Vom Wecken schlafender Hunde…

Samstag, 31.Januar 2009

Nachmittags waren wir zu Dritt beim Ha*ibo Werksverkauf – von Zeit zu Zeit muss das eben sein, wenn man schon direkt bei Bonn wohnt. Im Vorfeld hatten wir überlegt, ob es denn wohl wirklich eine gute Idee sei, dort mit Sichtfeldchen hinzufahren, denn noch weiß sie nicht allzu viel über Zucker. Als wir dann jedoch dort waren, stellte sich heraus, dass nicht die Süßigkeiten mit magnetischer Kraft auf unsere Tochter einwirkten, sondern vielmehr die Spieleecke, genauer gesagt der Hubschrauber und das Karussell. Dabei handelt es sich um solche Exemplare, die in den Einkaufsszonen viel zu häufig rumstehen und deren Beliebtheitsgrad man an der Anzahl der davor auf dem Boden herumkreischenden Kinder und ihrer entnervt in der Geldbörse kramenden Mütter abmessen kann. Bei Ha*ibo ist es nun aber so, dass es statt des Geldeinwurfschlitzes einen freundlichen grünen Knopf gibt, mit dem man die Geräte entgeldlos in Bewegung setzen kann. Okay, und wir haben unserer Tochter den Spaß gegönnt: Während wir abwechselnd durch die verführerischen Süßwarenregale schlenderten (größenmäßig mit einem Ald* vergleichbar, aber eben ausschließlich mit Ha*ibo-Produkten *schwärm*) durfte Sichtfeldchen die ganze Zeit Hunschrauber fliegen oder auf dem Karussell andächtig ihre Runden drehen. Es war aber auch einfach ein zu süßer Anblick!

Jetzt fragen wir uns nur, ob wir nicht die sprichwörtliche Büchse der Pandora geöffnet haben. Werden wir je wieder entspannt mit Sichtfeldchen durch die Innenstadt schlendern können? Wird sie ab sofort nicht bei allen vergleichbaren Geräten aus ihrem Buggy herauszuspringen versuchen? Wird sie nicht notfalls alles daran setzen, uns durch Kreischen und Aufdenbodenschmeißen dazu zu bewegen, 50 Cent rauszurücken…? Selbst Schuld, Ehepaar Sichtfeld, selbst Schuld! 🙂

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Erneute Begegnung – oder Erscheinung?

Samstag, 31.Januar 2009

Heute vormittag waren Herr Sichtfeld, Sichtfeldchen und ich mit dem Auto unterwegs und wollten gerade in ein Parkhaus hineinfahren, als ich plötzlich etwas – nein, jemanden sah. „Das ist er! Das ist meine Begegnung!“ platzte es aus mir heraus, und ich war plötzlich ganz aufgeregt. Da war er tatsächlich, der alte Herr im grünen Lodenmantel, genau so, wie ich ihn ihn Erinnerung hatte. Er ging an seiner Krücke, und es sah aus, als fiele ihm das recht schwer. Wir fuhren im Auto an ihm vorbei und konnten nirgends anhalten, sonst hätte ich das sicher getan. Und kaum hatt ich ihn gesehen, war alles wieder da – diese wunderschöne halbe Stunde des Gesprächs mit ihm und vor allem dieses unendlich gute Gefühl im Bauch. Ist das nicht seltsam? Ich habe ihn nur für wenige Sekunden wiedergesehen, nur im Vorbeifahren, und trotzdem fühlte ich mich sofort wieder glücklich, leicht und warm in meinem Inneren, wie an jenem Abend…

Als wir aus dem Parkhaus herauskamen und unsere Besorgungen erledigten, habe ich mich immer wieder nach dem alten Herrn umgesehen, ihn jedoch nirgends mehr entdecken können. Und dennoch lief ich den ganzen Vormittag über mit einem versonnenen Lächeln auf dem Gesicht herum, weil er mir immer wieder im Kopf herumspukte. Was hat dieser Mensch nur für eine Ausstrahlung, für eine Wirkung auf mich, dass es mir so unglaublich gut geht, nur weil ich ihn sehe?! Ich habe mich einfach unglaublich gefreut!


