Hausfrauenmutation

Diejenigen unter Euch, die regelmäßig hier vorbeischauen oder mich gar persönlich kennen, wissen, dass ich zurzeit nicht arbeite, sondern aus voller Überzeugung bei meiner 16 Monate alten Tochter zu Hause bleibe. Meinen derzeitig ausgeübten Beruf könnte man also mit Fug und Recht als „Hausfrau und Mutter“ bezeichnen, auch wenn ich diesen Ausdruck ganz schrecklich und bieder und nicht wirklich anerkennend finde. Mehr und mehr muss ich jedoch feststellen, dass ich mich in den letzten Wochen deutlich in Richtung dieses Klischeebildes entwickelt habe. Naja, dass man kocht und putzt und wäscht und einkauft und aufräumt und abspült und wasweißichnochalles und außerdem den ganzen Tag mit dem Kind spielt, es wickelt, bekocht, füttert, bespaßt und hinter ihm herräumt, das empfinde ich als nicht außergewöhnlich, aber was ist das? Ich weiß gar nicht recht, wie es passieren konnte, aber stellt Euch vor: Ich stricke! Sobald Sichtfeldchen schläft und somit außerhalb der Reichweite meiner Wollknäule und Stricknadeln ist, setze ich mich hin und stricke! Ist das zu fassen?! Ich grusel mich ein bisschen vor mir selbst, und noch schlimmer ist, das mir das Ganze sogar Spaß macht! Wer jetzt komplett den Respekt vor mir verliert, den kann ich sogar irgendwie verstehen…

Nee, aber mal im Ernst, es macht wirklich Spaß, und ich komme ziemlich gut voran. Es fing damit an, dass meine Winterjacke an den Ärmeln keine Bündchen hat und es deshalb immer so kalt wurde an den Armen. Als ich sah, dass Stulpen (oder auch Pulswärmer) auf dem Weihnachtsmarkt 25 Euro kosten sollten, habe ich beschlossen, mir lieber selber welche zu stricken, oder es zumindest zu probieren, und siehe da, sie sind toll geworden und werden häufig frequentiert. Ich habe erst für mich und dann für Sichtfeldchen je zwei paar gestrickt, denn sie mag keine Handschuhe an den Händen haben. Die rosa Stulpen hingegen findet sie toll und trägt sie sogar ab und zu in der Wohnung. Von diesem Erfolg beflügelt, stricke ich nun an einer Mütze für die Kleine – das Resultat zeige ich Euch bei Interesse gerne, sobald es fertig ist.

Von daher wundert Euch bitte nicht, wenn ich hier zurzeit etwas seltener schreibe – ich nutze die kalte Jahreszeit noch eben, denn was soll man mit Wollzeugs, wenn es Frühling wird?! Auftragsarbeiten werden übrigens gerne entgegengenommen… So, und nun gehts zurück an die Wolle…! 🙂

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17 Responses to Hausfrauenmutation

  1. andrea2007 sagt:

    Liebe Mareike, ich hab herzlich gelacht; ich seh Dich alles andere als als Hausmütterchen. Und den Zahn mit der „Strickliesl“, den zieh ich Dir mal grad: Ich hab genau dasselbe mit Stulpen gemacht, gesehen und für 25 Euro als völlig überteuert gefunden und selber gestrickt, wirklich! Und mir hat es auch riesig Spass gemacht. Mein Mann guckte zwar total komisch, aber das war mir egal..:-) Liebe Grüsse Andrea

  2. theomix sagt:

    Liebe Mareike, da kann ich mich schwer reindenken. Aber wenn es dir eben Spaß macht, dann machst du Stulpen, Mützen, Socken, Westen, Pullis.
    Wenn die Lieben ringsum schräg zur Seite gucken, wenn sie sich für wollenen Geschenke bedanken, dann musst du dir Sorgen machen. Oder wenn du Stövchen verkaufst, weil du alle Kannen umhäkelt hast. Auch ein umhäkelter PC-Desktop wäre fragwürdig.
    Bestrickende Grüße
    Jörg

  3. Lilo sagt:

    Liebe Mareike,

    ich musste beim Lesen gerade ein bisschen schmunzeln, denn genauso geht es mir auch. Ich kann es auch nicht fassen, dass ich tatsächlich sowas wie „Hausfrau und Mutter“ bin, obwohl ich nach wie vor sage, dass ich Rechsanwaltsfachangestellte bin, wenn mich jemand fragt. Immer mit dem Hinweis natürlich, dass ich momentan noch in Elternzeit bin. Und ich finde dieses Klischee auch ganz furchtbar und kann es nicht wirklich fassen. Ich würde soo gerne wieder arbeiten und Anerkennung finden in meinem Beruf. Aber seit unserem Umzug sind wir ein wenig weitab vom Schuss 😦

    Und stricken….. tu ich auch manchmal. Muss ich ehrlich zugeben. Und es macht auch Spaß, obwohl ich nie lange durchhalte, weil die Finger von der Strickerei weh tun 😀

    Ein schönes Wochenende für Dich und Deine Familie!

