Suppentaufe

Montag, 20.September 2010

Habe ich da eigentlich wieder irgendein elementares physikalisches Gesetz verschlafen? Das wäre streng genommen auch wieder kein Wunder, denn dem Physikunterricht in der Schule konnte ich – typisch Mädchen?! – tatsächlich nie viel abgewinnen. Aber das hier… Kann mir das bitte mal jemand erklären?!?

Vorgestern war eh schon so ein missratener Tag (darüber schreibe ich später noch), aber das i-Tüpfelchen kam dann abends, als ich Hunger bekam. Baby Sichtfeld schlummerte bereits selig in ihrem Bettchen, Herr Sichtfeld hatte gerade Sichtfeldchen ins Bett gebracht, und ich hatte gerade mehr als eine Stunde mit meinem üblichen Abendprogramm verbracht: Tisch abdecken, Fläschchen auskochen, Fläschchen und Milchpulver für die Nacht vorbebreiten, Spülmaschine einräumen und anmachen und Küche putzen. Nun war mein Tagwerk vollbracht, und ich freute mich auf mein Abendessen, das im Rahmen meines derzeitigen Anti-Babyspeck-Projekts aus einer Diät-Kartoffelsuppe aus der Tüte bestehen sollte. Njam.

Laut Anleitung sollte man also das Pulver mit dem Schneebesen in heißes Wasser einrühren und etwas quellen lassen. Ich dachte mir, ich mach es jetzt mal besonders clever, und füllte das kochend heiße Wasser und das Pulver in so einen Schüttelbecher mit Deckel – kennt Ihr, oder? Tja, es stellte sich im nächsten Moment heraus, dass diese Idee doch nicht ganz so clever war, als ich nämlich den Deckel zumachte und arglos anfing zu schütteln. Noch in der ersten Aufwärtsbewegung gab es ein seeehr lautes „Plopp“, und die gesamte heiße Pampe flog mir nur so um die Ohren. Ich habe vor Schreck so geschrien, dass Herr Sichtfeld in Sekundenschnelle aus dem Dachgeschoss heruntergaloppiert kam. Der Anblick, der sich ihm bot, muss schon… na, sagen wir mal, unerwartet gewesen sein: Seine fassungslose Frau mit einem halben Schüttelbecher in der Hand und – Suppe. Überall Suppe. Aufgrund dessen, dass diese ja noch nicht mal zum Quellen gekommen war, sah es jedoch eher aus wie Erbrochenes – roch zum Glück aber anders! Und alles war voll, ich selber, meine Klamotten, meine Haare, meine Schuhe, die ganze frischgeputzte Küche, alle Schränke, der Toaster, CD-Player, Fläschchenwärmer, Mikrowelle, unser Familientimer, sämtliche Fotos an den Wänden und die Wände selbst, vom Fußbodem ganz zu schweigen. Es ist eigentlich erstaunlich, dass die Decke nichts abbekommen hat!

Naja, das Ende vom Lied war dann, dass mein wunderbarster aller Ehemänner seine aufgelöst heulende Frau unter die Dusche schickte und die Küche so gut es ging reinigte. Ist er nicht ein Schatz?! Und das Ergebnis der ganzen Geschichte: Zum Glück nur einige kleinere Verbrennungen bei mir, eine spätabendliche Dusche und Waschladung und die folgende Erkenntnis, die ich hier unbedingt mit Euch teilen will, damit Euch nicht eines Tages ähnliches widerfährt:

VERSUCHE NIEMALS, WIRKLICH NIEMALS EINE TÜTENSUPPE IN EINEM SCHÜTTELBECHER ZUZUBEREITEN!!!!


Neulich im Werksverkauf

Dienstag, 20.Juli 2010

Er kommt freudestrahlend mit seinem Einkaufswagen angerollt: „Guck mal, Schatz, ich habe für Dich schonmal einen Maometer* eingepackt!“

Sie: „Ich will gar keinen Maometer!“

Er: „Ich aber!“

(* Beim Maometer handelt es sich um eine ratet-mal-wie-lange Stange Maoam, unter anderem erhältlich im Haribo-Werksverkauf. Es hat durchaus Vorteile, im Großraum Bonn zu leben – ist aber auch ganz schön gefährlich!)


