Schönes und Weises – Anderen begegnen

Begegne Deinem Mitmenschen immer so, als würde er um Mitternacht sterben.

Diesen Spruch, der zugegeben von der Wortwahl her ziemlich brutal-direkt ist, hörte ich vor einigen Tagen in einem Film, und nach dem ersten Schrecken begann ich, darüber nachzudenken. Er entspricht nämlich ziemlich genau einem meiner persönlichen Grundsätze für ein glücklicheres Leben, nämlich dem, dass ich nicht schlafen gehen mag, wenn ich mit jemandem Streit habe – besonders wenn mir dieser Jemand sehr nahe steht. Klar lässt sich manchmal eine Meinungsverschiedenheit nicht mehr vor dem Schlafengehen ausräumen, aber es ist mir wichtig, dass man sich vor dem Abschied für die Nacht noch einmal versichert, dass sich an der Basis der Liebe nichts geändert hat. Das ist manchmal gar nicht so einfach, aber es tut gut, sich zu sagen, dass man sich liebt und dem anderen nichts Böses will, auch wenn man gerade in vermeintlich elementaren Punkten unterschiedlicher Meinung ist.

Aber dieser Spruch geht noch so viel weiter. Er ist ein Leitsatz für den Umgang mit allen Menschen. Er ist ein Prinzip für ein besseres und liebevolleres Miteinander. Und er erinnert daran, dass es manchmal plötzlich auch zu spät sein kann, etwas wieder gut zu machen oder etwas auszusprechen. Warum also sollten wir nicht unserem Mitmenschen so entgegentreten, dass wir ein gutes Gefühl und reines Gewissen hätten, welbst wenn wir ihm oder ihr nie wieder begegnen sollten?! Und das gilt für die Frau beim Aldi an der Kasse ebenso wie für den alten Herrn am Parkautomaten oder den gestressten Autofahrer links schräg hinter uns. Manchmal fällt es leichter, manchmal schwerer. So ist das eben. Aber es ist sicher gut, immer mal wieder an diese Worte zu denken…

Advertisements

14 Responses to Schönes und Weises – Anderen begegnen

  1. agichan sagt:

    Weise gesprochen, werte Frau Sicht-Feld.
    (Hier ist das übrigens ähnlich geregelt mit dem Streiten. Nicht zerstritten schlafen gehen und schon mal gar nicht (!) zerstritten auseinander gehen… ich will mir nicht ausmalen, wie mein Leben weitergehen würde, wenn meine letzten Worte zu einem geliebten Menschen etwas à la „Mach doch was du willst“ gewesen wären….)

  2. Nila sagt:

    Dieser Spruch ist total schön und 100 % Wahrheit. Nur, es fällt oft sehr schwer ihn auch einzuhalten. Ein bitterböser Streit mit dem Männe, der Mutter oder auch den Kindern.
    Man geht gekränkt schlafen, ohne den „Blödsinn“ bereinigt zu haben.
    Ja, manchmal sollte man sich diesen Satz in sein Hirn einmeisseln 😉

  3. Elisabeth sagt:

    Hm, schöne Gedanken, liebe Mareike… 🙂
    Und so wahr… Leider konnte ich meinem Bruder nicht mehr sagen, wie sehr ich ihn liebe, bevor er starb… Das ist etwas, was mich bis heute bewegt und das Herz schmerzen lässt… Alleine der Gedanke, im Herzen mit ihm verbunden zu sein, tröstet ein wenig… Aber ich weiß nun, dass ich dieses liebevolle Miteinander LEBEN will und es auch tue, weil es das Leben bereichert und weil es gut tut und weil es die Welt heller und besser macht 🙂
    Danke, dass du das gepostet hast!!!
    ♥-lichst Elisabeth

  4. Sicht-Feld sagt:

    Liebe Agichan,
    genau davor hätte ich auch Angst: Dass jemand, der mir viel bedeutet, stirbt, ohne sich darüber sicher zu sein, wie viel er/sie mir bedeutet! Deswegen sage ich das auch sehr häufig, wenn auch oft zwischen den Zeilen. Wer mich kennt, versteht das dann schon.
    Liebe Grüße,
    Mareike

  5. Sicht-Feld sagt:

    Liebe Nila,
    stimmt, es ist oft gar nicht so leicht. Es hat viel damit zu tun, über seinen Schatten springen zu müssen. Aber wenn man dann emrkt, wie gut es tut, dann hat sich die Mühe gelohnt, finde ich. Ich glaube übrigens nicht, dass man diesen Grundsatz immer und überall befolgen kann, aber ich denke, darum geht es auch nicht. Es geht darum, sich zu bemühen, ihn zu befolgen. Und ihn sich dafür ins Hirn einzumeißeln, das ist eine gute Idee! 🙂
    Liebe Grüße,
    Mareike