Erkenntnis des Tages

Donnerstag, 29.Januar 2009

Wenn Sichtfeldchen in einem anderen Raum ist als ich und wenn es in diesem anderen Raum plötzlich sehr, sehr still wird, dann ist es ratsam, mal nachsehen zu gehen.

Gestern saß Sichtfeldchen in ihrem Bett und spielte – das macht sie manchmal, weil sie sich da einfach total wohl fühlt. Ich war nebenan und machte unser Bett, als mir diese verdächtige Stille auffiel. Üblicherweise hört man sie nämlich sonst vor sich hin plappern oder mit irgendwelchen Gegenständen hantieren. Naja, dachte ich mir, geh mal lieber nachsehen. Und siehe da, Fräulein Picasso hatte sich weiß der Geier woher irgendwoher einen Kugelschreiber geangelt, es geschafft die Mine herauszuklicken und malte nun glücklich und hochkonzentriert viele lange schwarze Striche auf ihr weißes Spannbettlaken…

Heute morgen dann spielte Sichtfeldchen im Wohnzimmer, während ich das Frühstücksgeschirr in der Küche in den Geschirrspüler räumte, und wieder bemerkte ich nach einiger Zeit eine fehlende Geräuschkulisse. Als ich nachsehen ging, fand ich ein von oben bis unten glänzendes Kind vor. Sie hatte sich die Butterschale vom Frühstückstisch geangelt und saß nun auf dem Wohnzimmerboden und schaufelte mit Hilfe ihres nicht weniger glänzenden Schlafhasen die besonders streichzarte Butter aus der Schale, untersuchte sie mit ihren neugierigen kleinen Fingerchen und verteilte sie um sich herum…

Fazit: Zwei außerplanmäßige Waschmaschinenläufe, ein komplett neu bezogenes Bett und ein komplett neu eingekleidetes Kind sowie eine breit grinsende Mama, die sich innerlich vorgenommen hat, in Zukunft schneller auf diese verdächtige Stille zu reagieren.


Der Traum vom Haus V

Donnerstag, 29.Januar 2009

Jaja, der große Tag rückt näher. Die Hälfte der Wartezeit, bis das Haus endlich uns gehört, ist nun vorbei, und wir fiebern dem April entgegen. Nun wird es auch so langsam Zeit, die zum Glück wenigen anstehenden Renovierungsarbeiten zu planen, die Aufstellung der Möbel zu überdenken und vor allem: die neuen Möbel zu bestellen. Und so waren Herr Sichtfeld und ich heute nachmittag erst relativ erfolglos beim Möbelschweden und dann noch bei P*rta, wo wir mehr Glück hatten. Wir haben uns eine super Sofagarnitur zugelegt, und diese wird direkt nach unserem Umzug geliefert! Es klappt alles genau so, wie wir es uns vorgestellt haben, und ich werde mit jedem Tag ein bisschen aufgeregter und die Vorfreude wächst und wächst und wächst…!

Und hier sind unsere zukünftigen Prachtstücke – auf dem Bild fehlt nur ein großer gepolsterter Hocker, den wir noch dazu genommen haben, und wir haben uns für ein ganz ganz helles Grau entschieden.

