ heraus und will damit an sein Feingefühl appelieren, dass er sich abwendet und uns beiden den Rest dieser Peinlichkeit erspart. Aber er fragt mich stattdessen, ob ich nicht etwas Geld für ihn hätte für etwas zu essen. Na toll! Wie bitte soll ich mich den jetzt fühlen? Ich stehe hier mit bis zum Bersten mit Pizza gefüllten Backentaschen, und er erzählt mir, dass er Hunger hat. Ich resigniere kurzerhand und ziehe mein Portemonnaie heraus – ehrlich gesagt vor allem deshalb, weil ich diese blöde Situation so schnell wie möglich beenden und meinen Rest Pizza in Ruhe und einem Rest Würde herunterwürgen will – und drücke ihm eine Münze in die Hand. Er bedankt sich und verschwindet. Aufatmen kann ich nur durch die Nase, mein Mund ist immer noch zu voll…
Ich gebe zu, bei den üblicherweise in meiner Mundhöhle herrschenden Raumverhältnissen hätte ich mich wortreich und versuchtermaßen höflich aus der Affäre gezogen und ihm nichts gegeben. Ich spende lieber an Straßenmusiker, denen ich eine Weile zuhöre, oder über eine ganz bestimmte Organisation, von der ich weiß, dass das Geld auch wirklich ankommt und sinnvoll genutzt wird.
Anschließend konnte ich mich jedoch eines bestimmten Gedankens nicht erwehren: Ist das eine neue Geschäftsmasche? Legen die es jetzt vielleicht drauf an, Leute auf dem falschen Fuß zu erwischen und die unangenehme Situation für den potentiellen Geldgeber auszunutzen? Ich könnte mir vorstellen, dass man damit gar nicht so schlecht verdient! Vielleicht gibt es ja mehr Leute wie mich, die sich mit vollem Mund nicht mehr in der Lage sehen, die Bitte um Geld höflich und dennoch entschieden von sich zu weisen, und die sich dann lieber von einer Münze trennen, als einfach stumm den Kopf zu schütteln und sich wegzudrehen… Es lebe die Höflichkeit!
Heute Morgen beim Frühstück fiel mein Blick in der Zeitung auf ein vertrautes Gesicht. Oh, das ist doch Frank McCourt, dachte ich, und wollte mich schon freuen in der Hoffnung, dass er wieder ein neues wundervolles Buch geschrieben hat. Doch leider stand etwas ganz Anderes in dem Artikel.
Frank McCourt ist gestorben.
Und zwar am vergangenen Sonntag im Alter von 78 Jahren in New York in Folge einer Krebserkrankung.
Ich muss sagen, diese Nachricht hat mich schwer getroffen. Man liest ja regelmäßig vom Tod bekannter Persönlichkeiten, aber so intensiv habe ich noch nie auf eine derartige Schlagzeile reagiert. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und mein Hals fühlte sich so zugeschnürt an, dass ich gar nicht sprechen mochte.
Beim Lesen seiner Bücher habe ich immer das Gefühl, ihn als Mensch wirklich kennen gelernt zu haben. Er schreibt offen, warmherzig, humorvoll und sehr ehrlich über sein Leben – über seine bitterarme Kindheit in Irland und über das Leben, das er sich als junger Mann in Amerika aufgebaut hat. Oft genug wusste ich beim Lesen nicht, ob ich weinen oder lachen sollte, und immer, immer ist es ihm in seinen Büchern gelungen, sich direkt in mein Herz zu schreiben und mich mitfühlen zu lassen, was er erlebt, erhofft, erduldet und erkämpft hat. Ich bewundere diesen Mann, und ich kann es nicht anders sagen: Dass er gestorben ist, ist ein unglaublicher Verlust.
Lieber Frank, ich danke Dir von Herzen dafür, dass Du mich hast teilhaben lassen an Deinem Leben, Deinen Gedanken und Gefühlen und dass Du mir mit Deinen faszinierenden Büchern immer wieder die schönsten Lesestunden meines Lebens bescherst. Ich wünsche Dir alles Gute. Hab Dank!