  6. Sicht-Feld sagt:

    Du liebe Elisabeth,
    ich bin mir ganz sicher, dass Dein Bruder wusste, wie sehr Du ihn liebst, auch wenn Du es nicht mehr geschafft hast, ihm das zu sagen. Es gibt so viele Möglichkeiten, jemandem seine Liebe zu zeigen, auch wenn man es nicht ausspricht. Und wie ich Dich kenne, hast Du es ihm auf tausend andere Arten gezeigt!
    Außerdem glaube ich ganz fest, dass er in irgendeiner Form noch bei Dir ist und dass Du ihm auch jetzt noch sagen kannst, was Dich bewegt.
    Du hast so Recht, ein liebevolles Miteinander ist so eine Bereicherung für jeden Menschen! Du lebst es bereits jeden Tag und machst damit die Welt schöner – danke für Dein gutes Vorbild!
    Alles Liebe,
    Mareike

  7. theomix sagt:

    Liebe Mareike,
    wie oft haben sich Menschen im Streit getrennt, und dann ist einer von denen überraschend gestorben. Das zu verwinden, dauert lange. Denn wer nimt einem nun die Selbstvorwürfe ab? Daher schreibst du da eine wichtige Mahnung.
    Gruß, Jörg

  8. Erika sagt:

    SAGE EINEM MENSCHEN SO OFT WIE DU NUR KANNST; DASS DU IHN LIEB HAST;DENN DER TAG WIRD KOMMEN AN DEM ES ZU SPÄT IST:
    lIEBE mAREIKE; BEI UNS SIND VORGESTERN DREI !(-JÄHRIGE MÄDCHEN TÖDLICH VERUNGLÜCKT:
    lIEBE gRÜSSE eRIKA

  9. Erika sagt:

    Liebe Mareike,
    drei 18-jährige Mädchen sind tödlich bei einem Autounfall ums Leben gekommen, die 19-jährige Schwester der einen hat schwer verletzt überlebt, kannst Dir vorstellen, wie einem zumute ist, wenn man Kinder in dem Alter hat und die auch mit dem Auto unterwegs sind.
    Alles Gute für Dich und Deine Familie
    Erika

  10. Schaps sagt:

    Oh! Ich weiß wie schwer eine spontane Versöhnung ist. Jeder hat sein Ego…die von dir beschriebene Situation ist sicher nicht einfach. Aber wenn man sich überwindet ist es ein gutes Gefühl 🙂

  11. Sicht-Feld sagt:

    Lieber Jörg,
    es ist ja sogar oft so, dass man sich Selbstvorwürfe macht, selbst wenn man „im Guten“ auseinandergegangen ist – je nachdem, unter welchen Umständen der andere dann gestorben ist (siehe mein Text über Hendrik: https://sichtfeld78.wordpress.com/2008/12/01/welt-aids-tag-hendrik-und-ich/ ). Zumindest kommen dann plötzlich so viele Fragen auf, hätte ich etwas anders machen müssen, war ich eine gute Freundin, wusste er, was er mir bedeutete? Ich denke, solche Fragen gehören ganz normal zur Trauerbewältigung dazu und es kann nur helfen, sich damit auch auseinanderzusetzen.
    Liebe Grüße,
    Mareike

  12. Sicht-Feld sagt:

    Liebe Erika,
    ich kann mir sehr gut vorstellen, was in Dir vorgeht. Ich selber reagiere im Moment besonders empfindlich auf Nachrichten von Kindesmisshandlung, von verschwundenen Kindern oder Vernachlässigung. Wenn man selber Kinder hat, tun solche Nachrichten noch viel mehr weh als vorher. Bisher dachte ich immer, ach je, wie schrecklich! Aber dann habe ich nicht weiter darüber nachgedacht oder es verdrängt. Jetzt z.B. nach dieser Messerstecherei in Belgien war mir richtig schlecht vor Angst, so etwas könnte Sichtfeldchen passieren. Ich kann so etwas einfach nicht begreifen, wie man Kindern gegenüber böse sein kann! Ich kann es einfach nicht begreifen!
    Auch für Dich und Deine Familie von Herzen alles Gute!
    Mareike

  13. Sicht-Feld sagt:

    Lieber Schaps,
    ja, man muss dann einfach auch mal über seinen Schatten springen. Hinterher geht es einem wirklich besser! 🙂
    Liebe Grüße,
    Mareike

  14. Schaps sagt:

    Dieser Sprung ist manchmal sowas von schwer…poah!! Ich war bisher erst zweimal in der Situation in der diese Entscheidung wirklich sehr wichtig war. Das eine Mal hat es Gutes gebracht, das zweite Mal Schlechtes

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: