So schön, schön war die Zeit…

Sonntag, 12.September 2010

Liebes Sichtfeldchen,

nun bist Du schon so groß! Du bist eine große Schwester, bist schon ganze drei Jahre alt, und seit zwei Wochen gehst Du in den Kindergarten. Ich bin so stolz auf Dich, mein kleines großes Mädchen, und jeden Tag staune ich aufs Neue, was für ein selbständiges, redegewandtes, fröhliches und liebenswertes Kind schon aus Dir geworden ist! Jeden Morgen ziehst Du mit Deinem kleinen Rucksack in den Kindergarten ein, und jeden Morgen denke ich erneut, nanu, nun ist die Zeit mit Dir zu Hause auch schon vorbei… Klar bekomme ich als Mama da manchmal einen kleinen Kloß im Hals und bin froh, dass ich wenigstens Deine kleine Schwester bei mir habe. Doch ich freue mich auch jeden Tag aufs Neue, Dich mittags abzuholen, wenn Du mir freudestrahlend auf den Arm hüpfst, mir einen dicken Schmatzer gibst und mir erzählst, wie toll es heute im Kindergarten war.

Meine liebe große Tochter, ich finde Dich einfach super, und Du machst Deine Sache echt toll! Ich weiß auch, dass Du es zurzeit manchmal nicht ganz leicht hast – glaube mir, das geht vorbei, das kennt jedes Kind. Aber Du lässt Dich nicht entmutigen, trägst nichts nach und begegnest Deiner Welt immer wieder von Neuem mit Schwung, Neugier und Wohlwollen. Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du weiterhin ein glücklicher Mensch bleibst, und wann immer Du es brauchst, werde ich gerne versuchen, dazu beizutragen.

Ich hab niemanden auf der Welt mehr lieb als Dich!

Deine Mama


Neulich im Werksverkauf

Dienstag, 20.Juli 2010

Er kommt freudestrahlend mit seinem Einkaufswagen angerollt: „Guck mal, Schatz, ich habe für Dich schonmal einen Maometer* eingepackt!“

Sie: „Ich will gar keinen Maometer!“

Er: „Ich aber!“

(* Beim Maometer handelt es sich um eine ratet-mal-wie-lange Stange Maoam, unter anderem erhältlich im Haribo-Werksverkauf. Es hat durchaus Vorteile, im Großraum Bonn zu leben – ist aber auch ganz schön gefährlich!)


Der Traum vom Haus VI

Sonntag, 1.März 2009

Hilfe.

Auf unserem Couchtisch breiten sich Farbproben und Teppichmuster aus, und ich merke gerade, dass ich ein bisschen überfordert bin. Im nächsten Monat ist der Umzug, ab dem 8. April dürfen wir in unser neues Haus und dort die neuen Böden verlegen und die Wände streichen. Mehr ist zum Glück nicht nötig, bevor wir umziehen – bis auf den Umbau des Dachstudios, aber das sei hier mal egal. Fakt ist: Wir kommen nun langsam in die heiße Entscheidungsphase. Ich befasse mich derzeit mit den Bodenbelägen und Wandfarben und merke dabei, das mir da jemand zum Austauschen fehlt – jemand mit Erfahrung! Mein liebster Ehemann neigt nämlich was die Innenausstattung betrifft eher zum Minimalismus (= weiße Wände, graue Teppiche), von daher bin ich leider (oder glücklicherweise) auf mich allein gestellt, denn er lässt mir freie Hand und hat sich nur ein Vetorecht erbeten, wenn ich allzu überkandidelte Vorschläge liefere.

Und nochmals: Hilfe.

