Neue Geschäftsmasche?

Donnerstag, 30.Juli 2009

Gestern abend bin ich vor der allmittwochlichen Chorprobe noch etwas durch die Bonner Innenstadt gebummelt und habe mir als kleinen Abendimbiss so ein Sechstelstück Pizza von dieser leicht überteuerten Pizza-Hütten-Kette genehmigt. Bevor ich jedoch in das nächste Geschäft hineingehen konnte, musste ich ja ersteinmal die Pizza aufgegessen haben. Gesagt, getan. Ich schiebe mir also den letzten, etwas überdimensionierten Bissen in den Mund, werfe Papierserviette und Pappteller in den nächsten Mülleimer und drehe mich Richtung Eingang, mit etwa folgenden Gedanken im Kopf:

„Oh Mann, hoffentlich sieht jetzt keiner zu genau in mein Gesicht, wie ich hier schwer kaue, mit dicken Backen usw. – sieht bestimmt ziemlich bekloppt aus… Aber egal, mich kennt hier ja zum Glück keiner…“

Und was passiert genau in diesem Moment? Da kommt so ein etwas heruntergekommener Jugendlicher und spricht mich in so einem ganz leisen, zaghaften Ton an, den ich noch dazu kaum verstehe. Ich würde kaum mehr als ein „Mmmmpf“ herausbringen, deshalb versuche ich, ihn durch Gesten darauf aufmerksam zu machen, dass ich gerade den Mund voll habe. Das hat er vermutlich noch gar nicht gemerkt! Er murmelt jedenfalls etwas davon, dass er mich nicht belästigen will oder so und tut es aber trotzdem. Mit Mühe und Not bringe ich ein ziemlich undeutliches „IschhabdemMumpvoll“ heraus und will damit an sein Feingefühl appelieren, dass er sich abwendet und uns beiden den Rest dieser Peinlichkeit erspart. Aber er fragt mich stattdessen, ob ich nicht etwas Geld für ihn hätte für etwas zu essen. Na toll! Wie bitte soll ich mich den jetzt fühlen? Ich stehe hier mit bis zum Bersten mit Pizza gefüllten Backentaschen, und er erzählt mir, dass er Hunger hat. Ich resigniere kurzerhand und ziehe mein Portemonnaie heraus – ehrlich gesagt vor allem deshalb, weil ich diese blöde Situation so schnell wie möglich beenden und meinen Rest Pizza in Ruhe und einem Rest Würde herunterwürgen will – und drücke ihm eine Münze in die Hand. Er bedankt sich und verschwindet. Aufatmen kann ich nur durch die Nase, mein Mund ist immer noch zu voll…

Ich gebe zu, bei den üblicherweise in meiner Mundhöhle herrschenden Raumverhältnissen hätte ich mich wortreich und versuchtermaßen höflich aus der Affäre gezogen und ihm nichts gegeben. Ich spende lieber an Straßenmusiker, denen ich eine Weile zuhöre, oder über eine ganz bestimmte Organisation, von der ich weiß, dass das Geld auch wirklich ankommt und sinnvoll genutzt wird.

Anschließend konnte ich mich jedoch eines bestimmten Gedankens nicht erwehren: Ist das eine neue Geschäftsmasche? Legen die es jetzt vielleicht drauf an, Leute auf dem falschen Fuß zu erwischen und die unangenehme Situation für den potentiellen Geldgeber auszunutzen? Ich könnte mir vorstellen, dass man damit gar nicht so schlecht verdient! Vielleicht gibt es ja mehr Leute wie mich, die sich mit vollem Mund nicht mehr in der Lage sehen, die Bitte um Geld höflich und dennoch entschieden von sich zu weisen, und die sich dann lieber von einer Münze trennen, als einfach stumm den Kopf zu schütteln und sich wegzudrehen… Es lebe die Höflichkeit!

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