Frühzeitige Verkehrserziehung

Sonntag, 15.November 2009

Seit wir in unserem Haus wohnen, sind wir deutlich mehr draußen unterwegs als früher in der Wohnung. Das liegt zum Einen am neuen Garten, in dem seit Sichtfeldchens Geburtstag sogar ein toller Spielturm mit Leiter und Rutsche über der Sandkiste steht, und zum Anderen an der Tatsache, dass wir in einer Spielstraße wohnen, in der kaum Autoverkehr ist. Die wenigen Autofahrer, die es hier gibt, haben selber Kinder und fahren sehr vorbildlich. Die Straße ist also hervorragend geeignet für Ausflüge zu Fuß, mit dem BobbyCar oder mit dem Laufrad.

Wir nutzen diese günstigen Umstände für erste Lektionen zum Thema Verkehrssicherheit und sind verblüfft, wie schnell Sichtfeldchen diese schon annimmt und umsetzt. Für sie ist es z.B. völlig selbstverständlich, beim Lauf- oder Fahrradfahren einen Helm zu tragen. Ja, wir Eltern gehen ihr da mit gutem Beispiel voran, wenn auch die Frisur leidet. Begegnet uns ein Radfahrer ohne Helm, ist Sichtfeldchen ganz fassungslos und ruft laut „Mann `elm aufsetze!“, und sie freut sich jedes Mal, wenn ein Radfahrer einen Helm trägt. Ebenso fährt oder läuft sie nun ganz selbstverständlich an den Straßenrand, wenn mal ein Auto kommt, und außerhalb unserer Straße fährt und läuft sie ganz prima auf dem Bürgersteig. Dabei predigt sie dann immer die entsprechenden Regeln: „Daße Autos fahre, goße Fahrrad Motorrad!“ (=Auf der Straße dürfen die Autos und die großen Fahrräder und Motorräder fahren)  oder eben „Dübadeig geine Fahrrad fahre, laufe!“ (=Auf dem Bürgersteig müssen kleine Fahrräder fahren und man darf laufen).

In etwas weiterer Fußgehreichweite liegt ein großes Einkufszentrum, zu welchem Herr Sichtfeld mit Sichtfeldchen in letzter Zeit öfter mal zu Fuß unterwegs war. Ich selber bin dazu zu faul bzw. zu schwanger, denn auf dem Rückweg müsste Sichtfeldchen irgendwann auf die Schultern genommen werden – deshalb bevorzuge ich das Auto. Dass Herr Sichtfeld diese Chance genutzt und Sichtfeldchen die Funktion einer Ampel erklärt hat, habe ich neulich festgestellt, als ich mit Sichtfeldchen im Auto unterwegs war. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als es an einer Ampel plötzlich von hinten krähte: „Root, Mama! Anhalte! Warten!“ und dann einige Augenblicke später ganz zufrieden: „Güin. Losgehen!“

🙂


Der Haken beim Haus

Samstag, 15.August 2009

Wie meine regelmäßigen Leser wissen, sind wir ja Ende April in die eigenen vier Wände gezogen und verfügen nun u.a. über einen Garten, einen Vorgarten und einen Keller. Warum ich diese Teile des Hauses explizit erwähne, wird sich gleich zeigen. Fakt ist jedenfalls, dass wir bisher nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise daran gezweifelt haben, ob es eine gute Idee war, dieses Haus zu kaufen – wir fühlen uns hier rundum wohl, und es ist wirklich genau das richtige Zuhause für uns. Da hat sich die lange Sucherei gelohnt!

Doch einen Haken hat dieses Haus leider doch. Wir wohnen hier nicht alleine. Und das liegt nicht nur daran, dass es sich um eine Doppelhaushälfte handelt! Nein, die Mitbewohner, von denen ich spreche, sind eher ungebetener und alles andere als menschlicher Art. Was haben wir hier nicht schon alles im Haus gehabt: Wiesenschnaken, Weberknechte, die Hornisse neulich, und vor ein paar Tagen sogar eine Maus, von den Fliegen und Ameisen (zum Glück „nur“ im Garten!) ganz zu schweigen! Aber am ekligsten sind die Spinnen. Dazu zwei Anekdoten.