Das ist sehr ernst gemeint. Zuerst mal eine Frage an alle Mütter und Väter unter Euch oder diejenigen, die ein entsprechend gutes Vorstellungsvermögen oder einfach Ahnung haben: Was für einen Bodenbelag sollen wir für die Kinderzimmer nehmen? Freunde empfahlen mir Kork, weil angenehm warm und nicht so hart wie Laminat (was sowieso ausscheidet). Der Typ neulich im Fachhandel für Bodenbeläge aller Art dagegen meinte, er würde auf jeden Fall Teppich nehmen, weil weicher, wärmer, gemütlicher und trotzdem leicht zu reinigen – sofern man etwas ordentliches nimmt. Ich persönlich tendiere auch zu Teppich, weil man da einfach mehr Gestaltungsmöglichkeiten (sprich Farben und Strukturen) hat als bei Kork. Gibt es jemanden unter meinen werten Lesern und Leserinnen, der mir davon aus bestimmten Gründen abraten möchte? Was habt Ihr in Euren Kinderzimmern? Und im Schlafzimmer? Seid Ihr damit glücklich, und wenn nein, warum nicht?

Mein anderes Problem sind diese vielen wunderschönen Farben. In den Prospekten, im Internet und im Fernsehen sieht immer alles so toll aus, aber passt das auch zu uns und vor allem zu unseren Möbeln? Über die folgenden Räume komme zerbreche ich mir den Kopf:

a) Unser Schlafzimmer. Wir haben die Serie M.A.L.M. vom Möbelschweden in Birkenfurnier und sind ansonsten recht flexibel. Der Raum hat eine Dachschräge mit Fenster, ein großes senkrechtes Seitenfenster und zwei Türen (zum Flur und zu unserem eigenen Badezimmer, yeah!), diese sind soweit ich weiß Buche, also ein warmes Mittelbraun. Hat jemand Ideen? Und was für einen Boden dazu?

b) Sichtfeldchens Zimmer. Ihre Möbel sind weiß mit etwas Ahorn. Auch ihr Zimmer hat eine Dachschräge mit Fenster, ein großes senkrechtes Fenster und eine Tür. Ich möchte ihr Zimmer gerne mädchenhaft, aber nicht kitschig haben, also z.B. nur eine Wand in rosa oder malve oder so. Vielleicht kann man da mit Schmetterlings-Tattoos arbeiten oder irgendwas in der Art…? Und was mache ich hier mit dem Boden?

c) Das andere Kinderzimmer. Es sollte aus verständlichen Gründen neutral bleiben, also z.B. vanillegelb oder so. Teppich? Kork? …???

d) Die Küche. Wir übernehmen die zehn Jahre alte Küche unserer Vorbesitzer, sie ist mit weißem Holz verkleidet und echt neutral vom Stil her. Der Boden ist weiß gefliest und soll auch so bleiben. Außerdem kommt noch eine Sitzecke in Buchenfurnier mit hinein. Ich denke da z.B. an ein Lindgrün oder Türkis, oder vielleicht auch ein sonniges Gelb? Wie sieht das bei Euch aus?

Die anderen Räume kriege ich schon irgendwie hin, auch wenn ich vor dem Wohnzimmer am meisten Respekt habe. Es ließe sich hier schwer beschreiben, denn wir übernehmen auch die Vorhänge unserer Vorbesitzer sowie den Teppich, sind also farblich arg eingeschränkt.

Ich wäre Euch allen echt unendlich dankbar für Vorschläge aller Art, für Erfahrungen, Tipps und Kritiken. Ich hab doch noch nie ein ganzes Haus farblich gestaltet – ich hab echt richtig Bammel davor, dass es nachher irgendwie blöd aussieht. Andererseits liebe ich diese Planerei und freue mich total  darauf, dass es bald losgeht und ich uns ein richtig gemütliches, schönes Zuhause schaffen darf… 🙂

Also, lasst Euren Ideen freien Lauf – ich bin schon sehr gespannt! Übrigens, Schonzeit – liebstes Bruderherz – bitte: KEIN ORANGE! (sorry!)


