Entspannter Reisen mit Sicht-Feld

Da stand doch neulich am Flughafen Köln-Bonn eine echte Rabenmutter auf dem Rollfeld! Ist sowas zu fassen? Es wehte ein eisiger Wind, und diese Frau hatte ein kleines Mädchen auf dem Arm, das keine Mütze auf und nicht einmal Schuhe anhatte!!! Ich könnte mich ja ohne Ende aufregen – aber diese Rabenmutter war ich selber… allerdings mit berechtigter Unruhe und Reue im Herzen!

Alles fing so toll an. Herr Sichtfeld hatte uns zum Flughafen gebracht, und nach dem Check-In hatten wir sogar noch genügend Zeit für ein gemeinsames Mittagessen. Kaum hatten wir uns jedoch bei den Sicherheitskontrollen verabschiedet, nahm das Unheil seinen Lauf. Ich musste Sichtfeldchen ja aus dem Buggy nehmen, und während ich selber durchleuchtet wurde, büchste sie auf ihren flinken kurzen Beinchen immer wieder aus, sodass die arme Flughafenmitarbeiterin dreimal von Vorne anfangen musste. Als ich das zappelnde und protestierende Sichtfeldchen anschließend wieder in den Buggy setzen wollte, habe ich mich prompt verhoben und mir Rückenschmerzen und Unbeweglichkeit für den Rest des Tages eingehandelt.

Am Gate angekommen sah ich, dass alle Passagiere noch saßen und dachte mir, dass die Zeit noch reichte, um meine Tochter im Wickelraum um die Ecke noch mal trocken zu legen. Gesagt, getan, doch kaum war die Windel ab, kam eine Durchsage: „Letzter Aufruf für den Flug XY nach Hamburg“ – uuups, das war unserer! Ich habe also Sichtfeldchen  im Turboverfahren angezogen, in der Eile die Stiefelchen in die Tasche gestopft und sie in den Buggy verfrachtet, um dann im Schweinsgalopp zum Gate zu sausen. Die Dame dort lächelte höflich und fragte mich, was ich denn mit dem Buggy nun anfallen wolle. Naja, der würde mir doch an der Flugzeugtür abgenommen, wie immer, oder? Das schon, aber was wollte ich auf der Treppe machen? TREPPE??? Bisher ging es immer durch diesen langen Schlauch direkt vom Ausgang rein ins Flugzeug – heute nicht? Nein, heute nicht. Heute stand unten ein Bus bereit. Na toll! Und mein armes Kind hatte keine Schuhe an!

Mit dem Buggy half mir ein glücklicherweise ebenfalls verspäteter hilfsbereiter Passagier, und wir quetschten uns gerade noch mit rein in den Bus voller ungeduldiger Mitreisender, die mich teilweise ziemlich schräg ansahen – oder habe ich mir das nur eingebildet? Vor dem Flugzeug ging es dann hinaus auf das eiskalte und sehr windige Rollfeld, und ich stand da also mit dem bibbernden Sichtfeldchen auf dem Arm (ich hatte sie mit unter meine Jacke genommen, und immerhin hatte sie die Kapuze von ihrem Wolljäckchen auf) – natürlich ganz hinten in der Reihe. Auch klar! Alle zeigen innerlich mit dem Finger auf diese Rabenmutter da, aber keiner von den Damen und Herren in den dicken Wintermänteln erbarmt sich und lässt uns vor!

Ihr könnt Euch vorstellen, wie erleichtert ich war, als wir endlich im warmen Flugzeug waren, und wir erleichtert ich bin, dass mein innig geliebtes Töchterlein keinen nennenswerten Schaden von dieser blöden Aktion davongetragen hat! Der Flug selber und die Ankunft verliefen dann auch sehr entspannt und schön – und trotzdem hatte ich das Gefühl, seit dem Abschied von Herrn Sichtfeld um Jahre gealtert zu sein…

Nachtrag: Die Rückenschmerzen sind dank einer tollen Massage, einiger Gymnastikübungen, viel Wärme und einer liebevollen (groß-)mütterlichen Behandlung inzwischen wieder fast weg.

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13 Responses to Entspannter Reisen mit Sicht-Feld

  1. sabrina sagt:

    Na ja, das kann in der Eile schon mal passieren – es gibt Mütter die legen da generell keinen Wert drauf 🙂 Ich musste heute mein Kind im Rathaus auf der Damentoilette mit blauem Licht auf dem Boden wickeln – gut das ich wenigstens noch eine Decke im Buggy hatte…

  2. theomix sagt:

    Moinmoin, Mareike,
    Aua, das klingt (katastrophen)filmreif… Es ist schön, dass du mit etwas abstand davon erzählst. Soll ich da noch gute Erholung wünschen? Wenn du es brauchst, gerne 😉
    Herzliche Grüße Jörg

  3. Sicht-Feld sagt:

    Liebe Sabrina,
    das kann ich ja auch immer nicht leiden, wenn gerade in solchen öffentlichen Einrichtungen keine Wickelgelegenheiten vorhanden sind! Da macht Not schon manchmal erfinderisch…!
    Liebe Grüße,
    Mareike

  4. Sicht-Feld sagt:

    Moin Jörg,
    danke, hab mich inzwischen erholt – aber ich könnte mich immer noch ärgern, dass man mir nicht bereits beim Check-In gesagt hat, dass ich mit dem Buggy nicht weiterkomme – dann hätte ich ihn nämlich direkt abgegeben!
    Liebe Grüße,
    Mareike

  5. Lilo sagt:

    Naja, man könnte fast schon sagen, dass das höhere Gewalt war 😉 Woher hättest du wissen sollen, dass gerade dann der Aufruf kommt, wenn du deine Tochter wickelst? Und so schlimm ist das nun auch nicht – Sichtfeldchen hätte sich vielleicht eine Erkältung holen können, aber du sagst ja selbst dass nichts nennenswertes passiert ist. Also mach dir keinen kopf – alles ist gut! Und Rabenmutter ist man deshalb noch lange nicht!