    Liebe Grüße
    Lilo

  4. Nila sagt:

    Lach, ich fands jetzt auch witzig. Hausmütterchen ist NICHTS schlechtes. Ich habe schließlich auch 3 Girlies und weiss was es für eine wunderschöne aber auch anstrengede Aufgabe ist.
    Im Gegenteil zu dir – kann ich ÜBERHAUPT NICHT stricken geschweige denn nähen oder sowas *schäm*

  5. Sicht-Feld sagt:

    Liebe Andrea,
    das finde ich witzig, dass auch Du wegen überteuerter Stulpen ans Stricken gekommen bist! 🙂
    Ja, Herr Sichtfeld guckt auch immer etwas irritiert, aber das ist mir egal. Die Mütze für Sichtfeldchen ist inzwischen fertig, und sogar er musste zugeben, dass sie echt süß geworden ist! *freu*
    Liebe Grüße,
    Mareike

  6. Sicht-Feld sagt:

    Lieber Jörg,
    nee, also häkeln muss ich nun echt nicht. Aber ich frage mich tatsächlich, was ich als nächstes stricken soll, denn die Mütze ist fertig. Vielleicht so einen entzückenden Klorollenschoner für die Kofferraumabdeckung im Auto… 😉
    Liebe Grüße,
    Mareike

  7. Sicht-Feld sagt:

    Liebe Lilo,
    ich sage auch immer, dass ich Lehrerin bin – aber ich muss sagen, dass ich meinen Beruf wirklich kein bisschen vermisse. Ich genieße es sehr, zu Hause zu bleiben. Aber Du hast Recht, so wirklich Anerkennung bekommt man dafür nicht!
    Ehrlich gesagt hat mich gerade Deine Seite auf die Idee gebracht, wieder mal zu stricken, denn Du hast ja diese süße Babymütze gestrickt… Ich muss mir jetzt überlegen, was ich als nächstes stricke, denn die Mütze für Sichtfedchen ist fertig, und meine Finger tun nicht weh, sondern jucken förmlich, weil sie weiterstricken wollen… 🙂
    Liebe Grüße,
    Mareike

  8. Sicht-Feld sagt:

    Liebe Nila,
    auweia, Hausmütterchen klingt ja noch schlimmer als Hausfrau! 😦
    Aber Du hast recht, es ist eine tolle, wenn auch anstrengende Aufgabe. Habe ich das richtig verstanden, dass Du drei Töchter hast?!
    Und übrigens, man kann auch ohne Stricken zu können ein erfülltes Leben führen! Umso mehr Zeit bleibt Dir ja zum bloggen!
    Liebe Grüße,
    Mareike

  9. theomix sagt:

    Mensch, Mareike, „Klorollenschoner für die Kofferraumabdeckung“: eine Superidee. Bevor die der kollektiven Demenz zum Opfer fallen, braucht es dringend eine Wiederbelebung!
    Mit besten Wünschen für die Kreativität
    Jörg

  10. Frau Momo sagt:

    Ich reih mich mal ein in die Riege der Strickerinnen… ich produziere Socken am laufenden Band und mein Mann trägt inzwischen schlicht keine anderen mehr. Also besorgniserregend finde ich es erst ab Klorrollenschoner und ähnlichem 🙂
    Und Hausfrau und Mutter ist doch ein anstrengender Job…. nicht ehrenrühriges, wie ich finde.
    Und solange Du Deine Mutation selber kritisch beobachtest, wird es so schlimm schon nicht werden 🙂

  11. wortmeer sagt:

    Na da oute ich mich mal auch als Strickerin 😉
    Aber genieren müssen wir uns nicht. Denn wir liegen damit voll im Trend – siehe Carrie-Schauspielerin aus „Sex and the city“. Also, machen wir stolz weiter 🙂 Ich finde es – besonders beim Fernsehen – sehr beruhigend. Stricken ist mein Yoga 😉
    Übrigens, es gibt auch schöne und „leichte“ Wolle für die wärmeren Jahreszeiten…
    Liebe Grüße in Deinen strickenden Abend
    wortmeer

