Tapferes Sichtfeldchen

Dienstag, 4.August 2009

Sichtfeldchen ist zurzeit etwas lädiert, sie ist gestern auf einem Kindergeburtstag unglücklich gestürzt und mit dem Kopf auf einen großen Stein aufgeschlagen. Zum Glück gab es „nur“ eine böse Beule und eine ganz leichte Schürfung und keine bluttriefende Platzwunde. Man konnte aber sofort an ihrem Schreien hören, dass es wirklich ordentlich weh getan haben muss, und wir sind natürlich gleich ins Haus galoppiert, um das Ganze zu kühlen.

Da saß dann mein kleines schluchzendes Häuflein Elend auf meinem Schoß, mit einem Kühlpackage am Kopf und einer Mini-Eiswaffel in der Hand. Aber so ein Eis wirkt doch Wunder: Nachdem sie davon drei (!) Stück verputzt hatte, war das Aua vergessen und sie lief fröhlich weiter rutschen und toben. Das Aua im Bauch blieb trotz der vielen Eis zzgl. der Schokobonbons, des Geburtstagskuchens und der Sma*ties zum Glück auch aus, und heute hat sie das Ganze zum Glück schon vergessen. Mein tapferes kleines Indianermädchen!


Traurige Nachrichten

Dienstag, 21.Juli 2009

Heute Morgen beim Frühstück fiel mein Blick in der Zeitung auf ein vertrautes Gesicht. Oh, das ist doch Frank McCourt, dachte ich, und wollte mich schon freuen in der Hoffnung, dass er wieder ein neues wundervolles Buch geschrieben hat. Doch leider stand etwas ganz Anderes in dem Artikel.

Frank McCourt ist gestorben.

Und zwar am vergangenen Sonntag im Alter von 78 Jahren in New York in Folge einer Krebserkrankung.

Ich muss sagen, diese Nachricht hat mich schwer getroffen. Man liest ja regelmäßig vom Tod bekannter Persönlichkeiten, aber so intensiv habe ich noch nie auf eine derartige Schlagzeile reagiert. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und mein Hals fühlte sich so zugeschnürt an, dass ich gar nicht sprechen mochte.

Für alle, die es bisher versäumt haben, Frank McCourt kennen zu lernen: Er ist der Autor des Weltbestsellers „Die Asche meiner Mutter(Angela´s Ashes) so wie der ebenso wunderbaren autobiografischen Romane „Ein rundherum tolles Land(´Tis),Tag und Nacht und auch im Sommer(Teacher Man) und des Kinder-Weihnachtsbuches „Wo ist das Christkind geblieben?“ (Angela and the Baby Jesus). Frank McCourt war, nein, er ist einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller, und ich trauere wirklich um ihn.

Beim Lesen seiner Bücher habe ich immer das Gefühl, ihn als Mensch wirklich kennen gelernt zu haben. Er schreibt offen, warmherzig, humorvoll und sehr ehrlich über sein Leben – über seine bitterarme Kindheit in Irland und über das Leben, das er sich als junger Mann in Amerika aufgebaut hat. Oft genug wusste ich beim Lesen nicht, ob ich weinen oder lachen sollte, und immer, immer ist es ihm in seinen Büchern gelungen, sich direkt in mein Herz zu schreiben und mich mitfühlen zu lassen, was er erlebt, erhofft, erduldet und erkämpft hat. Ich bewundere diesen Mann, und ich kann es nicht anders sagen: Dass er gestorben ist, ist ein unglaublicher Verlust.

Lieber Frank, ich danke Dir von Herzen dafür, dass Du mich hast teilhaben lassen an Deinem Leben, Deinen Gedanken und Gefühlen und dass Du mir mit Deinen faszinierenden Büchern immer wieder die schönsten Lesestunden meines Lebens bescherst. Ich wünsche Dir alles Gute. Hab Dank!

In liebevoller Erinnerung an Frank McCourt, 1930-2009.


Erklärung

Dienstag, 23.Juni 2009

Ihr Lieben,

ich weiß, Ihr seid von mir mehr Präsenz gewöhnt. Mindestens jeden zweiten Tag einen neuen Eintrag und regelmäßige Kommentare auf Euren Blogs, außerdem schnelle Antworten auf Eure Komentare bei mir. Im Moment ist es hier ungewohnt ruhig, und ich fürchte, das wird auch noch ein bisschen so bleiben.

Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem für mich das Bloggen eher zur Verpflichtung als zum Ausgleich geworden ist. Ich glaube, die meisten von Euch kennen solche Phasen – und ich gehe felsenfest davon aus, dass es wirklich nur eine Phase ist. Ich habe gerade das Gefühl, mich selber ein bisschen zu verlieren, hinzu kommen ungeklärte gesundheitliche Probleme – kurz: Ich muss irgendwo ein bisschen kürzer treten. Bitte versteht mich also, wenn ich mich in den nächsten Wochen weiterhin selten sehen lasse. Ich verpreche Euch, ich komme wieder. Auf meinen Lieblingsblogs stöbere ich natürlich weiterhin immer mal herum, und in Gedanken bin ich oft bei Euch! Ich vermisse Euch auch sehr, aber es geht zurzeit eben nicht anders. Hoppla – das klingt jetzt schlimmer, als es ist – macht Euch bloß keine Sorgen um mich! 🙂

Liebe Grüße und eine dicke und herzliche Umarmung für Euch alle, meine lieben (Blogger-)Freunde!

Eure Mareike


Zaaaaahnschmerzen…

Dienstag, 9.Juni 2009

… halten mich seit etwa zwei Wochen immer wieder von den Dingen ab, auf die ich Lust habe, so z.B. auch vom Bloggen. Ich muss zurzeit eine eklige Parodontose-Behandlung über mich ergehen lassen, und irgendwie verheilt es nicht ganz wie geplant. Seit gestern nun bin ich komplett mit Schmerzmitteln zugedröhnt, anders geht es nicht mehr. *heul*

Naja, auch das wird vorübergehen… Ich habe nur ein schlechtes Gewissen, dass auch Sichtfeldchen und nicht zuletzt Herr Sichtfeld unweigerlich darunter zu leiden haben, wie es mir gerade geht…


Soll ich – oder …?

Freitag, 29.Mai 2009

Ich liebe Musik. Das wissen die meisten meiner aufmerksamen Leser inzwischen. Ich bin mit überwiegend klassischer Musik aufgewachsen und sie war immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Schon als Kleinkind habe ich musikalische Früherziehung gemacht, dann die obligatorische Blockflöte erlernt und schließlich auf eigenen Wunsch Geige gelernt. Lange Jahre habe ich im Orchester mitgespielt und bei wunderbaren Konzerten und Auftritten mitgewirkt. Bei uns zu Hause hat ständig irgendjemand Musik gemacht. Mein Vater spielt Horn und Klavier, mein älterer Bruder Gitarre und Bass und mein jüngerer Bruder Klavier, Saxophon und Querflöte. Und im „Grammophon“-spielen waren und sind wir alle gut! 🙂

Später habe ich dann noch Gesangsunterricht genommen, während des Studiums Querflöte gelernt und in verschiedenen Chören mitgesungen. Auch jetzt singe ich seit über einem Jahr in einem wunderbaren Bonner Chor mit, und der Probenabend ist immer ein großes Highlight meiner Woche. Ich brauche Musik, ich liebe Musik – es gibt für jede Stimmung, für jede Situation die passende, sie kann alles ausdrücken, vielleicht sogar besser, als Worte es vermögen.

Ich halte es für das größte Versäumnis meines Lebens, dass ich nicht als Jugendliche auch noch Klavier gelernt habe. Die Kapazität und auch das Talent hätte ich gehabt, das will ich hier mal so ganz unbescheiden sagen. Aber ich habe noch viele andere Dinge gemacht (Ballett, Voltigieren, Turniertanz…), und so habe ich das Klavier leider verpasst, wie ich rückblickend feststellen muss. Ich kann zwar verschiedene Stücke spielen, die ich mir autodidaktisch am elterlichen Instrument beigebracht habe, aber „so richtig“ spielen kann ich eben nicht. Inzwischen besitze ich sogar ein eigenes Klavier – sehr zu Sichtfeldchens Vergnügen – aber ich (be-)nutze es kaum. Leider! Ich habe es eben nie gelernt. Und dabei liebe ich Klaviermusik und bewundere alle, die mit den Fingern so über die Tasten huschen und tanzen können. Das Klavier hat der Geigen gegenüber den Vorteil, dass es eben auch alleine gut klingt – was bei der Geige wirklich nur mit sehr viel Talent und jahrelanger Übung der Fall ist. Ein Klavier klingt eben „nach etwas“, und es ist so vielseitig – vielsaitig! Ich würde es zu gerne beherrschen – aber wie gesagt…