In liebevoller Erinnerung an Frank McCourt, 1930-2009.
Aus aktuellem Anlass hier eine kurze Unterbrechung meiner eigentlich noch immer bestehenden Blogpause:
Nach dem Abendessen. Herr Sichtfeld will gleich Sichtfeldchen ins Bett bringen, und ich sage ihr Gute Nacht.
Mama: Hast Du die Mama lieb?
Sichtfeldchen: Papa!
Mama: Den Papa hast Du lieb? Das ist ja schön. Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen: Opa!
Mama: Den Opa! Toll! Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen überlegt kurz: Dada! (=Opas Hund)
Mama muss grinsen: Ach so, den Dada hast Du lieb. Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen: Oma!
Herr Sichtfeld muss sich schon das Grinsen verkneifen.
Mama: Das ist ganz toll, Sichtfeldchen! Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen denkt angestrengt nach: Moritz! (=Name ihres Freundes, leicht abgeändert)
Mama überrascht: Den Moritz! Super, mein Schatz! Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen: Gretel! (Name ihrer Freundin, stark abgeändert)
Mama: Oh wie schön! Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen sieht sich suchend in der Küche um: Papa!
Mama, langsam ungeduldig: Ja, mein Schatz, und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen sieht sich wieder um und denkt sehr angestrengt nach. Mama fängt an zu winken und auf sich selbst zu zeigen.
Sichtfeldchen sieht sie erstaunt an: Maaa-….
Mama will sich schon freuen…
Sichtfelchen: …-ja!
Na toll – sie liebt die Bienengöre auf ihrer Trinktasse… Über das laute Gelächter seitens Herrn Sichtfeld muss ich hier wohl nicht schreiben. *grummel*
Das Ende vom Lied:
Mama: Hast Du denn auch die Mama lieb?
Papa flüstert Sichtfeldchen etwas ins Ohr.
Sichtfeldchen strahlt daraufhin die Mama an: Jaaa!
Der darauffolgende dicke Schmatzer von meiner Tochter, ihr fröhliches „Byebye“ und Winkewinke sowie ihre hinreißend durch die streichkäseverschmierten Finger gehauchte Kusshand für mich versöhnen mich und erfüllen mein Mutterherz einmal mehr mit Stolz und überwältigender Liebe!
Diese Frage musste ich mir gestern abend um kurz nach Mitternacht stellen. Herr Sichtfeld saß noch am Computer, sodass ich schon einmal alleine schlafen gehen wollte. Ich schüttelte also unsere Bettdecke auf und setzte mich auf die Bettkante. Da fiel mein Blick auf etwas Schwarzes auf dem hellen Schlafzimmerteppich. Da ich meine Kontaktlinsen bereits herausgenommen hatte, konnte ich nicht erkennen, was es war – ich tippte zunächst auf ein liegengbliebenes Spielzeug von Sichtfeldchen oder einen aus einem Schuhprofil stammenden Erdfleck. Ich wollte mich schon hinlegen, da meinte ich zu erkennen, dass sich der Fleck von der Stelle bewegte…
… halten mich seit etwa zwei Wochen immer wieder von den Dingen ab, auf die ich Lust habe, so z.B. auch vom Bloggen. Ich muss zurzeit eine eklige Parodontose-Behandlung über mich ergehen lassen, und irgendwie verheilt es nicht ganz wie geplant. Seit gestern nun bin ich komplett mit Schmerzmitteln zugedröhnt, anders geht es nicht mehr. *heul*
Naja, auch das wird vorübergehen… Ich habe nur ein schlechtes Gewissen, dass auch Sichtfeldchen und nicht zuletzt Herr Sichtfeld unweigerlich darunter zu leiden haben, wie es mir gerade geht…
Ich liebe Musik. Das wissen die meisten meiner aufmerksamen Leser inzwischen. Ich bin mit überwiegend klassischer Musik aufgewachsen und sie war immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Schon als Kleinkind habe ich musikalische Früherziehung gemacht, dann die obligatorische Blockflöte erlernt und schließlich auf eigenen Wunsch Geige gelernt. Lange Jahre habe ich im Orchester mitgespielt und bei wunderbaren Konzerten und Auftritten mitgewirkt. Bei uns zu Hause hat ständig irgendjemand Musik gemacht. Mein Vater spielt Horn und Klavier, mein älterer Bruder Gitarre und Bass und mein jüngerer Bruder Klavier, Saxophon und Querflöte. Und im „Grammophon“-spielen waren und sind wir alle gut!