Liebeserklärung

Donnerstag, 26.Februar 2009

Ich vermisse Dich. Und ich freue mich wie verrückt auf Dich. Viel zu lange schon habe ich Dich einfach liegen gelassen, gebettet auf dem dunkelblauen Samt, mit dem Dein Kasten ausgekleidet ist und der so wunderbar zu Deinem rotbraunen Holz passt. Sehnsuchtsvoll öffne ich den Koffer, hebe das Tuch an, und da liegst Du vor mir, in all Deiner Schönheit und nach den Jahren der Abstinenz noch immer fast perfekt gestimmt. Meine Finger streichen über Deinen kühlen, glatten Körper, berühren andächtig Deine Saiten. Ich nehme Dich heraus und atme Deinen Duft ein. Das Gefühl, Dich in der Hand zu halten und an die Schulterbeuge zu legen, Dein Gewicht, die leisen Geräusche, die Du bei jeder Berührung von Dir gibst – all das löst so viele wunderschöne Erinnerungen in mir aus. Was haben wir alles miteinander erlebt. Du hast mich wachsen sehen, immer besser haben wir gemeinsam gespielt. Die unvergesslichen Unterrichtsstunden bei Frau T., immerhin elf Jahre lang – Bach, Haydn, Paganini, Rubinstein, Bartok… Und die wundervolle Zeit im Orchester – Grieg, Mussorgsky, Elgar, Beethoven, Gluck, und wiederum Bach… Und wo haben wir schon überall gemeinsam geklungen, sogar ganz bis nach Italien! Deine, unsere Musik war das Erste, das mein Mann von mir kennen lernte, damals auf der Hochzeit, weißt Du noch? Damals, als wir uns noch so gut kannten, als wir uns täglich, oft stundenlang sahen…

Wie konnte es nur so weit kommen? Wie konnte ich Dich nur so lange ruhen lassen? Immer wieder wurde ich von Sehnsucht gepackt, Dich wieder zur Hand zu nehmen, besonders nach dem Besuch eines Konzerts – und immer wieder habe ich mich nicht getraut, Dich erklingen zu lassen, aus Angst vor den Nachbarn – wie konnte ich nur? Ich vermisse Dich so sehr, und ich sehne mich danach, eines Tages wieder mit Dir gemeinsam so zu erklingen, wie wir es vor Jahren einmal vermochten…

Es wird alles gut. Wir werden bald in einem Haus leben, in dem ich Dich wieder spielen kann, und wir werden gemeinsam wieder Unterricht nehmen und mit dieser Hilfe wieder zueinander finden. Und wer weiß? Vielleicht wird mein Traum ja doch eines Tages wahr – gemeinsam mit Dir…?

Für Dich, meine geliebte Violine, ist dieses Stück, das Cantabile von Paganini – eines der letzten Stücke, die wir im Unterricht zusammen gespielt haben…

… und hier ist mein Traum: Ich möchte einmal in meinem Leben mit Dir zusammen das Brandenburgische Konzert Nr.3 von Bach spielen, aus dem hier der dritte Satz erklingt:

Trotz allem immer

Deine Mareike


Heimat, ich koooooomme!

Sonntag, 1.Februar 2009

Sichtfeldchen und ich werden uns heute Mittag dank Luftha*sa in die Lüfte erheben und für zwei Wochen in meine Heimatstadt Rendsburg reisen. Wir freuen uns schon riesig darauf, die Großeltern Sichtfeld, den Patenonkel und viele liebe Freunde (Schoni, Linda, Noraksa,…) wieder zu sehen und eine schöne Zeit mit ihnen zu verbringen, die hoffentlich gaaanz langsam vorbeigeht. Schade nur, dass Herr Sichtfeld beruflich so eingespannt ist, dass er uns nicht begleiten kann… Und hier bzw. hier geht es hin:


Erneute Begegnung – oder Erscheinung?