Vor einigen Tagen kam Herr Sichtfeld abends erst spät von der Arbeit. Sichtfeldchen schlief schon, und ich stand im Wohnzimmer und nahm die Wäsche vom Wäscheständer ab, den ich gerade aus dem Garten hereingeholt hatte. Da saß auf einem T-Shirt von Sichtfeldchen eine winzige Spinne. Da ist ja nicht viel dabei, dachte ich mir, und wollte aus der Küche ein Papier holen und das kleine Biest beseitigen. Bei Spinnen und Mücken kenne ich eben kein Erbarmen. Ich komme also in die dunkle Diele, und was sitzt da vor mir auf dem Boden, so richtig schön im Lichtstrahl, der aus dem Wohnzimmer kommt? Eine riesige haarige Hausspinne (ACHTUNG: Diesen Link wirklich nur mit sehr starken Nerven anklicken!!!). Dagegen war das kleine Ding auf dem Wäscheständer ja richtig niedlich! Und warum tauchen diese Monster immer dann auf, wenn Herr Sichtfeld, mein Held, nicht da ist?!

Und heute Morgen wollte ich, nachdem ich mit Tee und Keksen von meinen beiden Liebsten geweckt worden war, mal schnell unter die Dusche springen, und was sitzt da, mitten in der Duschwanne? Genau. Muss ich es aussprechen? Das wird der große Bruder von dem Viech in der Diele gewesen sein! Brrrrrrr! *schüttel* Ich bestand in dem Moment wirklich nur noch aus Gänsehaut. Es kommt auch nicht oft vor, dass ich kreische, aber bei dem Anblick ließ es sich wirklich nicht unterdrücken! Was bitte haben diese Wiederlinge in meinem Haus zu suchen? Im WOHNBEREICH??? Im Keller kommen die ja ab und zu vor, und das ist schon eklig genug! Aber wie kommen die in meine Dusche? Wenn die dann einfach nur so dasitzen oder womöglich noch auf mich zu laufen, dann bekomme ich von ihrer puren Existenz jedes Mal einen Schrecken, der mich wahrscheinlich Jahre meines Lebens kostet!

Naja, während ich mich angeekelt im Hintergrund hielt, haben Sichtfeldchen und Herr Sichtfeld das Ungetüm mit großem Interesse begutachtet (man soll ja seinem Kind keine Voreingenommenheit vermitteln…), und schließlich hat sich mein Held um das Weitere gekümmert. Aber ganz ehrlich: So wirklich entspannt in ich jetzt nicht mehr!


Tapferes Sichtfeldchen

Dienstag, 4.August 2009

Sichtfeldchen ist zurzeit etwas lädiert, sie ist gestern auf einem Kindergeburtstag unglücklich gestürzt und mit dem Kopf auf einen großen Stein aufgeschlagen. Zum Glück gab es „nur“ eine böse Beule und eine ganz leichte Schürfung und keine bluttriefende Platzwunde. Man konnte aber sofort an ihrem Schreien hören, dass es wirklich ordentlich weh getan haben muss, und wir sind natürlich gleich ins Haus galoppiert, um das Ganze zu kühlen.

Da saß dann mein kleines schluchzendes Häuflein Elend auf meinem Schoß, mit einem Kühlpackage am Kopf und einer Mini-Eiswaffel in der Hand. Aber so ein Eis wirkt doch Wunder: Nachdem sie davon drei (!) Stück verputzt hatte, war das Aua vergessen und sie lief fröhlich weiter rutschen und toben. Das Aua im Bauch blieb trotz der vielen Eis zzgl. der Schokobonbons, des Geburtstagskuchens und der Sma*ties zum Glück auch aus, und heute hat sie das Ganze zum Glück schon vergessen. Mein tapferes kleines Indianermädchen!


Neue Geschäftsmasche?