Doch jetzt – und damit wären wir bei der Überschrift dieses Textes angekommen – hat sich mir die Chance aufgetan, es doch noch zu erlernen. Über den Chor habe ich eine junge und in my humble opinion sehr talentierte Musikerin kennengelernt, die selber auch Klavierstunden gibt. Mit ihr habe ich mich vorgestern über das musikalische Versäumnis meines Lebens unterhalten, und sie sagte etwas wie „Na und? Dann lern es doch jetzt noch!“. Sie sah überhaupt kein Problem darin, dass ich ja nun schon älter (najaaaa – ist doch so! 🙂 ) sei und so, zerstreute alle meine Einwände, die ich halbherzig einbrachte und bot an, mich zu unterrichten.

Tja – und was soll ich sagen? Ich habe Feuer gefangen von dieser Idee. Mir jetzt diesen musikalischen Wunsch doch noch zu erfüllen – das wäre das Größte (sofern es wirklich funktioniert)! Am liebsten würde ich sofort anfangen. Nur leider gibt es ein paar praktische Hindernisse. Was mache ich inzwischen mit Sichtfeldchen? Und wie finanziere ich das Ganze? Und wo soll ich überhaupt die Zeit hernehmen – ich will doch auch unbedingt wieder Geige spielen und bräuchte auch da Auffrischungsunterricht…

Und trotzdem, es lässt mich nicht los. Wenn nicht jetzt, wann dann? Mit 50 kann ich das doch nicht mehr machen! Und irgendwie – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – ich hab ihn nur noch nicht so recht gefunden…


Fiiiiigaro… :-(

Dienstag, 19.Mai 2009

Über Himmelfahrt ist wieder einmal ein großes Familientreffen angesagt, auf das ich mich schon seit dem letzten Mal vor zwei Jahren freue. Damals war ich mit Sichtfeldchen schwanger, und nun kann ich sie endlich präsentieren mit der Großfamilie (ca. 80 Personen) bekannt machen. Aus diesem Anlass war ich heute extra schnell noch mit ihr beim Friseur (und zwar bei dem, zu dem Herr Sichtfeld auch geht), denn der hat ihre Haare beim letzten Mal richtig toll geschnitten. Tja – und heute hatte er irgendwie keinen guten Tag: Sichtfeldchens Haare sind total verschnitten! Am schlimmsten ist der Pony, der ist viel zu kurz geworden und bildet so eine gerade Linie, die zu allem Überfluss auch noch ein wenig diagonal über die Stirn verläuft…! Da hat auch das Nacharbeiten mit der Ausdünnungsschere nichts mehr geholfen. Wie viel ich dafür gezahlt habe, daran will ich gar nicht mehr denken. Ich weiß nicht, ob ich da noch etwas retten kann, oder ob ich es nur noch schlimmer mache – auf jeden Fall bereue ich diesen Friesurbesuch zutiefst! Beim nächsten Mal nehme ich sie mit zu meinem Friseur nach Bonn – dem vertraue ich blind! 😦


Der Traum vom Haus VIII

Dienstag, 31.März 2009

Gestern ist uns klar geworden, wo bei unserem neuen Haus der Haken ist, nach dem wir schon so lange gesucht haben: Es ist kein DSL verfügbar! Ist das zu fassen??? Uns fehlen vor Entsetzen die Worte…