Samstag, 31.Januar 2009

Heute vormittag waren Herr Sichtfeld, Sichtfeldchen und ich mit dem Auto unterwegs und wollten gerade in ein Parkhaus hineinfahren, als ich plötzlich etwas – nein, jemanden sah. „Das ist er! Das ist meine Begegnung!“ platzte es aus mir heraus, und ich war plötzlich ganz aufgeregt. Da war er tatsächlich, der alte Herr im grünen Lodenmantel, genau so, wie ich ihn ihn Erinnerung hatte. Er ging an seiner Krücke, und es sah aus, als fiele ihm das recht schwer. Wir fuhren im Auto an ihm vorbei und konnten nirgends anhalten, sonst hätte ich das sicher getan. Und kaum hatt ich ihn gesehen, war alles wieder da – diese wunderschöne halbe Stunde des Gesprächs mit ihm und vor allem dieses unendlich gute Gefühl im Bauch. Ist das nicht seltsam? Ich habe ihn nur für wenige Sekunden wiedergesehen, nur im Vorbeifahren, und trotzdem fühlte ich mich sofort wieder glücklich, leicht und warm in meinem Inneren, wie an jenem Abend…

Als wir aus dem Parkhaus herauskamen und unsere Besorgungen erledigten, habe ich mich immer wieder nach dem alten Herrn umgesehen, ihn jedoch nirgends mehr entdecken können. Und dennoch lief ich den ganzen Vormittag über mit einem versonnenen Lächeln auf dem Gesicht herum, weil er mir immer wieder im Kopf herumspukte. Was hat dieser Mensch nur für eine Ausstrahlung, für eine Wirkung auf mich, dass es mir so unglaublich gut geht, nur weil ich ihn sehe?! Ich habe mich einfach unglaublich gefreut!


Friends will be friends…

Dienstag, 20.Januar 2009

Herr Sichtfeld und ich haben eine absolute Schwäche für die unübertroffene US-Sitcom Friends, die ja leider nach der zehnten Staffel endete. Selbstverständlich haben wir sämtliche Staffeln auf DVD, und gerade haben wir alle 236 Episoden zum fünften Mal durch. Wir lieben diese Serie einfach über alles, und nach einem harten Arbeitstag für Herrn Sichtfeld und einem turbolenten Tag mit Sichtfeldchen für mich gibt es nach Feierabend nichts Entspannenderes. Natürlich sehen wir die Serie im Originalton, denn unser Friends-Tick begann während unserer Zeit in den USA. Die deutschen Synchronstimmen verfälschen meiner Meinung nach viel zu sehr die Charaktere, und viele Witze lassen sich einfach nicht übersetzen. Außerdem tun wir so ganz nebenbei noch was für unser Englisch, das ja nicht einrosten soll.

Gerade habe ich geraume Zeit bei Jutjup verbracht und mir Zusammenschnitte der besten Friends-Szenen angesehen, in Erinnerungen geschwelgt und mich kaputtgelacht. Ich liebe einfach diesen Humor, und ich liebe die Charaktere. Einen dieser Zusammenschnitte habe ich hier für Euch herausgefischt. Viel Spaß! (Danach bitte weiterlesen! – Und lasst Euch von dem „Check my Channel“-Button nicht irritieren, einfach ignorieren!)

Tja, nun sind wir also wieder einmal am Ende der Serie angekommen – was habe ich geheult! – und jetzt stehen wir wieder einmal ohne rechten Ersatz da. Wir haben zwar auch sechs Staffeln von „Hör mal wer da hämmert“, aber so direkt nach Friends ist diese ansonsten eigentlich sehr witzige Serie einfach richtig farblos… Deshalb brauche ich Eure Hilfe: Könnt Ihr uns eine Serie empfehlen, die Friends das Wasser reichen kann? Und die für Männlein und Weiblein gleichermaßen geeignet ist? (Also nicht unbedingt „Eine schrecklich nette Familie“ oder „Sex and the City“… Das eine mag ich nicht, das andere mag Herr Sichtfeld nicht.)