  12. Erika sagt:

    Liebe Mareike,
    Familienmanagerin das ist ein ganz anerkannter Beruf, soweit man ihn auch selbst anerkennt. Ich habe mal ein 4-monatiges Seminar Wiedereinstieg in den Beruf
    gemacht, die haben uns was erzählt, von wegen nur hausfrausein. Wir haben soviele Fähigkeiten und arbeiten in verschiedenen Beriechen. Wir haben wirklich den Begriff Familienmanagerin in die Bewerbungen geschrieben, ich bekam auf Anhieb eine Stelle, aber nach 6 Monaten wollten die , dass ich ganztags arbeite, das wollte ich nicht.
    Sei tdem habe ich ganz viel für mich gemacht, Sprachkurse, Seminare, jetzt gehe ich oft ins Altersheim. Meine Arbeit wird anerkannt, weil ich dazu stehe.
    Kindererziehung ist eine der am schwierigsten und herausfordernsten Berufe, bei denen man am meisten auch für sich selbst lernen kann.
    Ich habe die totale Erfüllung gefunden – zu Hause meine Kinder sind jetzt schon erwachsen ich fühle mich glücklich und dankbar, dass ich selbständig bin und frei…
    Wir haben eine Riesensolaranlage auf dem Dach ich sage ich verdiene Geld, in dem ich mir die sonne aufs Dach scheinen lasse.
    Schönen Abend noch
    herzliche Grüße und alles Gute für Dich und Deine Familie
    Erika:-P

  13. Erika sagt:

    P.S. ich habe früher viele Pullover gestrickt, jetzt mache ich Schals in allen Variationen. Letztes Jahr habe ich Regenbogenfarbenwolle genommen. Der Schal sieht aus wie ein Regenbogen, obwohl ich immer nur weitergestrickt habe, ganz einfach, so ähnlich ist es ja auch bei Socken. Die hab ich mal in der Klinik gestrickt, aber das kann ich nicht mehr so ganz.

  14. Sicht-Feld sagt:

    Lieber Jörg,
    uuuh ja, am besten diese Dinger in Pink, wo man noch so eine Barbiepuppe mit einstricken konnte, sodass es aussah wie ein sehr grobgestrickter Reifrock – Sissi hätte Augen gemacht… *schweif ab*
    Liebe Grüße,
    Mareike

  15. Sicht-Feld sagt:

    Liebe Frau Momo,
    naja, bei der Selbstbetrachtung spielt ein gewisses Augenzwinkern immer eine nicht unwesentliche Rolle… 🙂
    Socken habe ich auch mal ne Zeitlang gestrickt, so mit Anfang 20. Aber ich habe sie dann immer nur verschenkt und nie selber getragen, weil ich das irgendwie so – grob, rauh, kratzig? unter den Fußsohlen finde… Ich bin wohl eine verwöhnte Göre… 🙂
    Liebe Grüße,
    Mareike

  16. Sicht-Feld sagt:

    Liebes Wortmeer,
    also, danke für den Tipp, aber für mich ist Stricken irgendwie doch etwas für die kalte Jahreszeit. Im Sommer habe ich lieber ein kühles Getränk zwischen den Fingern als wärmende Wolle… 😉
    Liebe Grüße,
    Mareike

  17. Sicht-Feld sagt:

    Liebe Erika,
    Du hast so Recht, wenn man mit sich und seinem Leben im Einklang ist und dazu steht, dann wird einem auch die entsprechende Anerkennung entgegengebracht. Und wer ernsthaft behauptet, „Familienmanagerin“ (sehr treffender Ausdruck übrigens, danke!) sei kein zu respektierender Job, der muss dann eben selber sehen, wie er damit lebt, der kann mir dann nämlich egal sein. Ich liebe meine Aufgabe(n) hier zu Hause, vor allem natürlich alles, was mit meiner Kleinen zu tun hat, und ich vermisse meinen Beruf wirklich kein bisschen. Im Gegenteil, ich freue mich schon darauf, die Familie noch auszubauen! Das ist zwar sicher noch mehr Arbeit und noch weniger Zeit für mich selber, aber auch noch mehr Erfüllung und noch mehr Liebe!
    Ganz herzliche Grüße,
    Mareike
    PS: Regenbogenwolle klingt toll, ich schau mich mal um!

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