Die Luft angehalten…!

Montag, 13.April 2009

Heute ist etwas passiert… oder nein, ich muss anders anfangen. Kennt Ihr das, wenn man… naja, ich sage mal, ein Risiko bewusst eingeht? Wenn man genau weiß, etwas könnte schief gehen, und irgendwie macht man es trotzdem? Hm, ich merke schon, ich muss das präzisieren. Jedenfalls haben wir heute wieder etwas dazugelernt, Herr Sichtfeld und ich.

Wir waren gerade im Aufbruch um wieder eine Ladung Kisten zu unserem Haus rüberzufahren. Das Auto war voll, und Herr Sichtfeld verstaute gerade Sichtfeldchen im Kindersitz. Ich stand irgendwie daneben, ohne etwas bestimmtes zu tun. Dann machte Herr Sichtfeld die Autotür zu, und genau in dem Moment entfuhr ihm ein herzhaftes „Sch…!“. Es klang jedoch nicht wütend oder so, sondern so, als wäre ihm genau jetzt das Herz in die Socken gerutscht. Das war es auch, und ich begriff auch genau in dem Moment, was ihn so erschüttert hat. Die Autotüren waren alle zu. Sichtfeldchen saß im Auto. Die Zentralverriegelung war aktiviert, sprich, man konnte die Türen nicht von außen öffnen. Und wo war der Schlüssel? In Sichtfeldchens Hand. Sie liebt es so, mit dem kleinen Knopf zu spielen, der den Schlüsselbart aus dem Gehäuse schnappen lässt… Das meinte ich mit „ein Risiko bewusst eingehen“.

Dazu muss ich erklären, dass wir seit gestern die Autos mit den Großeltern Sichtfeld getauscht haben, weil wir nur einen Mittelklassewagen fahren und sie einen Van, in den im Rahmen des Umzugs natürlich viel mehr reinpasst. Und wie es das Schicksal so will: Sie hatten uns nur diesen einen Schlüssel dagelassen – der Zweitschlüssel liegt etwa 600km weiter nördlich.

Man stelle sich also folgende Situation etwa filmreif vor: Im Auto in ihrem Kindersitz sitzt ganz friedlich das 1 1/2jährige Sichtfeldchen mit dem Autoschlüssel in der Hand. Draußen vor dem Fenster stehen zwei ihre aufkochende Nervosität unterdrückende Eltern und reden auf Sichtfeldchen ein, einen bestimmten Knopf auf dem Schlüssel zu drücken und somit die Autotüren zu öffnen. Und man stelle sich vor allem Sichtfeldchens erstaunten und leicht fragenden Gesichtsausdruck angesichts des Schauspiels vor ihrer Fensterscheibe vor.

Mama: Schatz, drück mal ganz fest auf den Knopf! Nein, nicht auf den Knopf, auf den anderen!
Papa: Oh Gott, das schafft sie doch nie!
Mama: Ganz ruhig, Moment. Schatz drück mal auf den Knopf. Wo ist der Knopf?
Papa flucht leise vor sich hin.
Mama: Du machst das super, mein Schatz, drück nochmal drauf!
Papa versucht Sichtfeldchen anhand eines anderen Schlüssls zu zeigen, das sie am anderen Ende auf den Schlüssel drücken soll. Noch mehr fragende Blicke aus dem Wageninneren.
Papa: Guck mal, Süße, hier musst du drücken, nicht da!
Mama: Feste, gaaanz feste!
Papa guckt sich vorsichtshalber schonmal nach einem geeigneten Stein zum Scheibeinschlagen um.
Mama: Sie schafft das! Solange sie nur den Schlüssel nicht fallen lässt!
Papa: Gut festhalten, Süße!
Mama: Mit beiden Händen, Schatz! Ja, so ist es gut, und jetzt ganz feste drücken!
Sichtfeldchen drückt. Der Schlüssel verrutscht in ihrer Hand. Mama und Papa wagen kaum zu atmen.
Mama: Sie hat es gleich. Los, Schatz, nochmal mit dem anderen Daumen! Ganz feste!
Papa macht sich startklar mit der Hand an der Beifahrertür. Sichtfeldchen verriegelt zum wiederholten mal das Auto.
Mama: Du machst das ganz super, mein Schatz! Los, nochmal ganz feste drücken!
Auto: KLICK.
Papa reißt die Autotür auf, und Mama und Papa liegen sich jubelnd und aufatmend in den Armen.

