Das Wunder des Hörens

Sonntag, 31.Oktober 2010

Am vergangenen Montag hat unser Baby Sichtfeld mit sechseinhalb Monaten Paukenröhrchen gelegt bekommen.
Baby Sichtfeld hat eine Gaumenspalte, und bereits mit drei Monaten stellten wir in diesem Zusammenhang fest, dass sie nicht so auf akustische Reize reagiert, wie andere Babys in ihrem Alter. Eine HNO-Untersuchung und ein Hörtest ergaben, dass sie beidseitig Paukenergüsse (also Flüssigkeitsansammlungen hinter dem Trommelfell) hatte und kaum etwas hörte.
Diese Diagnose war für mich persönlich fast schlimmer als die Diagnose mit der Gaumenspalte, denn ich stellte mir immer vor, dass die Kleine, sobald sie z.B. im Stubenwagen lag und wir außer Sichtweite waren, völlig isoliert und einsam war, weil sie uns ja eben auch nicht hören konnte. Nur mühsam gewöhnte ich mich an den Gedanken, dass sie kaum hören konnte, und mein Hoffnungsstrohhalm war immer nur der Gedanke an die OP und dass sie danach dann würde hören können, dass ihre Ohrenprobleme also vermutlich zu beheben wären.

Bei der OP-Vorbesprechung wurde dann noch ein Hörtest gemacht, der sehr schlecht ausfiel, und der HNO machte sich bereits Sorgen, ob noch etwas anderes dahintersteckte als nur die Paukenergüsse. Er veranschlagte für die OP auch gleich noch einen weiteren speziellen Hörtest (BERA) unter Vollnarkose, zur Sicherheit.
Die OP selbst hat Baby Sichtfeld sehr gut überstanden, und auch der BERA-Test fiel zum Glück sehr gut aus.

Was für uns aber das größte Glück ist: Baby Sichtfeld ist seitdem wie ausgewechselt! Ein zufriedenes und ruhiges Baby war sie schon immer, doch hat sie immer so ein bisschen „ihr Ding“ gemacht und sich gar nicht so um uns andere geschert, solange wir nicht direkt vor ihrem Gesichtsfeld waren – klar.
Doch jetzt ist sie auf einmal so aufgeschlossen, neugierig und fröhlich, dass wir nur staunen können. Wir hatten befürchtet, sie könne sensibel oder schreckhaft auf all das Neue, Laute reagieren, aber im Gegenteil! Sie wendet sich nun ganz interessiert auch den kleinsten Geräuschquellen zu und freut sich schon, wenn sie uns nur kommen hört. Sie lacht den ganzen Tag, plaudert viel mehr vor sich hin als früher und hat in unseren Augen einen riesigen Entwicklungsschub gemacht, einzig dadurch, dass sie jetzt hören kann!

Wir sind überglücklich über dieses tolle Ergebnis und unendlich dankbar, dass alles so gut geklappt hat!


Suppentaufe

Montag, 20.September 2010

Habe ich da eigentlich wieder irgendein elementares physikalisches Gesetz verschlafen? Das wäre streng genommen auch wieder kein Wunder, denn dem Physikunterricht in der Schule konnte ich – typisch Mädchen?! – tatsächlich nie viel abgewinnen. Aber das hier… Kann mir das bitte mal jemand erklären?!?

Vorgestern war eh schon so ein missratener Tag (darüber schreibe ich später noch), aber das i-Tüpfelchen kam dann abends, als ich Hunger bekam. Baby Sichtfeld schlummerte bereits selig in ihrem Bettchen, Herr Sichtfeld hatte gerade Sichtfeldchen ins Bett gebracht, und ich hatte gerade mehr als eine Stunde mit meinem üblichen Abendprogramm verbracht: Tisch abdecken, Fläschchen auskochen, Fläschchen und Milchpulver für die Nacht vorbebreiten, Spülmaschine einräumen und anmachen und Küche putzen. Nun war mein Tagwerk vollbracht, und ich freute mich auf mein Abendessen, das im Rahmen meines derzeitigen Anti-Babyspeck-Projekts aus einer Diät-Kartoffelsuppe aus der Tüte bestehen sollte. Njam.

