Von guten Mächten…

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr;

noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das Du uns geschaffen hast.

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll’n wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Laß warm und hell die Kerzen heute flammen
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Gerade habe ich bei Theomix einen Artikel anlässlich des „Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ gelesen und musste spontan an dieses wunderschöne, traurige und zugleich tröstende Gedicht-Gebet von dem Theologen Dietrich Bonhoeffer denken, der 1945 im KZ Flossenbürg starb. Aus Neugier landete ich auf dieser sehr spannenden und Informativen Seite von Wikipedia, die ich Euch hiermit ans Herz legen möchte.

Vor einigen Wochen waren Herr Sichtfeld und ich auf der Beerdigung eines Nachbarn, auf der dieses Lied gesungen wurde. Ich kannte es bis dahin noch nicht als Lied, aber es hat mir so gut gefallen und mich so berührt, dass ich es Euch hier zeigen möchte.

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5 Responses to Von guten Mächten…

  1. Erika sagt:

    Liebe Mareike,
    das ist sehr sehr schön, vielen Dank, es ist der Lieblingsspruch meines verstorbenen
    Papas. Er hat es mir 1970 in mein Poesie album geschrieben und hat oft den Spruch verschenkt. An Silvester haben wir es in der Kirche gesungen, da habe ich geweint und konnte nicht mehr weitersingen.
    Danke, liebe Mareike
    Erika

  2. Sicht-Feld sagt:

    Liebe Erika,
    das ist von Herzen gern geschehen! Mich rührt dieser Text und nun auch das Lied auch immer zu Tränen – es ist einfach sooo schön und bewegend, auch ohne dass man den Hintergrund dazu kennt. Und wenn man es dann noch an einen bestimmten Menschen oder ein besonderes Erlebnis knüpfen kann, so wie Du, dann bewegt man es sicher immer wieder im Herzen und in der Seele.
    Liebe Grüße,
    Mareike

  3. theomix sagt:

    Liebe Mareike,
    eine Randbemerkung, diesmal vom Zitatedetektiv: Die Ex-Kellerband“ singt „Gott ist mit uns (am Abend und am…)“ Der Text hat „Gott ist bei uns…“. Das klingt etwas sperriger (m auf t lässt sich leichter aussprechen als die Folge T-B).
    Aber das Geschriebene ist auf alle Fälle richtig. Als Tradition aus der preußischen Zeit hatten die Koppelschlösser der Soldaten die Prägung „Gott mit uns“. Das wusste Bonhoeffer, und er hätte es NIE übernommen. Seine Familiem, seine Verlobte, hätten sich die Haare gerauft, wenn er das so geschirebn hätten. So war das ein klitzekleines Signal der Distanzierung vom NS-System.
    Vielen Heutigen und Nachgeborenen ist das nicht mehr bewusst, und so wird dann „Gott mit uns“ gesungen.
    Ulkig, ne?
    Grüße
    Jörg

  4. Sicht-Feld sagt:

    Lieber Jörg,
    danke, das ist auch wieder eine spannende Hintergrundinformation! Es war mir gar nicht aufgefallen beim Hören! Ich habe das Gedicht (den Vierzeiler) damals in der Grundschule im Reliunterricht auswendig gelernt und kann es bis heute, und ich sage auch automatisch „bei uns“. Das würde die Deutschlehrerin in mir auch sagen.
    Liebe Grüße,
    Mareike

  5. weilwirunslieben sagt:

    Liebe Mareike,

    ich bin heute Abend mehr oder weniger zufällig mal wieder in Dein Weblog reingestolpert.

    Das Lied brührt mich sehr. Ich kenne das Gedicht, find es klasse, so wie Bonhoeffer überhaupt, wusste bislang nicht, dass es auch vertont wurde.

    Lieber Gruß,
    Michael

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