Bittebitte helft uns! Wir müssen die Zeit, bis wir wieder mit Friends von vorne anfangen, irgendwie überbrücken! Und da es ja schon mit dem Friends-Kinofilm nicht geklappt hat… Na, wir sind jedenfalls für jeden Tipp dankbar!


Selbstkritik

Freitag, 16.Januar 2009

Mit einem ganz lieben Gruß in Richtung Theomix! 😉

SELBSTKRITIK

Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
So hab ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;

Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;

Und viertens hoff ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Daß ich ein ganz famoses Haus.

– Wilhelm Busch, 1832-1908 –


Sichtfeld’sche Wintertradition

Montag, 12.Januar 2009

Wenn ich an meine Kindheit denke, fallen mir sofort tausend schöne Erinnerungen ein. Ich hatte eine wunderbare Kindheit, und meine Eltern haben es immer wieder geschafft, mir unvergessliche Momente zu bereiten, die mir besonders jetzt, da ich selber Mutter bin, wieder ins Gedächtnis kommen und mich lächeln lassen.

Eine dieser Erinnerung ist eine schöne Tradition, die ich vor allem mit meinem Vater in Verbindung bringe. Bei uns war es üblich, sonntagnachmittags einen ausgedehnten Spaziergang in einem der schönen schleswig-holsteinischen Wälder zu machen. Zugegeben, als Kind wusste ich das nicht wirklich zu würdigen, sondern wäre lieber zu Hause geblieben bei meinen großen Brüdern, von denen ich wusste, dass sie die ganze Zeit über fernsehen würden – das war damals etwas Besonderes für uns. Sie waren eben schon groß genug und mussten nicht mehr mit in den Wald, aber ich, tja, ich musste. Doch ich habe ja von schönen Erinnerungen gesprochen! Es liegt in der Natur der Dinge, dass ein Großteil dieser Spaziergänge im Winter stattfand – und dieser ist in meiner Heimat grau und feucht und dauert etwa sechs Monate lang. Doch wenn wir an einem solchen Tag verfroren und erschöpft wieder zu Hause angekommen waren, dann kam es regelmäßig vor, dass mein Vater sagte, „So, und jetzt backen wir Waffeln!“ Und dann wurde kurzerhand das Waffeleisen ausgepackt, Vater Sichtfeld und ich machten den Teig fertig und die ganze Familie versammelte sich um den Küchentisch, um Waffeln zu backen und genüsslich zu verzehren. Das waren so schöne Nachmittage, der Duft von Waffeln in der Küche, die beschlagenen Fensterscheiben, die leckeren Waffelherzen mit Puderzucker und Marmelade und das Zusammensein mit der ganzen Familie… Mir wird jetzt noch immer ganz warm ums Herz, wenn ich an diese Winternachmittage denke.

Gestern nun waren Herr Sichtfeld und ich mit Sichtfeldchen und dem Schlitten draußen im Schnee, und es war Sonntagnachmittag, und wir kamen ganz durchgefroren wieder nach Hause in unsere Wohnung. Schon im Treppenhaus sagte ich zu Herrn Sichtfeld, dass das der perfekte Nachmittag zum Waffelnbacken sei. Daraufhin entgegnete er, dass wir doch eigentlich alles dazu im Haus hätten, inklusive dem Waffeleisen, das wir von seiner verstorbenen Großmutter geerbt und erst einmal vor Jahre benutzt haben. Ich war natürlich gleich Feuer und Flamme, flitzte in die Küche und bereitete den Teig zu (das Rezept habe ich mir telefonisch von meinem Vater durchgeben lassen), und dann saßen wir gemütlich zu dritt am Esstisch und backten Waffeln. Und es war fast so wie früher: Der Duft von Waffeln, die beschlagenen Fensterscheiben, die leckeren Waffelherzen mit Puderzucker und Marmelade und das Zusammensein mit der Familie – nur dass nun ich die Mutter bin und selber eine kleine Tochter habe…