Laut Anleitung sollte man also das Pulver mit dem Schneebesen in heißes Wasser einrühren und etwas quellen lassen. Ich dachte mir, ich mach es jetzt mal besonders clever, und füllte das kochend heiße Wasser und das Pulver in so einen Schüttelbecher mit Deckel – kennt Ihr, oder? Tja, es stellte sich im nächsten Moment heraus, dass diese Idee doch nicht ganz so clever war, als ich nämlich den Deckel zumachte und arglos anfing zu schütteln. Noch in der ersten Aufwärtsbewegung gab es ein seeehr lautes „Plopp“, und die gesamte heiße Pampe flog mir nur so um die Ohren. Ich habe vor Schreck so geschrien, dass Herr Sichtfeld in Sekundenschnelle aus dem Dachgeschoss heruntergaloppiert kam. Der Anblick, der sich ihm bot, muss schon… na, sagen wir mal, unerwartet gewesen sein: Seine fassungslose Frau mit einem halben Schüttelbecher in der Hand und – Suppe. Überall Suppe. Aufgrund dessen, dass diese ja noch nicht mal zum Quellen gekommen war, sah es jedoch eher aus wie Erbrochenes – roch zum Glück aber anders! Und alles war voll, ich selber, meine Klamotten, meine Haare, meine Schuhe, die ganze frischgeputzte Küche, alle Schränke, der Toaster, CD-Player, Fläschchenwärmer, Mikrowelle, unser Familientimer, sämtliche Fotos an den Wänden und die Wände selbst, vom Fußbodem ganz zu schweigen. Es ist eigentlich erstaunlich, dass die Decke nichts abbekommen hat!

Naja, das Ende vom Lied war dann, dass mein wunderbarster aller Ehemänner seine aufgelöst heulende Frau unter die Dusche schickte und die Küche so gut es ging reinigte. Ist er nicht ein Schatz?! Und das Ergebnis der ganzen Geschichte: Zum Glück nur einige kleinere Verbrennungen bei mir, eine spätabendliche Dusche und Waschladung und die folgende Erkenntnis, die ich hier unbedingt mit Euch teilen will, damit Euch nicht eines Tages ähnliches widerfährt:

VERSUCHE NIEMALS, WIRKLICH NIEMALS EINE TÜTENSUPPE IN EINEM SCHÜTTELBECHER ZUZUBEREITEN!!!!


Zitat des Tages

Mittwoch, 15.September 2010

Klar bin ich ein romantischer Mensch – Ich komm bloß so selten dazu…!


Neulich im Werksverkauf

Dienstag, 20.Juli 2010

Er kommt freudestrahlend mit seinem Einkaufswagen angerollt: „Guck mal, Schatz, ich habe für Dich schonmal einen Maometer* eingepackt!“

Sie: „Ich will gar keinen Maometer!“

Er: „Ich aber!“

(* Beim Maometer handelt es sich um eine ratet-mal-wie-lange Stange Maoam, unter anderem erhältlich im Haribo-Werksverkauf. Es hat durchaus Vorteile, im Großraum Bonn zu leben – ist aber auch ganz schön gefährlich!)


Der kleine Unterschied

Dienstag, 4.August 2009

Wenn Sichtfeldchen „einer“ oder „eine“ sagt, dann meint sie damit „ein Anderer“ oder „noch einer“. So sagt sie z.B. im Wald oft „Baum… einer… einer…“ und bringt damit ihre Überwältigung über so viel Grünzeug zum Ausdruck.

Heute beim Zubettbringen präsentierte sie ihrer verblüfften Mama dann eine neue Wortschöpfung – sie hat nun ganz alleine eine Möglichkeit gefunden, ihre Großeltern voneinander zu unterscheiden.

Mama: Wen hast Du lieb?
Sichtfeldchen: Oma!
Mama: Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen: Opa!
Mama: Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen: Dada! (Wie schon oft erwähnt ist das der Hund meines Vaters – daraus schließe ich, dass mit den oben genannten Bezeichnungen meine Eltern gemeint sind.)
Mama: Und wen hast Du noch lieb?
Sichtfeldchen: Oma… Einer! Opa… Einer!


Mir aus der Seele gesungen…

Sonntag, 2.August 2009

Dieses zuckersüße zärtliche und einfach von Herzen wahre Lied habe ich vor einiger Zeit in meinem Lieblingsblog „Wer ist der Chef“ kennen gelernt, und ich möchte es unbedingt an Euch weitergeben. Nehmt Euch einfach mal die paar Minuten Zeit und hört es Euch in Ruhe an…

Was habe ich in all den Jahren ohne Dich eigentlich gemacht,
als Tage noch tagelang waren, wie hab ich sie nur rumgebracht?
Ohne Spielzeug zu reparieren, ohne den Schreck der Nerven zehrt,
ohne mit Dir auf allen Vieren durchs Haus zu traben als dein Pferd?

Keine ruhige Minute ist seitdem mehr für mich drin.
Und das geht so, wie ich vermute, bis ich hundert Jahre bin.

Du machst Dich heut in meinem Leben so breit dass ich vergessen hab,
was hat es eigentlich gegeben, damals als es Dich noch nicht gab ?
Damals glaubt‘ ich alles zu wissen, bis du mir die Gewissheit nahmst,
Nie glaubt‘ ich etwas zu vermissen, bis an den Tag, an dem du kamst.

Das Haus fing doch erst an zu leben seit Dein Krakeelen es durchdringt,
seit Türen knallen und Flure beben und jemand drin Laterne singt.
Früher hab ich alter Banause Möbel verrückt, verstellt, gedreht,
ein Haus wird doch erst ein Zuhause, wenn eine Wiege darin steht!

Tiefen und Höhen hab ich ermessen, Ängste und Glück waren reich beschert,
das war ein leises Vorspiel dessen, was ich mit Dir erleben werd!
Denn Du kommst und gibst allen Dingen eine ganz neue Dimension,
und was uns nun die Jahre bringen mess ich an Dir, kleine Person!


Neue Geschäftsmasche?

Donnerstag, 30.Juli 2009

Gestern abend bin ich vor der allmittwochlichen Chorprobe noch etwas durch die Bonner Innenstadt gebummelt und habe mir als kleinen Abendimbiss so ein Sechstelstück Pizza von dieser leicht überteuerten Pizza-Hütten-Kette genehmigt. Bevor ich jedoch in das nächste Geschäft hineingehen konnte, musste ich ja ersteinmal die Pizza aufgegessen haben. Gesagt, getan. Ich schiebe mir also den letzten, etwas überdimensionierten Bissen in den Mund, werfe Papierserviette und Pappteller in den nächsten Mülleimer und drehe mich Richtung Eingang, mit etwa folgenden Gedanken im Kopf:

„Oh Mann, hoffentlich sieht jetzt keiner zu genau in mein Gesicht, wie ich hier schwer kaue, mit dicken Backen usw. – sieht bestimmt ziemlich bekloppt aus… Aber egal, mich kennt hier ja zum Glück keiner…“

Und was passiert genau in diesem Moment? Da kommt so ein etwas heruntergekommener Jugendlicher und spricht mich in so einem ganz leisen, zaghaften Ton an, den ich noch dazu kaum verstehe. Ich würde kaum mehr als ein „Mmmmpf“ herausbringen, deshalb versuche ich, ihn durch Gesten darauf aufmerksam zu machen, dass ich gerade den Mund voll habe. Das hat er vermutlich noch gar nicht gemerkt! Er murmelt jedenfalls etwas davon, dass er mich nicht belästigen will oder so und tut es aber trotzdem. Mit Mühe und Not bringe ich ein ziemlich undeutliches „IschhabdemMumpvoll“ heraus und will damit an sein Feingefühl appelieren, dass er sich abwendet und uns beiden den Rest dieser Peinlichkeit erspart. Aber er fragt mich stattdessen, ob ich nicht etwas Geld für ihn hätte für etwas zu essen. Na toll! Wie bitte soll ich mich den jetzt fühlen? Ich stehe hier mit bis zum Bersten mit Pizza gefüllten Backentaschen, und er erzählt mir, dass er Hunger hat. Ich resigniere kurzerhand und ziehe mein Portemonnaie heraus – ehrlich gesagt vor allem deshalb, weil ich diese blöde Situation so schnell wie möglich beenden und meinen Rest Pizza in Ruhe und einem Rest Würde herunterwürgen will – und drücke ihm eine Münze in die Hand. Er bedankt sich und verschwindet. Aufatmen kann ich nur durch die Nase, mein Mund ist immer noch zu voll…

Ich gebe zu, bei den üblicherweise in meiner Mundhöhle herrschenden Raumverhältnissen hätte ich mich wortreich und versuchtermaßen höflich aus der Affäre gezogen und ihm nichts gegeben. Ich spende lieber an Straßenmusiker, denen ich eine Weile zuhöre, oder über eine ganz bestimmte Organisation, von der ich weiß, dass das Geld auch wirklich ankommt und sinnvoll genutzt wird.

Anschließend konnte ich mich jedoch eines bestimmten Gedankens nicht erwehren: Ist das eine neue Geschäftsmasche? Legen die es jetzt vielleicht drauf an, Leute auf dem falschen Fuß zu erwischen und die unangenehme Situation für den potentiellen Geldgeber auszunutzen? Ich könnte mir vorstellen, dass man damit gar nicht so schlecht verdient! Vielleicht gibt es ja mehr Leute wie mich, die sich mit vollem Mund nicht mehr in der Lage sehen, die Bitte um Geld höflich und dennoch entschieden von sich zu weisen, und die sich dann lieber von einer Münze trennen, als einfach stumm den Kopf zu schütteln und sich wegzudrehen… Es lebe die Höflichkeit!


Erkenntnis des Tages

Samstag, 25.Juli 2009

Sonnencreme verhält sich zu Sand wie Teer zu Hühnerfedern.


Traurige Nachrichten

Dienstag, 21.Juli 2009

Heute Morgen beim Frühstück fiel mein Blick in der Zeitung auf ein vertrautes Gesicht. Oh, das ist doch Frank McCourt, dachte ich, und wollte mich schon freuen in der Hoffnung, dass er wieder ein neues wundervolles Buch geschrieben hat. Doch leider stand etwas ganz Anderes in dem Artikel.

Frank McCourt ist gestorben.

Und zwar am vergangenen Sonntag im Alter von 78 Jahren in New York in Folge einer Krebserkrankung.

Ich muss sagen, diese Nachricht hat mich schwer getroffen. Man liest ja regelmäßig vom Tod bekannter Persönlichkeiten, aber so intensiv habe ich noch nie auf eine derartige Schlagzeile reagiert. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und mein Hals fühlte sich so zugeschnürt an, dass ich gar nicht sprechen mochte.

Für alle, die es bisher versäumt haben, Frank McCourt kennen zu lernen: Er ist der Autor des Weltbestsellers „Die Asche meiner Mutter(Angela´s Ashes) so wie der ebenso wunderbaren autobiografischen Romane „Ein rundherum tolles Land(´Tis),Tag und Nacht und auch im Sommer(Teacher Man) und des Kinder-Weihnachtsbuches „Wo ist das Christkind geblieben?“ (Angela and the Baby Jesus). Frank McCourt war, nein, er ist einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller, und ich trauere wirklich um ihn.

Beim Lesen seiner Bücher habe ich immer das Gefühl, ihn als Mensch wirklich kennen gelernt zu haben. Er schreibt offen, warmherzig, humorvoll und sehr ehrlich über sein Leben – über seine bitterarme Kindheit in Irland und über das Leben, das er sich als junger Mann in Amerika aufgebaut hat. Oft genug wusste ich beim Lesen nicht, ob ich weinen oder lachen sollte, und immer, immer ist es ihm in seinen Büchern gelungen, sich direkt in mein Herz zu schreiben und mich mitfühlen zu lassen, was er erlebt, erhofft, erduldet und erkämpft hat. Ich bewundere diesen Mann, und ich kann es nicht anders sagen: Dass er gestorben ist, ist ein unglaublicher Verlust.

Lieber Frank, ich danke Dir von Herzen dafür, dass Du mich hast teilhaben lassen an Deinem Leben, Deinen Gedanken und Gefühlen und dass Du mir mit Deinen faszinierenden Büchern immer wieder die schönsten Lesestunden meines Lebens bescherst. Ich wünsche Dir alles Gute. Hab Dank!

In liebevoller Erinnerung an Frank McCourt, 1930-2009.


Erklärung

Dienstag, 23.Juni 2009

Ihr Lieben,

ich weiß, Ihr seid von mir mehr Präsenz gewöhnt. Mindestens jeden zweiten Tag einen neuen Eintrag und regelmäßige Kommentare auf Euren Blogs, außerdem schnelle Antworten auf Eure Komentare bei mir. Im Moment ist es hier ungewohnt ruhig, und ich fürchte, das wird auch noch ein bisschen so bleiben.

Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem für mich das Bloggen eher zur Verpflichtung als zum Ausgleich geworden ist. Ich glaube, die meisten von Euch kennen solche Phasen – und ich gehe felsenfest davon aus, dass es wirklich nur eine Phase ist. Ich habe gerade das Gefühl, mich selber ein bisschen zu verlieren, hinzu kommen ungeklärte gesundheitliche Probleme – kurz: Ich muss irgendwo ein bisschen kürzer treten. Bitte versteht mich also, wenn ich mich in den nächsten Wochen weiterhin selten sehen lasse. Ich verpreche Euch, ich komme wieder. Auf meinen Lieblingsblogs stöbere ich natürlich weiterhin immer mal herum, und in Gedanken bin ich oft bei Euch! Ich vermisse Euch auch sehr, aber es geht zurzeit eben nicht anders. Hoppla – das klingt jetzt schlimmer, als es ist – macht Euch bloß keine Sorgen um mich! 🙂

Liebe Grüße und eine dicke und herzliche Umarmung für Euch alle, meine lieben (Blogger-)Freunde!

Eure Mareike


Was ist das?

Donnerstag, 11.Juni 2009

Bin ja mal gespannt, wer von Euch erkennt, was das hier ist. Ich meine damit, was genau das ist – der Oberbegriff reicht nicht, das wäre dann doch zu einfach! Also:

2009-05 Rätselbild

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Soll ich – oder …?

Freitag, 29.Mai 2009

Ich liebe Musik. Das wissen die meisten meiner aufmerksamen Leser inzwischen. Ich bin mit überwiegend klassischer Musik aufgewachsen und sie war immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Schon als Kleinkind habe ich musikalische Früherziehung gemacht, dann die obligatorische Blockflöte erlernt und schließlich auf eigenen Wunsch Geige gelernt. Lange Jahre habe ich im Orchester mitgespielt und bei wunderbaren Konzerten und Auftritten mitgewirkt. Bei uns zu Hause hat ständig irgendjemand Musik gemacht. Mein Vater spielt Horn und Klavier, mein älterer Bruder Gitarre und Bass und mein jüngerer Bruder Klavier, Saxophon und Querflöte. Und im „Grammophon“-spielen waren und sind wir alle gut! 🙂

Später habe ich dann noch Gesangsunterricht genommen, während des Studiums Querflöte gelernt und in verschiedenen Chören mitgesungen. Auch jetzt singe ich seit über einem Jahr in einem wunderbaren Bonner Chor mit, und der Probenabend ist immer ein großes Highlight meiner Woche. Ich brauche Musik, ich liebe Musik – es gibt für jede Stimmung, für jede Situation die passende, sie kann alles ausdrücken, vielleicht sogar besser, als Worte es vermögen.

Ich halte es für das größte Versäumnis meines Lebens, dass ich nicht als Jugendliche auch noch Klavier gelernt habe. Die Kapazität und auch das Talent hätte ich gehabt, das will ich hier mal so ganz unbescheiden sagen. Aber ich habe noch viele andere Dinge gemacht (Ballett, Voltigieren, Turniertanz…), und so habe ich das Klavier leider verpasst, wie ich rückblickend feststellen muss. Ich kann zwar verschiedene Stücke spielen, die ich mir autodidaktisch am elterlichen Instrument beigebracht habe, aber „so richtig“ spielen kann ich eben nicht. Inzwischen besitze ich sogar ein eigenes Klavier – sehr zu Sichtfeldchens Vergnügen – aber ich (be-)nutze es kaum. Leider! Ich habe es eben nie gelernt. Und dabei liebe ich Klaviermusik und bewundere alle, die mit den Fingern so über die Tasten huschen und tanzen können. Das Klavier hat der Geigen gegenüber den Vorteil, dass es eben auch alleine gut klingt – was bei der Geige wirklich nur mit sehr viel Talent und jahrelanger Übung der Fall ist. Ein Klavier klingt eben „nach etwas“, und es ist so vielseitig – vielsaitig! Ich würde es zu gerne beherrschen – aber wie gesagt…

Doch jetzt – und damit wären wir bei der Überschrift dieses Textes angekommen – hat sich mir die Chance aufgetan, es doch noch zu erlernen. Über den Chor habe ich eine junge und in my humble opinion sehr talentierte Musikerin kennengelernt, die selber auch Klavierstunden gibt. Mit ihr habe ich mich vorgestern über das musikalische Versäumnis meines Lebens unterhalten, und sie sagte etwas wie „Na und? Dann lern es doch jetzt noch!“. Sie sah überhaupt kein Problem darin, dass ich ja nun schon älter (najaaaa – ist doch so! 🙂 ) sei und so, zerstreute alle meine Einwände, die ich halbherzig einbrachte und bot an, mich zu unterrichten.

Tja – und was soll ich sagen? Ich habe Feuer gefangen von dieser Idee. Mir jetzt diesen musikalischen Wunsch doch noch zu erfüllen – das wäre das Größte (sofern es wirklich funktioniert)! Am liebsten würde ich sofort anfangen. Nur leider gibt es ein paar praktische Hindernisse. Was mache ich inzwischen mit Sichtfeldchen? Und wie finanziere ich das Ganze? Und wo soll ich überhaupt die Zeit hernehmen – ich will doch auch unbedingt wieder Geige spielen und bräuchte auch da Auffrischungsunterricht…

Und trotzdem, es lässt mich nicht los. Wenn nicht jetzt, wann dann? Mit 50 kann ich das doch nicht mehr machen! Und irgendwie – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – ich hab ihn nur noch nicht so recht gefunden…


Geschichts-um-schreibung

Montag, 11.Mai 2009

Was mache ich, wenn mir das Wort „Floh“ noch zu schwer auszusprechen ist, ich aber unbedingt mit meiner Babysitterin das tolle neue Lied singen will? Na klar, ich setze einfach ein Alternativwort ein!

Babysitterin singt: „Der Cowboy Jim aus Texas, der stets auf seinem Pferd saß, hat einen Hut aus Stroh und darauf saß ein…“

Sichtfeldchen: „Ei!“


Nachwirkungen

Donnerstag, 30.April 2009

Nun ist der Umzug also vorbei, und gestern sind die letzten angereisten Helfer wieder abgereist. Seit gestern sind wir also als Familie allein in unserem neuen Haus, und was soll ich sagen? Wir fühlen uns SAUWOHL! Der Umzug ist super über die Bühne gegangen, dank vieler hilfsbereiter Freunde und Familienmitglieder, die meisten Kartons sind ausgepackt (der Rest ist im Keller außer Sicht 😉 ) und die neue Sofagarnitur ist bereits geliefert. Also steht dem Wohlfühlen nichts mehr im Weg.

Leider hat es Sichtfeldchen nun erwischt, sie hat seit vorgestern ziemlich hohes Fieber (um die 39,5°C). Wir führen das auf all die Unruhe und Umgewöhnung der letzten Wochen zurück, und haben das Gefühl, dass sie nun einfach mal wieder Ruhe, einen geordneten Alltag und gaaanz viel Mama und Papa braucht. Das tut uns allen Dreien gut, denn in der heißen Phase des Umzugs haben wir uns fast gar nicht zu Gesicht bekommen, da Sichtfeldchen fast immer mit den verschiedenen Großeltern unterwegs war. Nun kehrt wieder Ruhe und Gelassenheit ein, und wir genießen die letzten freien Tage von Herrn Sichtfeld, bevor er am Montag wieder zur Arbeit muss.

To-Do´s fürs Wochenende sind übrigens das Aufbauen der von Opa Sichtfeld gestifteten Sandkiste und natürlich das Angrillen im neuen Garten! 🙂


Die Luft angehalten…!

Montag, 13.April 2009

Heute ist etwas passiert… oder nein, ich muss anders anfangen. Kennt Ihr das, wenn man… naja, ich sage mal, ein Risiko bewusst eingeht? Wenn man genau weiß, etwas könnte schief gehen, und irgendwie macht man es trotzdem? Hm, ich merke schon, ich muss das präzisieren. Jedenfalls haben wir heute wieder etwas dazugelernt, Herr Sichtfeld und ich.

Wir waren gerade im Aufbruch um wieder eine Ladung Kisten zu unserem Haus rüberzufahren. Das Auto war voll, und Herr Sichtfeld verstaute gerade Sichtfeldchen im Kindersitz. Ich stand irgendwie daneben, ohne etwas bestimmtes zu tun. Dann machte Herr Sichtfeld die Autotür zu, und genau in dem Moment entfuhr ihm ein herzhaftes „Sch…!“. Es klang jedoch nicht wütend oder so, sondern so, als wäre ihm genau jetzt das Herz in die Socken gerutscht. Das war es auch, und ich begriff auch genau in dem Moment, was ihn so erschüttert hat. Die Autotüren waren alle zu. Sichtfeldchen saß im Auto. Die Zentralverriegelung war aktiviert, sprich, man konnte die Türen nicht von außen öffnen. Und wo war der Schlüssel? In Sichtfeldchens Hand. Sie liebt es so, mit dem kleinen Knopf zu spielen, der den Schlüsselbart aus dem Gehäuse schnappen lässt… Das meinte ich mit „ein Risiko bewusst eingehen“.

Dazu muss ich erklären, dass wir seit gestern die Autos mit den Großeltern Sichtfeld getauscht haben, weil wir nur einen Mittelklassewagen fahren und sie einen Van, in den im Rahmen des Umzugs natürlich viel mehr reinpasst. Und wie es das Schicksal so will: Sie hatten uns nur diesen einen Schlüssel dagelassen – der Zweitschlüssel liegt etwa 600km weiter nördlich.

Man stelle sich also folgende Situation etwa filmreif vor: Im Auto in ihrem Kindersitz sitzt ganz friedlich das 1 1/2jährige Sichtfeldchen mit dem Autoschlüssel in der Hand. Draußen vor dem Fenster stehen zwei ihre aufkochende Nervosität unterdrückende Eltern und reden auf Sichtfeldchen ein, einen bestimmten Knopf auf dem Schlüssel zu drücken und somit die Autotüren zu öffnen. Und man stelle sich vor allem Sichtfeldchens erstaunten und leicht fragenden Gesichtsausdruck angesichts des Schauspiels vor ihrer Fensterscheibe vor.

Mama: Schatz, drück mal ganz fest auf den Knopf! Nein, nicht auf den Knopf, auf den anderen!
Papa: Oh Gott, das schafft sie doch nie!
Mama: Ganz ruhig, Moment. Schatz drück mal auf den Knopf. Wo ist der Knopf?
Papa flucht leise vor sich hin.
Mama: Du machst das super, mein Schatz, drück nochmal drauf!
Papa versucht Sichtfeldchen anhand eines anderen Schlüssls zu zeigen, das sie am anderen Ende auf den Schlüssel drücken soll. Noch mehr fragende Blicke aus dem Wageninneren.
Papa: Guck mal, Süße, hier musst du drücken, nicht da!
Mama: Feste, gaaanz feste!
Papa guckt sich vorsichtshalber schonmal nach einem geeigneten Stein zum Scheibeinschlagen um.
Mama: Sie schafft das! Solange sie nur den Schlüssel nicht fallen lässt!
Papa: Gut festhalten, Süße!
Mama: Mit beiden Händen, Schatz! Ja, so ist es gut, und jetzt ganz feste drücken!
Sichtfeldchen drückt. Der Schlüssel verrutscht in ihrer Hand. Mama und Papa wagen kaum zu atmen.
Mama: Sie hat es gleich. Los, Schatz, nochmal mit dem anderen Daumen! Ganz feste!
Papa macht sich startklar mit der Hand an der Beifahrertür. Sichtfeldchen verriegelt zum wiederholten mal das Auto.
Mama: Du machst das ganz super, mein Schatz! Los, nochmal ganz feste drücken!
Auto: KLICK.
Papa reißt die Autotür auf, und Mama und Papa liegen sich jubelnd und aufatmend in den Armen.

Wir haben ja so ein intelligentes Kind! Und wir sind ja manchmal so dumme Eltern! Es war echt nur eine Frage der Zeit, bis das mal passiert! Aber man ist ja lernfähig: Den nächsten Autoschlüssel bekommt Sichtfeldchen erst so in 16 Jahren in die Hände! 😉

Nee, im Ernst – irgendwie habe ich die ganze Zeit daran geglaubt, dass Sichtfelchen das schafft, und konnte deshalb sogar in dem Moment die Szene mit humor nehmen, auch wenn es tatsächlich ganz anders hätte ausgehen können. So sind wir nun alle wieder um eine Erfahrung und ein paar Einsichten reicher geworden! Was will man mehr?