Zivilcourage? Oder selbstverständlich?

Mittwoch, 20.Mai 2009

Heute ist mir etwas passiert, von dem ich dachte (hoffte!), das gäbe es nur im Fernsehen. Ich bin jetzt noch völlig aufgewühlt und fassungslos. Ich habe miterlebt, wie eine Mutter ihr Baby in der prallen Sonne im Auto allein gelassen hat!

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Der Nachtschreck

Samstag, 9.Mai 2009

Normalerweise schläft Sichtfeldchen durch, und zwar von sieben Uhr abends bis morgens um halb acht. In dieser Zeit hört man – sofern sie nicht krank ist – nichts von ihr. Es kommt höchstens mal vor, dass Sie Durst hat. Dann hört man durchs Babyfon so ein leicht genörgeltes „Namm-namm“, und wenn sie dann etwas zu trinken bekommen hat, lässt sie sich problemlos wieder zu ihrem Schlafhasen ins Bett legen und schläft auch meist gleich wieder ein. Ganz anders lief es allerdings vorgestern, denn da kam der Nachtschreck zu uns.

Den Nachtschreck gibt es tatsächlich, und er ist wesentlich aufreibender, als es der Name vermuten lässt. Bei uns lief es folgendermaßen ab: Um kurz nach 21 Uhr hörten wir Sichtfeldchen durch das Babyfon weinen und tippten zunächst mal auf Durst. Herr Sichtfeld ging in die Küche, um ein Glas Wasser zu holen, und ich ging zu Sichtfeld, um sie schonmal hochzunehmen und zu beruhigen. Doch daraus wurde nichts. Etwas Derartiges habe ich noch nie erlebt: Sie ließ sich nicht auf den Arm nehmen, wollte aber auch nicht mehr im Bett liegen. Sie hat laut geschrien und krampfartig geatmet, und sie ließ sich absolut nicht von uns beruhigen. Im Gegenteil, sie hat jegliche Annäherungsversuche von uns abgewehrt und schien uns gar nicht zu erkennen. Ich habe sie dann trotzdem auf den Arm genommen, und wir sind mit ihr in unser Schlafzimmer gegangen und haben dort das Licht angemacht. Ich hatte den Eindruck, dass sie gar nicht ganz wach war, sondern irgendwo zwischen Schlaf und Wachsein „gefangen“ war, deshalb wollte ich sie wecken und ihr eine vertraute Umgebung bieten. Doch sie ließ sich weder wecken noch beruhigen, im Gegenteil, es wurde immer schlimmer. Sie hat sich in unserem Schlafzimmer völlig wild und orientierungslos auf dem Teppich herumgerollt, hat geweint und geschrien und unsere Hände weggestoßen, wenn wir sie streicheln und trösten wollten. Sie hat uns tatsächlich nicht erkannt, und ihre Augen blickten verwirrt und waren weit aufgerissen und sie war total panisch. Wir wussten überhaupt nicht, was wir machen sollten. Ihr Schreien klang auch völlig neu für uns, es war kein Wutgebrüll und kein Schmerzensgebrüll, es muss Angst gewesen sein. Ihr kleines Herzchen hämmerte wie wild gegen ihren Brustkorb, und Herr Sichtfeld und ich waren richtig ratlos und verzweifelt, das könnt Ihr Euch sicher vorstellen.

Plötzlich fiel mir ein, dass ich in diesem Buch schonmal was von einem Nachtschreck gelesen hatte, in Abgrenzung zu „normalen“ Alpträumen. Und tatsächlich stimmten alle Symptome überein: Sichtfeldchen hatte wirklich einen Nachtschreck. Es war für uns schon beruhigend, ihren Zustand nun einschätzen und benennen zu können, aber trotzdem war die Situation unglaublich belastend für uns. Schließlich haben wir sie in unser Bett gelegt, und dort kam sie nach über zwanzig Minuten endlich zur Ruhe. Nachdem wir sie noch etwas gestreichelt und ihr etwas vorgesummt hatten, haben wir sie schließlich wieder in ihr eigenes Bettchen gebracht, wo sie auch sofort einschlief, als wäre nichts gewesen.

Natürlich haben wir anschließend sofort im Internet Genaueres über diesen Nachtschreck recherchiert. Von Sichtfeldchen haben wir bis zum nächsten Morgen nichts mehr gehört, und da war sie so wie immer: gut drauf und ein echtes kleines Sonnenscheinchen. Aber ich selber war den ganzen Abend über völlig aufgewühlt und hatte so ein merkwürdiges flaues Nachgefühl im Bauch, dass auch jetzt wiederkommt, wenn ich mir diese Situation noch einmal ins Gedächtnis rufe. Ich hoffe und bete, wir das nicht noch einmal erleben müssen!