Wir haben ja so ein intelligentes Kind! Und wir sind ja manchmal so dumme Eltern! Es war echt nur eine Frage der Zeit, bis das mal passiert! Aber man ist ja lernfähig: Den nächsten Autoschlüssel bekommt Sichtfeldchen erst so in 16 Jahren in die Hände! 😉

Nee, im Ernst – irgendwie habe ich die ganze Zeit daran geglaubt, dass Sichtfelchen das schafft, und konnte deshalb sogar in dem Moment die Szene mit humor nehmen, auch wenn es tatsächlich ganz anders hätte ausgehen können. So sind wir nun alle wieder um eine Erfahrung und ein paar Einsichten reicher geworden! Was will man mehr?


Vom Wecken schlafender Hunde…

Samstag, 31.Januar 2009

Nachmittags waren wir zu Dritt beim Ha*ibo Werksverkauf – von Zeit zu Zeit muss das eben sein, wenn man schon direkt bei Bonn wohnt. Im Vorfeld hatten wir überlegt, ob es denn wohl wirklich eine gute Idee sei, dort mit Sichtfeldchen hinzufahren, denn noch weiß sie nicht allzu viel über Zucker. Als wir dann jedoch dort waren, stellte sich heraus, dass nicht die Süßigkeiten mit magnetischer Kraft auf unsere Tochter einwirkten, sondern vielmehr die Spieleecke, genauer gesagt der Hubschrauber und das Karussell. Dabei handelt es sich um solche Exemplare, die in den Einkaufsszonen viel zu häufig rumstehen und deren Beliebtheitsgrad man an der Anzahl der davor auf dem Boden herumkreischenden Kinder und ihrer entnervt in der Geldbörse kramenden Mütter abmessen kann. Bei Ha*ibo ist es nun aber so, dass es statt des Geldeinwurfschlitzes einen freundlichen grünen Knopf gibt, mit dem man die Geräte entgeldlos in Bewegung setzen kann. Okay, und wir haben unserer Tochter den Spaß gegönnt: Während wir abwechselnd durch die verführerischen Süßwarenregale schlenderten (größenmäßig mit einem Ald* vergleichbar, aber eben ausschließlich mit Ha*ibo-Produkten *schwärm*) durfte Sichtfeldchen die ganze Zeit Hunschrauber fliegen oder auf dem Karussell andächtig ihre Runden drehen. Es war aber auch einfach ein zu süßer Anblick!

Jetzt fragen wir uns nur, ob wir nicht die sprichwörtliche Büchse der Pandora geöffnet haben. Werden wir je wieder entspannt mit Sichtfeldchen durch die Innenstadt schlendern können? Wird sie ab sofort nicht bei allen vergleichbaren Geräten aus ihrem Buggy herauszuspringen versuchen? Wird sie nicht notfalls alles daran setzen, uns durch Kreischen und Aufdenbodenschmeißen dazu zu bewegen, 50 Cent rauszurücken…? Selbst Schuld, Ehepaar Sichtfeld, selbst Schuld! 🙂


Erkenntnis des Tages

Donnerstag, 29.Januar 2009

Wenn Sichtfeldchen in einem anderen Raum ist als ich und wenn es in diesem anderen Raum plötzlich sehr, sehr still wird, dann ist es ratsam, mal nachsehen zu gehen.

Gestern saß Sichtfeldchen in ihrem Bett und spielte – das macht sie manchmal, weil sie sich da einfach total wohl fühlt. Ich war nebenan und machte unser Bett, als mir diese verdächtige Stille auffiel. Üblicherweise hört man sie nämlich sonst vor sich hin plappern oder mit irgendwelchen Gegenständen hantieren. Naja, dachte ich mir, geh mal lieber nachsehen. Und siehe da, Fräulein Picasso hatte sich weiß der Geier woher irgendwoher einen Kugelschreiber geangelt, es geschafft die Mine herauszuklicken und malte nun glücklich und hochkonzentriert viele lange schwarze Striche auf ihr weißes Spannbettlaken…