Herr Sichtfeld und ich haben jedenfalls angesichts unserer glücklichen, Waffelherzen mampfenden Tochter diese alte Tradition für sehr schön und gemütlich befunden und uns vorgenommen, sie auch in unserer Familie weiterzupflegen – vielleicht wird sich Sichtfeldchen eines Tages genau so gerne daran zurück erinnern, wie ich mich an diese Sonntagnachmittage meiner Kindheit erinnere. Das ist sowieso mein großer Wunsch: Dass sich meine Kinder später gerne an ihre Kindheit erinnern. Und das winterliche Waffelnbacken wird vielleicht eines von vielen Puzzleteilen dazu sein…


Begegnung

Donnerstag, 8.Januar 2009

Heute Nachmittag waren Sichtfeldchen und ich in der Stadt unterwegs, um ein paar Besorgungen zu machen. Um bei diesen arktischen Temperaturen ein wenig aufzutauen, setzen wir uns in einer Passage auf eine Rundbank und machten ein kleines Picknick. Ich war gerade mit einer anderen Mutter im Gespräch, als ich merkte, dass sich auf der anderen Seite auch jemand neben mich setzen wollte. Eher unbewusst nahm ich meine neben mir stehende Tasche weg, um dem Anderen etwas mehr Platz zu machen. Er bedankte und setzte sich, und ich stellte eher nebenbei fest, dass es ein älterer Herr in einem grünen Lodenmantel war, der an einer Krücke ging. Er saß still da, und ich merkte aus den Augenwinkeln, wie er Augenkontakt zu meiner Tochter aufnahm. Kurz darauf sprach er mich sehr freundlich an und fragte, wie alt denn meine Tochter sei. So kamen wir ins Gespräch.

Zunächst dachte ich, dass sei eben einer dieser älteren Menschen, die das Gespräch mit wildfremden Menschen suchen, weil sie sonst niemanden zum Reden haben. Hm, vermutlich war das sogar der Fall, aber irgendwie war es trotzdem anders. Ich weiß gar nicht recht, wie ich es beschreiben soll. Es war weder unangenehm noch aufdringlich noch irgendwie peinlich. Wir saßen da und unterhielten uns über alles Mögliche. Er erzählte aus seiner Kindheit und davon, dass seine Mutter für ihn und seine Geschwister jeweils bis zum zehnten Lebensjahr ein Tagebuch geführt hatte und dass er als einziger dieses Tagebuch anschließend weitergeführt hatte, weil er es so schön fand. Auf meine indiskrete Frage hin sagte er mir, dass er im Jahre 1930 geboren worden war. Er erzählte von seinem ältesten Bruder, der in Russland im Krieg gefallen war, und dass das im Nachherein vielleicht sogar besser gewesen sei, als in Kriegsgefangenschaft elend zu Grunde zu gehen – nur habe man 1941 noch nicht gedacht, dass diesem Todesfall irgendetwas Positives abzugewinnen gewesen sei. Er erzählte, dass er aus dem heute nicht mehr zu Deutschland gehörenden Osten des Deutschen Reiches stammte, nun aber schon seit 59 Jahren am Rhein lebte. Er erzählte vom Schicksal derer, die damals nicht bereit gewesen waren, ihre Heimat im Osten zu verlassen. Er selber war Physiker und hatte jahrelang an einer namhaften Eliteuni in den USA doziert. Während er mit leuchtenden Augen von diesem Abschnitt seines Lebens erzählte, verfiel er immer wieder für einige Sätze in ein sehr amerikanisches Englisch, so sehr lebte er in dem, worüber er erzählte… Er strahlte dabei so eine Ruhe und Weisheit aus, so eine Weitsicht und Erfahrung, wie sie vielleicht nur das Alter mit sich bringen kann.

Es war wirklich unglaublich – wir saßen da etwa eine halbe Stunde und unterhielten uns, und zum Glück war auch Sichtfeldchen in ihrem Buggy so geduldig, mir diese Unterhaltung zuzugestehen. Doch irgendwann wurde sie unruhig, und ich musste mich schweren Herzens verabschieden. Zum Abschied wünschte er uns alles Gute, und ich sagte ihm von ganzem Herzen, wie schön ich es fand, ihm begegnet zu sein. Noch jetzt bin ich ganz erfüllt von dieser Begegnung.