Donnerstag, 30.Juli 2009

Gestern abend bin ich vor der allmittwochlichen Chorprobe noch etwas durch die Bonner Innenstadt gebummelt und habe mir als kleinen Abendimbiss so ein Sechstelstück Pizza von dieser leicht überteuerten Pizza-Hütten-Kette genehmigt. Bevor ich jedoch in das nächste Geschäft hineingehen konnte, musste ich ja ersteinmal die Pizza aufgegessen haben. Gesagt, getan. Ich schiebe mir also den letzten, etwas überdimensionierten Bissen in den Mund, werfe Papierserviette und Pappteller in den nächsten Mülleimer und drehe mich Richtung Eingang, mit etwa folgenden Gedanken im Kopf:

„Oh Mann, hoffentlich sieht jetzt keiner zu genau in mein Gesicht, wie ich hier schwer kaue, mit dicken Backen usw. – sieht bestimmt ziemlich bekloppt aus… Aber egal, mich kennt hier ja zum Glück keiner…“

Und was passiert genau in diesem Moment? Da kommt so ein etwas heruntergekommener Jugendlicher und spricht mich in so einem ganz leisen, zaghaften Ton an, den ich noch dazu kaum verstehe. Ich würde kaum mehr als ein „Mmmmpf“ herausbringen, deshalb versuche ich, ihn durch Gesten darauf aufmerksam zu machen, dass ich gerade den Mund voll habe. Das hat er vermutlich noch gar nicht gemerkt! Er murmelt jedenfalls etwas davon, dass er mich nicht belästigen will oder so und tut es aber trotzdem. Mit Mühe und Not bringe ich ein ziemlich undeutliches „IschhabdemMumpvoll“ heraus und will damit an sein Feingefühl appelieren, dass er sich abwendet und uns beiden den Rest dieser Peinlichkeit erspart. Aber er fragt mich stattdessen, ob ich nicht etwas Geld für ihn hätte für etwas zu essen. Na toll! Wie bitte soll ich mich den jetzt fühlen? Ich stehe hier mit bis zum Bersten mit Pizza gefüllten Backentaschen, und er erzählt mir, dass er Hunger hat. Ich resigniere kurzerhand und ziehe mein Portemonnaie heraus – ehrlich gesagt vor allem deshalb, weil ich diese blöde Situation so schnell wie möglich beenden und meinen Rest Pizza in Ruhe und einem Rest Würde herunterwürgen will – und drücke ihm eine Münze in die Hand. Er bedankt sich und verschwindet. Aufatmen kann ich nur durch die Nase, mein Mund ist immer noch zu voll…

Ich gebe zu, bei den üblicherweise in meiner Mundhöhle herrschenden Raumverhältnissen hätte ich mich wortreich und versuchtermaßen höflich aus der Affäre gezogen und ihm nichts gegeben. Ich spende lieber an Straßenmusiker, denen ich eine Weile zuhöre, oder über eine ganz bestimmte Organisation, von der ich weiß, dass das Geld auch wirklich ankommt und sinnvoll genutzt wird.

Anschließend konnte ich mich jedoch eines bestimmten Gedankens nicht erwehren: Ist das eine neue Geschäftsmasche? Legen die es jetzt vielleicht drauf an, Leute auf dem falschen Fuß zu erwischen und die unangenehme Situation für den potentiellen Geldgeber auszunutzen? Ich könnte mir vorstellen, dass man damit gar nicht so schlecht verdient! Vielleicht gibt es ja mehr Leute wie mich, die sich mit vollem Mund nicht mehr in der Lage sehen, die Bitte um Geld höflich und dennoch entschieden von sich zu weisen, und die sich dann lieber von einer Münze trennen, als einfach stumm den Kopf zu schütteln und sich wegzudrehen… Es lebe die Höflichkeit!


Warum bewegt sich der Fleck auf meinem Teppich?

Sonntag, 14.Juni 2009

Diese Frage musste ich mir gestern abend um kurz nach Mitternacht stellen. Herr Sichtfeld saß noch am Computer, sodass ich schon einmal alleine schlafen gehen wollte. Ich schüttelte also unsere Bettdecke auf und setzte mich auf die Bettkante. Da fiel mein Blick auf etwas Schwarzes auf dem hellen Schlafzimmerteppich. Da ich meine Kontaktlinsen bereits herausgenommen hatte, konnte ich nicht erkennen, was es war – ich tippte zunächst auf ein liegengbliebenes Spielzeug von Sichtfeldchen oder einen aus einem Schuhprofil stammenden Erdfleck. Ich wollte mich schon hinlegen, da meinte ich zu erkennen, dass sich der Fleck von der Stelle bewegte…

Den Rest des Beitrags lesen »