Heute morgen dann spielte Sichtfeldchen im Wohnzimmer, während ich das Frühstücksgeschirr in der Küche in den Geschirrspüler räumte, und wieder bemerkte ich nach einiger Zeit eine fehlende Geräuschkulisse. Als ich nachsehen ging, fand ich ein von oben bis unten glänzendes Kind vor. Sie hatte sich die Butterschale vom Frühstückstisch geangelt und saß nun auf dem Wohnzimmerboden und schaufelte mit Hilfe ihres nicht weniger glänzenden Schlafhasen die besonders streichzarte Butter aus der Schale, untersuchte sie mit ihren neugierigen kleinen Fingerchen und verteilte sie um sich herum…

Fazit: Zwei außerplanmäßige Waschmaschinenläufe, ein komplett neu bezogenes Bett und ein komplett neu eingekleidetes Kind sowie eine breit grinsende Mama, die sich innerlich vorgenommen hat, in Zukunft schneller auf diese verdächtige Stille zu reagieren.


Noch halb schlaftrunken

Sonntag, 23.November 2008

Durchs Babyfon kommt ein leises Rascheln, ein Schnaufen und noch ein Rascheln. Ich mache mich langsam startklar, und beim nächsten Rascheln gehe ich in den Flur und öffen leise die Tür zum Zimmer meiner Tochter. Eine Wolke vom einzigartigen Duft meiner Tochter wallt mir entgegen. Ich liebe diesen Duft, es ist der schönste der Welt! Da liegt sie, halb unter, halb auf ihrer Bettdecke, auf dem Bauch, hingekuschelt. Ich sage zärtlich „Guten Morgen, mein Schatz“, und sie hebt den Kopf, blinzelt mich an. Sie ist sofort wach und sofort voll da, rappelt sich geschwind auf und stellt sich an das Gitter ihres Bettchens. In der Hand hält sie ihren Schlafhasen, den sie mir nun entgegenstreckt; an ihrem Schnuller vorbei ruft sie begeistert „Ga! Ga!“ (=da!).

Ich begrüße ihren Hasen ebenfalls, dann nehme ich sie auf den Arm, und sie kuschelt sich für einen Moment an meine Halsbeuge. Ich atme ihren Duft tief ein, und eine Woge von Liebe und Glück durchläuft meinen ganzen Körper. Doch lange hält sie es nicht beim Kuscheln aus, es gibt viel zu viel zu sehen. Wir gehen zum Fenster und lassen den Tag ins Zimmer. Dann begrüßen wir die Kuscheltiere in ihrem Regal, und sie nimmt sich eines davon mit auf den Wickeltisch. Dort liegt sie dann auf dem Rücken, gähnt geschickt um den Schnuller herum und räkelt sich erstmal genüsslich. Sie drückt die Beinchen ganz durch und reckt die Arme über den Kopf, dabei gibt sie wonnevolle Laute von sich… Und von nun an kann es gar nicht mehr schnell genug gehen. Mama, los, wickel schneller, oder geht das vielleicht auch im Stehen? Hose, Schuhe? Brauche ich nicht! Ich will mich ins Leben stürzen, jetzt, wo ich wach bin!

Diesen Moment erlebe ich jeden Tag zweimal, und ich genieße ihn immer wieder aus tiefster Seele. Und gerade jetzt dringt das erste leise Rascheln durch das Babyfon an mein Ohr…

(geschrieben gegen 13 Uhr)


Schleudertrauma

Montag, 21.Juli 2008

Tja. Karusselfahren ist ja bekanntermaßen nicht jedermanns Sache…

Aber man sollte es doch zumindest mal probiert haben.

„Okay, das hätte ich mir viel fürchterlicher vorgestellt!“

„Huiiiiiiii…“

„Naja, also… wenn ich ehrlich bin…“

„Mir ist schlecht…!“

„Lasst mich doch alle in Ruhe!“

„Also ICH fand´s geil!“


Voodoo

Mittwoch, 2.Juli 2008

Nein, nicht wirklich. Die Puppe meiner Tochter musste einfach mal gewaschen werden…

Sieht aber schon irgendwie makaber aus, oder?