„Nessun Dorma“ oder Das Märchen des Paul Potts

Von diesem Paul Potts hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Damit stehe ich vermutlich nicht alleine da. Es wird zum einen daran liegen, dass ich Casting-Shows nicht mag und auch nicht sehe, und zum anderen daran, dass er durch die britische Casting-Show „Britain’s Got Talent“ auf sich aufmerksam machte, die ja in Deutschland nicht ausgestrahlt wird.

Doch nun saß ich in der vergangenen Woche im Kino und sah dort auf der großen Leinwand und in bester Sound-Qualität die neue Telekom-Werbung – und ich kann es nicht anders ausdrücken: Sie wirkt! Dabei ist es mir wurscht, wofür geworben wird. Was mich buchstäblich vom Hocker reißt, ist dieser Paul Potts mit seiner wunderschönen Interpretation von „Nessun Dorma“. Bevor ich weiter schreibe, hier erstmal das Video, um das es geht, ohne die zugehörige Portion Werbung.

Jedes Mal, wenn ich diesen kurzen Ausschnitt sehe, läuft mir eine Gänsehaut nach der anderen über den ganzen Körper, und mir kommen fast die Tränen, und gleichzeitig bin ich total fassungslos über diese intensiven Reaktionen. Liegt das nun daran, dass Puccini einfach eine wunderschöne Arie komponiert hat? Oder liegt es doch an Paul Potts? Ich habe mal ein bisschen recherchiert.

Die weltbekannte Arie „Nessun Dorma“ (= Keiner schlafe“) stammt aus der Oper Turandot, die Giacomo Puccini 1926 komponiert hat. Der fremde Prinz Kalaf hat in Peking die Prinzessin Turandot zur Gemahlin gewonnen, indem er ein von ihr gestelltes Rätsel gelöst hat. Nun bietet er ihr an, sie aus dieser Heiratsverpflichtung zu entlassen, wenn sie bis Sonnenaufgang seinen Namen herausfindet. Turandot wiederum befiehlt, dass in Peking niemand schlafen dürfe, bis nicht der Name des Prinzen herausgefunden sei. Es wird verkündet: „Questa notte nessun dorma in Pechino“. Kalaf singt über dieses „Nessun dorma“ seine Arie, die zeigt, wie sicher er sich darüber ist, dass die geliebte Prinzessin seinen Namen nicht herausfinden und schließlich seine Gemahlin werden wird.

(Quelle: Wikipedia. Dort gibt es auch den Originaltext sowie eine deutsche Übersetzung des Textes der Arie)

Ja, die Musik ist einfach märchenhaft schön und geht einem durch und durch. Doch muss sie für diese Wirkung auch von der richtigen Stimme gesungen werden, und hier kommt Paul Potts ins Spiel, der für mich sogar noch die bekannteste Interpretation von Luciano Pavarotti eindeutig übertrifft.

Für Paul Potts, einen einfachen Handyverkäufer aus Wales, wurde ein Traum wahr. Er wurde 1970 in Bristol geboren. Bereits 1999 nahm er an der britische Talentshow „My Kind of Music“ teil und gewann dort 8.000 Pfund, die er in Gesangsunterricht an norditalienischen Opernschulen investierte. Bis 2003 trat er an verschiedenen Bühnen ohne Gagen auf, z.B. als Don Carlos in der gleichnamigen Oper und als Radames in Aida, beide von Verdi. Ein Unfall und eine schwere Erkrankung hinderten ihn jedoch daran, seine Opernkarriere weiter zu verfolgen. Mit der Arbeit in einer Supermarktkette und als Verkäufer von Mobiltelefonen brachte er sich und seine Frau Julie-Anne über die Runden, bis zu seinem bemerkenswerten Durchbruch.