Der Frust einer Frau

Samstag, 28.März 2009

Da freut man sich tagelang auf ein Paket…

Im Juni sind Herr Sichtfeld und ich auf eine Hochzeit eingeladen, und Sichtfeldchen kommt natürlich auch mit und darf sich am Blumenstreuen versuchen. Nun dachte ich mir, das wäre doch ein prima Anlass, sich mal wieder so richtig aufzubrezeln, und habe den Online-Shop meines Lieblingsladens nach schicken Kleidern durchsucht. Ich bin auch prompt fündig geworden und habe mir drei davon zur Anprobe herbestellt. Das geht bei Espr*t nämlich gratis, inklusive Retoure. Das nenne ich echt mal Kundenservice – vor allem für Mütter sehr zu empfehlen! Nun habe ich also tagelang gewartet und war schon ganz hibbelig wegen der Kleider, und heute kamen sie dann! Also ganz fix Sichtfeldchen ihrem Papa aufs Auge auf den Arm gedrückt und nix wie los vor den Spiegel und anprobieren. Meine gute Laune stieg immer weiter an, während ich das Paket öffnete, die sorgsam verhüllten Kleider herausnahm, sie an den Schrank hängte und die Verpackung vom ersten Kleid löste. Kurz darauf fand meine Stimmung dann ihren Höhepunkt, nämlich ungefähr eine halbe Sekunde bevor ich einen Blick in den Spiegel warf. Das Kleid saß nämlich einfach nicht, es war irgendwie merkwürdig geschnitten. Naja, zwei Versuche hatte ich ja noch. Kleid Nr. 2 war dann aus einem Stoff, der mich dezent an einen Regenschirm erinnerte und fiel dadurch, dass er so steif war, so unvorteilhaft über meinen Ex-Babybauch, dass es zum Heulen aussah. Ich will ja auf der Hochzeit nicht ständig dazu beglückwünscht werden, dass da Sichtfeld Nr.4 unterwegs ist, wenn das noch gar nicht der Fall ist?! Tja, und Kleid Nr. 3 war zwar aus einem zauberhaften Stoff, fiel jedoch auf Brusthöhe so merkwürdig, dass es ungelogen so aussah, als hätte man seitlich mehr Oberweite als vorne! Ja echt, ich kann mir das auch nicht erklären!

Naja, wie dem auch sei – ich habe laut herummaulend alles wieder zurückgeschickt, einschließlich des ebenfalls nicht passenden T-Shirts für alle Fälle, das ich auf jeden Fall behalten wollte um meinen 10-Euro-Gutschein einzulösen, der jetzt fröhlich verfällt… Das ist mir bei diesem Laden noch nie passiert – sonst könnte ich da immer das ganze Sortiment zusammenkaufen! Ich bin richtig, richtig doll frustriert!

Jetzt muss ich echt dringend mal in die Bonner Innenstadt und dort ausgiebig suchen gehen – es kann doch wohl nicht angehen, dass meine liebe Schwiegermama (!) es schon wieder schafft, auf so einer Feier sexyer auszusehen als ich…!


Liebeserklärung

Donnerstag, 26.Februar 2009

Ich vermisse Dich. Und ich freue mich wie verrückt auf Dich. Viel zu lange schon habe ich Dich einfach liegen gelassen, gebettet auf dem dunkelblauen Samt, mit dem Dein Kasten ausgekleidet ist und der so wunderbar zu Deinem rotbraunen Holz passt. Sehnsuchtsvoll öffne ich den Koffer, hebe das Tuch an, und da liegst Du vor mir, in all Deiner Schönheit und nach den Jahren der Abstinenz noch immer fast perfekt gestimmt. Meine Finger streichen über Deinen kühlen, glatten Körper, berühren andächtig Deine Saiten. Ich nehme Dich heraus und atme Deinen Duft ein. Das Gefühl, Dich in der Hand zu halten und an die Schulterbeuge zu legen, Dein Gewicht, die leisen Geräusche, die Du bei jeder Berührung von Dir gibst – all das löst so viele wunderschöne Erinnerungen in mir aus. Was haben wir alles miteinander erlebt. Du hast mich wachsen sehen, immer besser haben wir gemeinsam gespielt. Die unvergesslichen Unterrichtsstunden bei Frau T., immerhin elf Jahre lang – Bach, Haydn, Paganini, Rubinstein, Bartok… Und die wundervolle Zeit im Orchester – Grieg, Mussorgsky, Elgar, Beethoven, Gluck, und wiederum Bach… Und wo haben wir schon überall gemeinsam geklungen, sogar ganz bis nach Italien! Deine, unsere Musik war das Erste, das mein Mann von mir kennen lernte, damals auf der Hochzeit, weißt Du noch? Damals, als wir uns noch so gut kannten, als wir uns täglich, oft stundenlang sahen…

Wie konnte es nur so weit kommen? Wie konnte ich Dich nur so lange ruhen lassen? Immer wieder wurde ich von Sehnsucht gepackt, Dich wieder zur Hand zu nehmen, besonders nach dem Besuch eines Konzerts – und immer wieder habe ich mich nicht getraut, Dich erklingen zu lassen, aus Angst vor den Nachbarn – wie konnte ich nur? Ich vermisse Dich so sehr, und ich sehne mich danach, eines Tages wieder mit Dir gemeinsam so zu erklingen, wie wir es vor Jahren einmal vermochten…

Es wird alles gut. Wir werden bald in einem Haus leben, in dem ich Dich wieder spielen kann, und wir werden gemeinsam wieder Unterricht nehmen und mit dieser Hilfe wieder zueinander finden. Und wer weiß? Vielleicht wird mein Traum ja doch eines Tages wahr – gemeinsam mit Dir…?

Für Dich, meine geliebte Violine, ist dieses Stück, das Cantabile von Paganini – eines der letzten Stücke, die wir im Unterricht zusammen gespielt haben…

… und hier ist mein Traum: Ich möchte einmal in meinem Leben mit Dir zusammen das Brandenburgische Konzert Nr.3 von Bach spielen, aus dem hier der dritte Satz erklingt:

Trotz allem immer

Deine Mareike


Entspannter Reisen mit Sicht-Feld

Dienstag, 3.Februar 2009

Da stand doch neulich am Flughafen Köln-Bonn eine echte Rabenmutter auf dem Rollfeld! Ist sowas zu fassen? Es wehte ein eisiger Wind, und diese Frau hatte ein kleines Mädchen auf dem Arm, das keine Mütze auf und nicht einmal Schuhe anhatte!!! Ich könnte mich ja ohne Ende aufregen – aber diese Rabenmutter war ich selber… allerdings mit berechtigter Unruhe und Reue im Herzen!

Alles fing so toll an. Herr Sichtfeld hatte uns zum Flughafen gebracht, und nach dem Check-In hatten wir sogar noch genügend Zeit für ein gemeinsames Mittagessen. Kaum hatten wir uns jedoch bei den Sicherheitskontrollen verabschiedet, nahm das Unheil seinen Lauf. Ich musste Sichtfeldchen ja aus dem Buggy nehmen, und während ich selber durchleuchtet wurde, büchste sie auf ihren flinken kurzen Beinchen immer wieder aus, sodass die arme Flughafenmitarbeiterin dreimal von Vorne anfangen musste. Als ich das zappelnde und protestierende Sichtfeldchen anschließend wieder in den Buggy setzen wollte, habe ich mich prompt verhoben und mir Rückenschmerzen und Unbeweglichkeit für den Rest des Tages eingehandelt.

Am Gate angekommen sah ich, dass alle Passagiere noch saßen und dachte mir, dass die Zeit noch reichte, um meine Tochter im Wickelraum um die Ecke noch mal trocken zu legen. Gesagt, getan, doch kaum war die Windel ab, kam eine Durchsage: „Letzter Aufruf für den Flug XY nach Hamburg“ – uuups, das war unserer! Ich habe also Sichtfeldchen  im Turboverfahren angezogen, in der Eile die Stiefelchen in die Tasche gestopft und sie in den Buggy verfrachtet, um dann im Schweinsgalopp zum Gate zu sausen. Die Dame dort lächelte höflich und fragte mich, was ich denn mit dem Buggy nun anfallen wolle. Naja, der würde mir doch an der Flugzeugtür abgenommen, wie immer, oder? Das schon, aber was wollte ich auf der Treppe machen? TREPPE??? Bisher ging es immer durch diesen langen Schlauch direkt vom Ausgang rein ins Flugzeug – heute nicht? Nein, heute nicht. Heute stand unten ein Bus bereit. Na toll! Und mein armes Kind hatte keine Schuhe an!

Mit dem Buggy half mir ein glücklicherweise ebenfalls verspäteter hilfsbereiter Passagier, und wir quetschten uns gerade noch mit rein in den Bus voller ungeduldiger Mitreisender, die mich teilweise ziemlich schräg ansahen – oder habe ich mir das nur eingebildet? Vor dem Flugzeug ging es dann hinaus auf das eiskalte und sehr windige Rollfeld, und ich stand da also mit dem bibbernden Sichtfeldchen auf dem Arm (ich hatte sie mit unter meine Jacke genommen, und immerhin hatte sie die Kapuze von ihrem Wolljäckchen auf) – natürlich ganz hinten in der Reihe. Auch klar! Alle zeigen innerlich mit dem Finger auf diese Rabenmutter da, aber keiner von den Damen und Herren in den dicken Wintermänteln erbarmt sich und lässt uns vor!

Ihr könnt Euch vorstellen, wie erleichtert ich war, als wir endlich im warmen Flugzeug waren, und wir erleichtert ich bin, dass mein innig geliebtes Töchterlein keinen nennenswerten Schaden von dieser blöden Aktion davongetragen hat! Der Flug selber und die Ankunft verliefen dann auch sehr entspannt und schön – und trotzdem hatte ich das Gefühl, seit dem Abschied von Herrn Sichtfeld um Jahre gealtert zu sein…

Nachtrag: Die Rückenschmerzen sind dank einer tollen Massage, einiger Gymnastikübungen, viel Wärme und einer liebevollen (groß-)mütterlichen Behandlung inzwischen wieder fast weg.


Liebesbeweis

Mittwoch, 28.Januar 2009

Normalerweise ist Sichtfeldchen eher – na, sagen wir mal… abgebrüht. Außer ihrer Mama und ihrem Papa weint sie eigentlich niemandem hinterher, und auch Liebesbekundungen von außerhalb lässt sie sozusagen über sich ergehen, ohne groß zu reagieren. Gestern nachmittag kamen jedoch die Sichtfeld’schen Schwiegereltern auf der Durchreise zu Besuch, und es wurde gespielt, gelacht, getobt und ichweißnichtwasalles, und auch heute morgen gab es trotz der frühen Stunde noch eine Menge Spaß. Dann haben wir uns alle ins Auto gequetscht gesetzt, um die Großeltern zum Bahnhof zu bringen, und siehe da: Als Oma sich verabschiedete, bekam sie doch tatsächlich ein Küsschen! (Normalerweise wird man von Sichtfeldchen eher mit einem auffordernden Winken hinauskomplimentiert.) Und als ich dann alleine zurück zu ihr ins Auto stieg und Oma und Opa draußen blieben, fing sie plötzlich lauthals an zu weinen und mochte gar nicht wieder aufhören – trotz Mitleides sehr zur Freude ihrer Großeltern: Einen dickeren Liebesbeweis kann Sichtfeldchen wirklich nicht erbringen!


Von guten Mächten…

Mittwoch, 28.Januar 2009

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr;

noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das Du uns geschaffen hast.

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll’n wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Laß warm und hell die Kerzen heute flammen
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Gerade habe ich bei Theomix einen Artikel anlässlich des „Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ gelesen und musste spontan an dieses wunderschöne, traurige und zugleich tröstende Gedicht-Gebet von dem Theologen Dietrich Bonhoeffer denken, der 1945 im KZ Flossenbürg starb. Aus Neugier landete ich auf dieser sehr spannenden und Informativen Seite von Wikipedia, die ich Euch hiermit ans Herz legen möchte.

Vor einigen Wochen waren Herr Sichtfeld und ich auf der Beerdigung eines Nachbarn, auf der dieses Lied gesungen wurde. Ich kannte es bis dahin noch nicht als Lied, aber es hat mir so gut gefallen und mich so berührt, dass ich es Euch hier zeigen möchte.


Friends will be friends…

Dienstag, 20.Januar 2009

Herr Sichtfeld und ich haben eine absolute Schwäche für die unübertroffene US-Sitcom Friends, die ja leider nach der zehnten Staffel endete. Selbstverständlich haben wir sämtliche Staffeln auf DVD, und gerade haben wir alle 236 Episoden zum fünften Mal durch. Wir lieben diese Serie einfach über alles, und nach einem harten Arbeitstag für Herrn Sichtfeld und einem turbolenten Tag mit Sichtfeldchen für mich gibt es nach Feierabend nichts Entspannenderes. Natürlich sehen wir die Serie im Originalton, denn unser Friends-Tick begann während unserer Zeit in den USA. Die deutschen Synchronstimmen verfälschen meiner Meinung nach viel zu sehr die Charaktere, und viele Witze lassen sich einfach nicht übersetzen. Außerdem tun wir so ganz nebenbei noch was für unser Englisch, das ja nicht einrosten soll.

Gerade habe ich geraume Zeit bei Jutjup verbracht und mir Zusammenschnitte der besten Friends-Szenen angesehen, in Erinnerungen geschwelgt und mich kaputtgelacht. Ich liebe einfach diesen Humor, und ich liebe die Charaktere. Einen dieser Zusammenschnitte habe ich hier für Euch herausgefischt. Viel Spaß! (Danach bitte weiterlesen! – Und lasst Euch von dem „Check my Channel“-Button nicht irritieren, einfach ignorieren!)

Tja, nun sind wir also wieder einmal am Ende der Serie angekommen – was habe ich geheult! – und jetzt stehen wir wieder einmal ohne rechten Ersatz da. Wir haben zwar auch sechs Staffeln von „Hör mal wer da hämmert“, aber so direkt nach Friends ist diese ansonsten eigentlich sehr witzige Serie einfach richtig farblos… Deshalb brauche ich Eure Hilfe: Könnt Ihr uns eine Serie empfehlen, die Friends das Wasser reichen kann? Und die für Männlein und Weiblein gleichermaßen geeignet ist? (Also nicht unbedingt „Eine schrecklich nette Familie“ oder „Sex and the City“… Das eine mag ich nicht, das andere mag Herr Sichtfeld nicht.)

Bittebitte helft uns! Wir müssen die Zeit, bis wir wieder mit Friends von vorne anfangen, irgendwie überbrücken! Und da es ja schon mit dem Friends-Kinofilm nicht geklappt hat… Na, wir sind jedenfalls für jeden Tipp dankbar!


Nun also doch noch…

Freitag, 2.Januar 2009

Herr Sichtfeld und Sichtfeldchen sind wieder fit. Juhuu, endlich, es hat ja lang genug gedauert! Soweit die guten Neuigkeiten. Nun zu den schlechten: jetzt bin ich an der Reihe. Seit gestern abend habe ich einen fiesen Husten und fühle mich hundeelend. Und das pünktlich dann, wenn Herr Sichtfeld wieder arbeiten gehen muss… Naja, ich hatte ja schon fast damit gerechnet. Und deshalb haue ich mich jetzt, da Sichtfeldchen friedlich durchs Babyfon schnarcht, mit einer Tasse Kanne Spitzwegerichtee (Danke, Frau Zimtapfel!) aufs Sofa und hoffe einfach mal, dass es nicht schlimmer wird. Positiv denken, Mareike…! Und sobald ich mich danach fühle, nähe ich dann an meinem neuen Outfit weiter, ich hab da schon ein paar Ideen…


Florence „Sicht-Feld“ Nightingale

Montag, 29.Dezember 2008

Es ist doch echt wie verhext! Vor etwa vier Wochen wurde Sichtfeldchen krank und blieb es ungefähr zwölf Tage lang. In der Zeit steckte sie ihren Papa an, und der schleppt seinen grippalen Infekt nun in der dritten Woche mit sich herum. Heiligabend mussten wir wegen des besagten Sturzes in die Notaufnahme, was für uns ein Anlass war, die geplante Kurzreise zu meinen Schwiegereltern in Frage zu stellen. Da es Sichtfeldchen aber gut ging, sind wir doch gefahren, und was passiert? Sie wird rückfällig und bekommt Fieber, genau wie ihr Papa. So ist der Sichtfeld´sche Krankentransport also fürher als geplant wieder nach Hause gefahren, und heute ist der Tag der Arztbesuche. Herr Sichtfeld ist schon wieder da, zum Glück mit einer Krankschreibung in der Tasche, und ich fahre heute nachmittag mit Sichtfeldchen zur Kinderarztvertretung. Na, mal sehen. Und während wir noch überlegten, den ab morgen geplanten Silvesterbesuch meiner Eltern abzusagen, haben diese ihrerseits abgesagt, weil sie inklusive meiner Brüder und Familien nun mit Magen-Darm flachliegen (wie übrigens letztes Weihnachten auch). Na toll. Und wer ist als einizge nicht krank, weil sie viel zu viel damit zu tun hat, andere gesund zu pflegen…?