  6. Anonym sagt:

    Ich würde mir wünschen, das Wort „Rabenmutter“ nicht zu verwenden. Denn laut Wikipedia:

    Die Redensart „Rabenmutter“ geht auf die Beobachtung zurück, dass junge Raben ähnlich wie junge Stare nach dem Verlassen des Nestes am Boden sehr unbeholfen erscheinen und als zu früh sich selbst überlassen beurteilt wurden. Junge Raben sind zwar Nesthocker, verlassen aber vor Erlangen der Flugfähigkeit aus eigenem Antrieb das Nest. Aus dieser einseitigen Beobachtung kam es zu dem Trugschluss, dass Raben keine fürsorglichen Eltern seien. Die Elternvögel füttern die bettelnden Jungvögel jedoch noch einige Wochen lang und warnen und schützen ihre Jungen vor Feinden.

  7. bonafilia sagt:

    Das war ja eine Aktion! Aber nix ist passiert wo du dir Vorwürfe machen müsstest!

    Dir und Sicht-Feldchen geht es wieder gut und das Nächste Mal kommt sicher wieder…wer weiß was dann passiert :mrgreen:

    LG Bonafilia

  8. Elisabeth sagt:

    Liebe Mareike,
    also, nach deinen ersten Zeilen hatte ich mir WESENTLICH Schlimmeres erwartet 😉 Alles gut gegangen – das nächste Mal machst du es bestimmt anders… 😉
    Alles Liebe von Elisabeth, die sich euch zwei grad bildlich vorstellt und euch mal ganz lieb drückt…

  9. Ecki sagt:

    Mensch hier machste was mit. Ich lese und lese und bin wütend, und dann wendet sich das doch noch zum guten. Aber ich rege mich jedesmal auf wenn ich Mütter und Väter sehe die ihrem Kind keine Mütze aufsetzen. Da hast du aber nochmal Glück gehabt. Es ist ja nix weiter passiert. Liebe grüße der Ecki

  10. Nila sagt:

    Hmm, willkommen im Mutti-Leben. Das waren höhere Umstände. Da ist ja wirklich alles schief gegangen. Aber ist ja nix Schlimmeres passiert.
    Solche unvorhergesehenen Aktionen kennt wohl jede Mama irgendwie.
    Da wären wir alle Rabenmütter. Grüsse auch an den kleinen Zwergi….. 😉

  11. Erika sagt:

    Liebe Mareike,
    ich frag mich auch manchmal wie ich das alles so durchgestanden hab, zwei kleine Kinder im Abstand von zwei Jahren, immer dabei, bei Arztbesuchen, beim Einkaufen, immer schweißgebadet, heute genieße ich es umsomehr wenn wir zusammen erzählen und manchmal an die Kindheit denken und über Bilder lachen.
    Ich bin mal mit den zwei in einer Kutsche gefahren in einem Vergnügungspark und musste die Ponykutsche auch noch selbst lenken, das wusste ich vorher nicht.
    Alles Gute, für Euch
    Genieße diese Kinder-Zeit, trotzallen Hindernissen, die meist leicht vergessen sind.
    Grüße
    Erika:-D

  12. Sicht-Feld sagt:

    Ihr Lieben,
    danke für Eure fröhlichen, aufmunternden und gelassenen Kommentare und sorry, dass ich erst jetzt darauf reagiere – irgendwie bringt es mein Urlaub so mit sich, dass ich so gut wie nie an den PC komme und es (man glaubt es kaum!) nicht einmal so sehr vermisse! Aber EUCH vermisse ich, und ich habe trotz meiner Abwesenheit viel an Euch gedacht und freu mich schon wieder aufs Weitermachen! 🙂
    Liebe Grüße,
    Mareike

  13. Sicht-Feld sagt:

    Liebe(r) Anonym,
    danke für Deinen interessanten und lehrreichen Kommentar, das habe ich tatsächlich nicht gewusst. Ich denke, jedem hier ist klar, dass ich das Wort Rabenmutter tatsächlich nur im übertragenen Sinne benutzt habe und nicht im geringsten an die gleichnamigen Vogelmütter gedacht habe, aber ich werde in Zukunft bedachter mit dem Wort umgehen!
    Ich freue mich wirklich über derartig kritische Anmerkungen zu meinem Blog, zumal Du sehr höflich formuliert hast. Ich denke, Du musst in Zukunft keine Sorge haben, auch unter Deinem Namen zu kommentieren. 🙂
    Liebe Grüße,
    Mareike

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