Später habe ich dann noch Gesangsunterricht genommen, während des Studiums Querflöte gelernt und in verschiedenen Chören mitgesungen. Auch jetzt singe ich seit über einem Jahr in einem wunderbaren Bonner Chor mit, und der Probenabend ist immer ein großes Highlight meiner Woche. Ich brauche Musik, ich liebe Musik – es gibt für jede Stimmung, für jede Situation die passende, sie kann alles ausdrücken, vielleicht sogar besser, als Worte es vermögen.
Ich halte es für das größte Versäumnis meines Lebens, dass ich nicht als Jugendliche auch noch Klavier gelernt habe. Die Kapazität und auch das Talent hätte ich gehabt, das will ich hier mal so ganz unbescheiden sagen. Aber ich habe noch viele andere Dinge gemacht (Ballett, Voltigieren, Turniertanz…), und so habe ich das Klavier leider verpasst, wie ich rückblickend feststellen muss. Ich kann zwar verschiedene Stücke spielen, die ich mir autodidaktisch am elterlichen Instrument beigebracht habe, aber „so richtig“ spielen kann ich eben nicht. Inzwischen besitze ich sogar ein eigenes Klavier – sehr zu Sichtfeldchens Vergnügen – aber ich (be-)nutze es kaum. Leider! Ich habe es eben nie gelernt. Und dabei liebe ich Klaviermusik und bewundere alle, die mit den Fingern so über die Tasten huschen und tanzen können. Das Klavier hat der Geigen gegenüber den Vorteil, dass es eben auch alleine gut klingt – was bei der Geige wirklich nur mit sehr viel Talent und jahrelanger Übung der Fall ist. Ein Klavier klingt eben „nach etwas“, und es ist so vielseitig – vielsaitig! Ich würde es zu gerne beherrschen – aber wie gesagt…
Doch jetzt – und damit wären wir bei der Überschrift dieses Textes angekommen – hat sich mir die Chance aufgetan, es doch noch zu erlernen. Über den Chor habe ich eine junge und in my humble opinion sehr talentierte Musikerin kennengelernt, die selber auch Klavierstunden gibt. Mit ihr habe ich mich vorgestern über das musikalische Versäumnis meines Lebens unterhalten, und sie sagte etwas wie „Na und? Dann lern es doch jetzt noch!“. Sie sah überhaupt kein Problem darin, dass ich ja nun schon älter (najaaaa – ist doch so! ) sei und so, zerstreute alle meine Einwände, die ich halbherzig einbrachte und bot an, mich zu unterrichten.
Tja – und was soll ich sagen? Ich habe Feuer gefangen von dieser Idee. Mir jetzt diesen musikalischen Wunsch doch noch zu erfüllen – das wäre das Größte (sofern es wirklich funktioniert)! Am liebsten würde ich sofort anfangen. Nur leider gibt es ein paar praktische Hindernisse. Was mache ich inzwischen mit Sichtfeldchen? Und wie finanziere ich das Ganze? Und wo soll ich überhaupt die Zeit hernehmen – ich will doch auch unbedingt wieder Geige spielen und bräuchte auch da Auffrischungsunterricht…
Und trotzdem, es lässt mich nicht los. Wenn nicht jetzt, wann dann? Mit 50 kann ich das doch nicht mehr machen! Und irgendwie – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – ich hab ihn nur noch nicht so recht gefunden…
Über Himmelfahrt ist wieder einmal ein großes Familientreffen angesagt, auf das ich mich schon seit dem letzten Mal vor zwei Jahren freue. Damals war ich mit Sichtfeldchen schwanger, und nun kann ich sie endlich präsentieren mit der Großfamilie (ca. 80 Personen) bekannt machen. Aus diesem Anlass war ich heute extra schnell noch mit ihr beim Friseur (und zwar bei dem, zu dem Herr Sichtfeld auch geht), denn der hat ihre Haare beim letzten Mal richtig toll geschnitten. Tja – und heute hatte er irgendwie keinen guten Tag: Sichtfeldchens Haare sind total verschnitten! Am schlimmsten ist der Pony, der ist viel zu kurz geworden und bildet so eine gerade Linie, die zu allem Überfluss auch noch ein wenig diagonal über die Stirn verläuft…! Da hat auch das Nacharbeiten mit der Ausdünnungsschere nichts mehr geholfen. Wie viel ich dafür gezahlt habe, daran will ich gar nicht mehr denken. Ich weiß nicht, ob ich da noch etwas retten kann, oder ob ich es nur noch schlimmer mache – auf jeden Fall bereue ich diesen Friesurbesuch zutiefst! Beim nächsten Mal nehme ich sie mit zu meinem Friseur nach Bonn – dem vertraue ich blind!