Am 8. Juni 2007 tritt er in Cardiff zum Casting der Show „Britain’s Got Talent“ an. Trotz seiner linkischen Bewegungen und seines unsicher wirkenden Lächelns stellt er sich überzeugt vor die Jury und verkündet, Opernmusik singen zu wollen. Die Reaktionen sind zunächst eindeutig. Leicht genervte Blicke, tiefes Durchatmen, man hält den unscheinbaren Mann mit den schiefen Zähnen eindeutig für Zeitverschwendung. Doch Paul Potts lässt sich nicht beirren, nickt der Tonregie zu und konzentriert sich auf seinen Einsatz. Und kaum sind die ersten Töne aus seiner Kehle erklungen, verändert sich alles. Die Gesichter der Juroren verändern sich von abwartend über überrascht und fassungslos bis hin zu absolut begeistert und bewundernd. Jurorin Amanda Holden muss sich ein Tränchen wegwischen, und das Publikum hält es nicht mehr auf den Sitzen. Wann hat zuletzt Opernmusik gerade bei jungen Leuten solche Begeisterungsstürme ausgelöst?

Paul Potts gewinnt schließlich die gesamte Casting-Show und die damit verbundenen 100.000 englischen Pfund, mit denen er sich unter anderm die Zähne richten lässt – für einen Sänger eine gute Investition. Quasi über Nacht ist er berühmt geworden und hat inzwischen seine erste CD „One Chance“, ein Album mit populärer klassicher Musik und neueren Stücken wie „Time to say Goodbye“ heraus gebracht. Seine Videos werden auf Youtube millionenfach angeklickt, sein Name ebenso oft gegoogelt.

(Quelle: Wikipedia)

Er hat es geschafft, und das absolut verdient. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich diese herausragend schöne Naturstimme von all den anderen Castingshow-Schicksalen abheben und uns noch lange erhalten bleiben wird!

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14 Responses to „Nessun Dorma“ oder Das Märchen des Paul Potts

  1. andrea2007 sagt:

    Liebe Mareike, diesen Ausschnitt kannte ich bisher nur als Werbung für Telekomm oder etwas in der Art. Ich wusste nicht, dass dahinter so eine tolle und vor allem wahre Geschichte steht. Wenn die Musik einem nicht schon die Tränen der Ergriffenheit in die Augen treibt, dann auf jeden Fall die unglaubliche Geschichte von diesem Paul Potts… Die Musik ist wunderschön und man kennt sie ja bereits, Paul Potts hingegen singt sie mit solcher Leidenschaft und Liebe… Puh, *augen-wisch*, danke dass Du das gepostet hast. Liebe Grüsse Andrea

  2. Schonzeit sagt:

    ich werde mich sobald ich die Zeit habe auch noch mal mit dieser telekom Werbung auseinandersetzen. Allerdings komme ich zu einem vielleicht etwas anderen Resüüüüümäääh

  3. Sicht-Feld sagt:

    @ Andrea
    Es freut mich sehr, dass diese fabelhafte Geschichte und vor allem die Musik auch bei Dir so wirkt. Ich bin auch jedes Mal wieder überwältigt.

    @ Schonzeit
    Es geht mir hier eindeutig NICHT um die Telekom-Werbung, sondern vor allem um die einzigartige Interpretation einer wunderschönen Arie. Ich bin nur eben durch die Werbung erst auf diese Geschichte aufmerksam geworden.

  4. Schaps sagt:

    Ich hatte das damals direkt mitbekommen…der Mann hat wirklich Talent! Die Werbung habe ich dann vorhin auch das erste Mal gesehen, als mein Mitbewohner meinte „Oh nein, die Werbung kann ich langsam nicht mehr sehen…!“ hat sie mich erst recht neugierig gemacht. Mich wundert es, dass so viele scheinbar nicht von dem Herrn mitbekommen haben. Sein Erfolg war relativ präsent in den Medien. Und nicht nur auf den Castingshowsendern 🙂

  5. just4ikarus sagt:

    Stimmt. Als Britains Got Talent gesendet wurde, ging ein Aufruhr durch die Blogosphäre und vor allem auch durch die deutschsprachige. Dieser Paul Potts und dieses kleine Mädchen Connie Talbot, das mit sechs Jahren eine sanfte Version von Somewhere over the rainbow dahinträllerte als wäre es das Einfachste der Welt.