Es ist merkwürdig – ich weiß nicht einmal genau, woran es gelegen hat, dass dieser Mensch mich so berührt hat. So etwas ist mir noch nicht oft passiert, und ich kann es mir nicht erklären. Doch irgendwie fühlte ich mich nach dieser Unterhaltung so viel besser als vorher, so leicht, so warm im Herzen. Ich kann das gar nicht anders beschreiben, und ich hatte mich vorher nicht schlecht gefühlt oder so – diese Begegnung hat mir einfach gut getan…

Ich bin dann mit Sichtfeldchen in eine Drogerie gegangen und musste anschließend auf dem Weg zum Parkhaus noch einmal an der Bank vorbei, und irgendwie hoffte ein Teil von mir, er würde noch da sitzen. Die Bank wirkte merkwürdig leer ohne ihn. Ich werde nun immer an ihn erinnert sein, wenn ich an dieser Bank vorbeikomme, und ich werde lächeln müssen, so wie ich es jetzt tue, während ich diese Begebenheit niederschreibe. Ich frage mich, wer er wohl war, wie er lebt, was er wohl gerade tut. Und ich frage mich, was da eigentlich mit mir passiert ist. Und ich freue mich darüber und bin dankbar für diese halbe Stunde heute Nachmittag, diese kleine, unscheinbare halbe Stunde, die plötzlich eine so starke Bedeutung bekommen hat…

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. Vielleicht sind es auch alte Herren im grünen Lodenmantel…


Erkenntnis des Tages

Sonntag, 4.Januar 2009

Ich sage immer,

Der Januar ist wie ein einziger langer Montag.

Meistens sage ich das gegen Ende Dezember, weil es mir dann gruselt vor diesem tristen Grau, von der Leere, die der Weihnachtsschmuck hinterlässt, und davor, dass man nun den ganzen Sch… das ganze Jahr wieder vor sich hat.

Und jetzt ist der Januar da und ich stelle fest: Ich bin trotzdem gut drauf! Auch aus einem 31 Tage langen Montag kann man etwas machen! Auch der Januar kann Spaß machen, auch im Januar kann man glücklich sein! Klar, die Tage sind trist und grau, und die soeben abmontierte Weihnachtsdeko hat kahle Stellen hinterlassen – na und? Dann kommt da eben was anderes Buntes hin!

🙂


Was wohl…?! :-)

Mittwoch, 31.Dezember 2008

Hey Ihr Lieben,

ich wünsche Euch allen einen fröhlichen Jahreswechsel und von Herzen alles Liebe und Gute für das Neue Jahr 2009! Ich hoffe, dass Ihr alle schön feiert, wenn auch sicher auf sehr unterschiedliche Art und Weise, und ich wünsche Euch auch einen Moment der Rückbesinnung auf das vergangene Jahr und auf das, was das Neue Jahr für Euch mit sich bringen wird. Möge das vor allem Freude, Glück, Gesundheit, Liebe und viel Grund zum Lachen sein!

Alles Liebe, Eure Mareike


Bloggerdeutschland

Montag, 29.Dezember 2008

Auf unserer obligatorischen Reise zu den Schwiegereltern musste ich an einige von Euch ganz besonders denken, denn ich bin quasi an Eurer (Ex-)Haustür vorbeigefahren. Auf der A2 ging es an der Heimatstadt von Andrea vorbei sowie am Wohnort vom Ecki, und auf der A1 kamen wir an Schloß Burg vorbei, über das Bonafilia vor einiger Zeit mal etwas geschrieben hat… Ich fand es jedenfalls schön, diese mir bisher nichts sagenden Orte nun mit so netten Menschen in Verbindung bringen zu können!

🙂