Schönes und Weises – Was Kinder bewirken

Durch Umgang mit Kindern gesundet die Seele.

– Fjodor Michailowitsch Dostojewski –

Nicht, dass meine Seele vorher krank gewesen wäre. Nein, das ganz bestimmt nicht. Und dennoch ging es ihr noch nie so gut. Seit ich von Sichtfeldchen wusste, blühte meine Seele immer weiter auf, und seit ich Sichtfeldchen zum ersten Mal in den Armen hielt, kommt es mir vor, als sei meine Seele so weit und frei, offen und lebendig, dass ich mich wundere, dass sie überhaupt noch in meinen Körper passt. Vielleicht kommt daher dieses merkwürdige Gefühl, manchmal fast zu platzen vor Glück…

Ich weiß, ich weiß, als Mutter ist man nicht objektiv, als Vater ebenso wenig. Doch jeden Tag erlebe ich es, wie Sichtfeldchen auch anderen Seelen gut tut, nicht nur unseren. Wie oft zaubert sie ein Lächeln auf zuvor müde, griesgrämige Gesichter – allein durch ihre Anwesenheit, ihren neugierigen, staunenden Blick, ein freundliches Winkewinke oder ein völlig überwältigtes „Da!“. Sie schafft es immer wieder, Gesichter zum Leuchten zu bringen, sogar wenn diesen Menschen vor Kurzem noch Schreckliches widerfahren ist. Unsere Nachbarin zum Beispiel ist seit kurzem Witwe, und ich weiß, dass es ihr sehr schlecht geht. Doch wenn ich sie mit Sichtfeldchen im Treppenhaus treffe, dann schafft sie es zu lächeln, liebevoll mit meiner Tochter zu sprechen und schöne Dinge zu sagen, und ich bin mir sicher, dass das an dem tröstenden, heilenden Zauber liegt, der eben von kleinen Kindern ausgeht. Ich selber durfte das auch mit anderen Kindern erfahren, im Beruf und auch privat. Ein Kind zu beobachten, mit ihm zu sprechen oder zu spielen, es in den Armen zu halten – all das vermag den eigenen Kummer für einige Augenblicke zu überdecken und der Seele etwas Glück und Wärme zu spenden. Und tatsächlich gesundet die Seele ein wenig, mit jedem Augenblick, in dem wir uns auf ein Kind einlassen.

Ich bin von Herzen dankbar dafür, dies jeden Tag miterleben zu dürfen – es ist jedes Mal aufs Neue ein kleines Wunder…

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8 Responses to Schönes und Weises – Was Kinder bewirken

  1. theomix sagt:

    Liebe Mareike,
    von schlechten Tagen und Stunden abgesehen, die es auch gibt. Unterm Strich bleibt das, was du beschreibst.
    Viele Glücksmomente noch – wünscht herzlich Jörg

  2. wortmeer sagt:

    Welch rührende Worte! Ich danke Dir dafür!
    Legen sie sich auf meine Seele 🙂

    Herzliche Grüße vom wortmeer

  3. Sicht-Feld sagt:

    Lieber Jörg,
    klar gibt es auch weniger gesundende Momente – ich habe sogar die Befürchtung, dass die sich mit fortschreitendem Alter häufen. Aber im Moment ist zumindest meine Tochter in dem Alter, in dem sie einfach zu 99% gut tut! Ich genieße und bewahre das.
    Alles Liebe,
    Mareike

  4. Sicht-Feld sagt:

    Liebes Wortmeer,
    gern geschehen! Und so gesundet die Seele sogar, wenn man nur über den Umgang mit Kindern liest – das finde ich sehr schön!
    Liebe Grüße,
    Mareike

  5. Elisabeth sagt:

    Liebe Mareike,
    das ist wunderschön, ich stelle mir das wunderbar vor! Voll das Glück! 🙂 Ud man erinnert sich, und der bunte Kern wird wieder hervorgekehrt!
    Und wenn man vieles andere rund um sich im Blick, im Sichtfeld behält (etwa Kinder, die durch Krankheit zwischen Leben und Tod stehen…), dann werden nicht gemachte Hausaufgaben oder Meinungsverschiedenheiten wahrlich plötzlich so nichtig…
    Lass es dir gut gehen mit eurem Sichtfeldchen! 🙂
    ♥-lichst Elisabeth

  6. Sicht-Feld sagt:

    Du liebe Elisabeth,
    hab wieder einmal Dank für Deine schönen, wahren Worte. Du hast so Recht, es gibt so viel wichtigeres und elementareres als die kleinen Banalitäten, über die man sich im Alltag so gerne viel zu sehr aufregt.
    Bei Sichtfeldchen sind das im Moment eher noch umgekippte Trinkbecher und sowas – aber ich glaube, ich schaffe es ganz gut, solchen Unfällen mit Gelassenheit zu begegnen. Zumal sie es ja nicht absichtlich macht. Das Glück und die Fröhlichkeit, sie zu haben, stellt einfach alles andere in den Schatten, und ich würde sie um nichts in der Welt je wieder hergeben oder auch nur eine Minute mit ihr missen wollen!
    Sei Du herzlich umarmt und hab ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße,
    Mareike

  7. Schaps sagt:

    Das liegt bestimmt auch an der Ehrlichkeit von Kindern. Sie können gnadenlos ehrlich sein und gnadenlos grausam. Zudem können sie sich für Dinge begeistern die einem niemals auffallen würden. Es ist diese Erkundung der Welt die uns so fasziniert und uns glücklich werden lässt wenn wir Kinder beobachten.

  8. Sicht-Feld sagt:

    Lieber Schaps,
    das stimmt, und Kinder sind vor allem so vorbehaltlos! Das finde ich immer wieder faszinierend, wie unvoreingenommen sie an alles herangehen und die Dinge bewerten und beurteilen. Naja, und das Kindchenschema spielt vielleicht auch noch eine gewisse Rolle… 🙂
    Liebe Grüße,
    Mareike

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