    Ich war auch überrascht, wie viele bis heute noch nicht von Paul Potts gehört haben. Und so beeindruckt ich auch von seiner Stimme bei den Shows war. Das Album fand ich irgendwie schrecklich. Aber sein Erfolg ist und bleibt trotzdem großartig und bewegend.

  6. Sonja sagt:

    grins, rate mal, welche Oper gerade aktuell in Kiel aufgeführt wird, Premiere war Mitte Juni…..
    Malte und ich haben von Opern aber erstmal die Schnauze voll…auch wenn das Stück aus der Werbung toll ist. Die Werbung selbst finde ich eigentlich total grauenhaft und nervig, und dann spielt da auch noch die eine Gzsz-Tussi mit, die bislang nur für Pudding geworben hat. Wenn man merkt, daß die Reaktionen (abgesehen von denen der Jury) so sehr nachgestellt wurden, verliert díe Werbung ihre Wirkung….

  7. Hey, danke für den ausführlichen Artikel – war letztens bei Schonzeit über die Werbung gestolpert und hatte das für eine Inszenierung gehalten (bin halt weitgehend medienabstinent).

    Echt schön, dass es echt ist! 🙂

    Liebe Grüße,

    Tino.

  8. […] bin ich noch nicht mal großer Fan von Klassik. Da wäre zum Beispiel Mareike die größere Expertin. Ich gehöre eher zu der tumben Masse, die sich von Emotionen gern […]

  9. quexi sagt:

    Wer sagt, dass die Werbung grauenhaft ist, hat nichts verstanden. Ohne die Werbung würden wir hier nicht diskutieren, denn der Vortrag, und nur der ist die Werbung oder vielleicht auch umgekehrt. Jedenfalls ist mir das lieber, als dass irgendwelche Engelchen mit Watteflügeln durch den Himmel flattern und Frischkäse anpreisen. Ich bin kein Telekommitarbeiter, aber man sollte diesen Leuten und ihrer Werbeagentur zumindest ein bischen anerkennen, dass das man so viel Geld für die Werbekampagne in die Hand genommen hat, um uns das rüber zu bringen

  10. Gius sagt:

    Hallo zusammen,

    erstmal Respekt vor Paul Potts, ich interessiere mich überhaupt nicht für Klassik aber immer wenn ich diesen Werbespot sehe, bekomme ich Gänsehaut und muss aufpassen das mir nicht Tränen runter kullern. Echt der Hammer wie emotional dieser Paul das rüberbringt. Zur Werbung….also wenn ich mir diesen Werbespot anschaue, kommt es mir gar nicht vor wie wenn es Werbung für die Telekom ist, eher Werbung für Paul Potts. Dadurch das er so sehr hervorsticht (mit seinem super Gesang) wird das Hauptsächliche (die Telekom) eigentlich vergessen.

    Liebe Grüße
    Gius

  11. C58 sagt:

    Hi,
    ich bin der Meinung, dass es Opernsänger mit besseren Stimmen gibt. Mit seiner „Neufassung“ von Nessun Dorma hat er aber keinesfalls die von Luciano Pavarotti übertroffen, allein da Pavarotti das Original singt und wie bekanntlich die Erstfassung noch die beste ist.

    lg

  12. You don’t have to hit the gym for two and three hours each day to lose weight, but it does help to squeeze in 30 minutes of physical activity each day. Withdrawal from levothyroxine can be done but it takes 6 weeks of withdrawal for the remaining thyroid tissue to be completely starved. Now, the average healthy amount people are supposed to lose is 2 pounds per week.

  13. When I initially left a comment I seem to have clicked on the -Notify me when new comments
    are added- checkbox and from now on every time a comment
    is added I get four emails with the same comment.

    There has to be a means you can remove me from that service?
    Kudos!

  14. chapelcoco.jp

    „Nessun Dorma“ oder Das Märchen des Paul Potts | Sicht-Feld

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