23.52 Uhr. Licht aus. Wir haben eine Folge Ally McBeal mehr gesehen als geplant und sind deshalb spät dran mit dem Schlafengehen.
23.54 Uhr. Sichtfeldchen weint durchs Babyfon. Herr Sichtfeld tapst im Dunkeln in ihr Zimmer und beruhigt sie, kommt dann zurück.
00.27 Uhr. Sichtfeldchen weint wieder durchs Babyfon. Ich tapse zu ihr, gebe ihr im Dunkeln etwas zu Trinken, wiege sie ein bisschen auf dem Arm und lege sie wieder hin. Sie ist völlig verschlafen, fühlt sich aber sehr heiß an. Ich ahne bereits, dass das noch nicht alles war.
01.13 Uhr. Sichtfeldchen weint erneut. Ich stelle fest, dass sie völlig nass geschwitzt ist und wechsle ihren Pyjama. Sie trinkt ein ganzes Glas Wasser. Weil sie so sehr glüht, messe ich Fieber: 39,6°C. Ich wickle sie und gebe ihr ein Zäpfchen, lege sie dann wieder hin.
01.49 Uhr. Sichtfeldchen weint schon wieder. Ich nehme sie hoch, wiege sie und singe ihr etwas vor. Als ich versuche, sie wieder hinzulegen, klammert sie sich ganz doll an mir fest, und ich kann deutlich merken, dass es ihr nicht gut geht, auch wenn sie sich bereits kühler anfühlt als vorhin. Also nehme ich sie mit in unser Elternbett.
01.52 – 3.16 Uhr. Sichtfeldchen findet keine angenehme Schlafposition und wir dementsprechend auch nicht. Sie sucht unsere Nähe und liegt mal quer über Papas Bauch und mal auf meinem Oberarm und Gesicht. Schließlich bringt Herr Sichtfeld sie auf meine Bitte hin wieder in ihr eigenes Bett, was sie ohne Probleme akzeptiert. Wir alle Drei fallen in einen komaähnlichen Schlaf.
04.08 – 04.56 Uhr. Direkt unter unserem Schlafzimmerfenster kommt eine Horde angetrunkener Kerle an und stellt einen Maibaum für die Tochter unserer Nachbarn gegenüber auf. Es wird gesungen, gelacht und mit Bierflaschen gescheppert, und wir machen uns Sorgen um unseren Vorgarten – zum Glück unbegründet! Anschließend nochmals komaähnlicher Schlaf – zum Glück ist Sichtfeldchen nicht aufgewacht!
08.17 Uhr. Ich wache auf und bin völlig gerädert. Beim Blick auf die Uhr bekomme ich einen kleinen Schreck: So lange hat Sichtfeldchen seit Monaten nicht mehr geschlafen! Aber nach der Nacht haben wir es wohl alle Drei nötig gehabt!
08.20 Uhr. Sichtfeldchen ist aufgewacht, sie hat nur noch 38,2°C. Ich hole sie zu uns, während Herr Sichtfeld uns Kaffee bzw. Tee bzw. Milch ans Bett holt, und wir beginnen den Mai mit einem gemütlichen Familienkuscheln im Bett.