2009-01-tommyBildquelle: www.carina-polstermoebel.de


Liebesbeweis

Mittwoch, 28.Januar 2009

Normalerweise ist Sichtfeldchen eher – na, sagen wir mal… abgebrüht. Außer ihrer Mama und ihrem Papa weint sie eigentlich niemandem hinterher, und auch Liebesbekundungen von außerhalb lässt sie sozusagen über sich ergehen, ohne groß zu reagieren. Gestern nachmittag kamen jedoch die Sichtfeld’schen Schwiegereltern auf der Durchreise zu Besuch, und es wurde gespielt, gelacht, getobt und ichweißnichtwasalles, und auch heute morgen gab es trotz der frühen Stunde noch eine Menge Spaß. Dann haben wir uns alle ins Auto gequetscht gesetzt, um die Großeltern zum Bahnhof zu bringen, und siehe da: Als Oma sich verabschiedete, bekam sie doch tatsächlich ein Küsschen! (Normalerweise wird man von Sichtfeldchen eher mit einem auffordernden Winken hinauskomplimentiert.) Und als ich dann alleine zurück zu ihr ins Auto stieg und Oma und Opa draußen blieben, fing sie plötzlich lauthals an zu weinen und mochte gar nicht wieder aufhören – trotz Mitleides sehr zur Freude ihrer Großeltern: Einen dickeren Liebesbeweis kann Sichtfeldchen wirklich nicht erbringen!


Von guten Mächten…

Mittwoch, 28.Januar 2009

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr;

noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das Du uns geschaffen hast.

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll’n wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Laß warm und hell die Kerzen heute flammen
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Gerade habe ich bei Theomix einen Artikel anlässlich des „Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ gelesen und musste spontan an dieses wunderschöne, traurige und zugleich tröstende Gedicht-Gebet von dem Theologen Dietrich Bonhoeffer denken, der 1945 im KZ Flossenbürg starb. Aus Neugier landete ich auf dieser sehr spannenden und Informativen Seite von Wikipedia, die ich Euch hiermit ans Herz legen möchte.

Vor einigen Wochen waren Herr Sichtfeld und ich auf der Beerdigung eines Nachbarn, auf der dieses Lied gesungen wurde. Ich kannte es bis dahin noch nicht als Lied, aber es hat mir so gut gefallen und mich so berührt, dass ich es Euch hier zeigen möchte.


Schönes und Weises – Anderen begegnen

Montag, 26.Januar 2009

Begegne Deinem Mitmenschen immer so, als würde er um Mitternacht sterben.

Diesen Spruch, der zugegeben von der Wortwahl her ziemlich brutal-direkt ist, hörte ich vor einigen Tagen in einem Film, und nach dem ersten Schrecken begann ich, darüber nachzudenken. Er entspricht nämlich ziemlich genau einem meiner persönlichen Grundsätze für ein glücklicheres Leben, nämlich dem, dass ich nicht schlafen gehen mag, wenn ich mit jemandem Streit habe – besonders wenn mir dieser Jemand sehr nahe steht. Klar lässt sich manchmal eine Meinungsverschiedenheit nicht mehr vor dem Schlafengehen ausräumen, aber es ist mir wichtig, dass man sich vor dem Abschied für die Nacht noch einmal versichert, dass sich an der Basis der Liebe nichts geändert hat. Das ist manchmal gar nicht so einfach, aber es tut gut, sich zu sagen, dass man sich liebt und dem anderen nichts Böses will, auch wenn man gerade in vermeintlich elementaren Punkten unterschiedlicher Meinung ist.

Aber dieser Spruch geht noch so viel weiter. Er ist ein Leitsatz für den Umgang mit allen Menschen. Er ist ein Prinzip für ein besseres und liebevolleres Miteinander. Und er erinnert daran, dass es manchmal plötzlich auch zu spät sein kann, etwas wieder gut zu machen oder etwas auszusprechen. Warum also sollten wir nicht unserem Mitmenschen so entgegentreten, dass wir ein gutes Gefühl und reines Gewissen hätten, welbst wenn wir ihm oder ihr nie wieder begegnen sollten?! Und das gilt für die Frau beim Aldi an der Kasse ebenso wie für den alten Herrn am Parkautomaten oder den gestressten Autofahrer links schräg hinter uns. Manchmal fällt es leichter, manchmal schwerer. So ist das eben. Aber es ist sicher gut, immer mal wieder an diese Worte zu denken…